«Salär macht Beruf unattraktiv»

26. Juni 2018 09:35; Akt: 26.06.2018 10:01 Print

Lehrer finden, dass sie zu wenig verdienen

Trotz steigender Anforderungen haben sich die Löhne der Lehrkräfte laut dem Lehrerverband schleppend entwickelt. Nun macht der Verband Druck.

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Ein Gymilehrer in Deutschschweiz verdient im 1. Dienstjahr im Schnitt 102'673 Franken. Sein Maximaler Jahreslohn liegt bei 159'070 Franken. In der Sek 137'992 Franken, in der Primarschule 119'586 Franken und im Kindergarten 113'791 Franken. Das Lohnbuch 2018 zeigt, wie viel man in anderen Berufen verdient: : Die geschätzte übliche Entlöhnung für einen Apotheker ab Studium beträgt 6900 Franken im Monat. Es gibt keinen 13. Monatslohn. : Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken ab dem ersten Berufsjahr. Sie verdienen laut dem Lohnbuch 7473 Franken. Seit 2006 ist dieser Wert um 24,1 Prozent gestiegen. Als Bäcker verdient man ab dem ersten Berufsjahr mit GAV 4000 Franken. Das sind 17,9 Prozent mehr als 2006. Ein Credit Manager verdient 10'192 Franken pro Monat. Einen 13. Monatslohn gibt es nicht. Ab 36 Jahren erhalten Techniker im Baugewerbe laut statistisch mittlerem Lohnband 7667 Franken pro Monat. Ein 26-jähriger Bauingenieur erhält 6288 Franken pro Monat. Dabei handelt es sich um einen mittleren Lohn. Berufsoffiziere der Armee verdienen nach einer Grundausbildung an der Militärakademie 8192 Franken. Ab dem ersten Berufsjahr im Buchhandel gibts laut GAV 4000 Franken pro Monat. Bei diesem Beruf gibts pro Monat mindestens 8077 Franken. Das Salär für einen Chefarzt beträgt laut Lohnbuch 12'888 Franken. Dieser Wert ist seit 2006 um 3,6 Prozent gesunken. Laut GAV für das Coiffeurgewerbe sollen Coiffeure mindestens 3800 Franken verdienen. 2006 waren es 3200 Franken pro Monat. Dachdecker mit GAV erhalten ab dem zweiten Berufsjahr monatlich 4400 Franken. Für Damenschneider gibts 3740 Franken im Monat. Die Lohnempfehlung für einen Dentalassistenten oder eine Dentalassistentin nach abgeschlossener Grundausbildung lautet 3700 Franken pro Monat. Sie verdienen als Missionschef 13'555 Franken pro Monat und stehen damit an der Spitze des Vergleichs. Im Bild Ex-Botschafter Tim Guldimann. Ab dem fünften Berufsjahr erhält ein Drucker mindestens 4500 Franken pro Monat. : Ein Elektromonteur verdient laut GAV ab dem 2. Berufsjahr mindestens 4650 Franken pro Monat. In diesem Beruf verdient man ab dem 2. Berufsjahr 4050 Franken im Monat. Dabei handelt es sich um eine Lohnempfehlung. Laut dem Lohnbuch verdienen Flugverkehrsleiter ab dem 15. Lizenzjahr 13'106 Franken. : Mitarbeiter mit Berufslehre erhalten im Service laut GAV 4120 Franken. Gelernte Gipser verdienen ab dem zweiten Jahr nach der Lehre 4500 Franken im Monat. 3863 Franken erhält ein Gleismonteur im Monat mindestens. In der finanziellen Steuerung beträgt der Anfangslohn 10'519 Franken. Nach abgeschlossener Ausbildung beträgt der Anfangslohn einer Hebamme 6229 Franken. Seit 2006 ist dieser Mindestlohn um 32,9 Prozent gestiegen. : Ein Journalist verdient nach Lohnempfehlung ab dem 3. Berufsjahr 6440 Franken. Auf dem Bild die Redaktion des «Landboten» in Winterthur (Archivbild). Der Mindestlohn für Kleinkindererzieher ist seit 2006 um 32,7 Prozent auf 4977 Franken gestiegen. : Köche verdienen 4120 Franken ab dem 1. Berufsjahr. Landwirte erhalten laut Lohnbuch mindestens 3800 Franken pro Monat. : Lastwagenchauffeure verdienen vom zweiten bis dritten Berufsjahr 4535 Franken laut Astag-Vereinbarung. Primarschullehrer verdienen laut dem Lohnbuch mindestens 6981 Franken. Ein Pensum beinhaltet 29 Wochenlektionen. Für Maler beträgt der Mindestlohn ab dem zweiten Berufsjahr 4340 Franken. Ab dem vierten Berufsjahr erhält ein Maurer mindestens 5553 Franken. 4070 Franken ist der monatliche Mindestlohn eines Metzgers ab dem ersten Berufsjahr. Ein Papierschöpfer kann mit einem Mindestlohn von 3690 Franken rechnen. Ein Captain verdient bei der Swiss ab dem ersten Dienstjahr mindestens 8898 Franken. Ein Pfarrer oder eine Pfarrerin in der Landeskirche Zürich verdient ab dem neunten Dienstjahr 9084 Franken. Eine Pflegefachperson auf Diplomniveau erhält 5539 Franken pro Monat. Der Anfangslohn nach abgeschlossener Weiterbildung beträgt 6316 Franken. : Ein Polizeigefreiter verdient 5512 Franken pro Monat (Mindestansatz ab Beförderung zum Gefreiten). (Stand: 2017) In diesem Beruf gibts 7992 Franken pro Monat. Der Anfangslohn nach abgeschlossener Ausbildung für einen Rettungssanitäter beträgt 4977 Franken. Wer in der Saline arbeitet, kann mit einem Mindestlohn von 3712 Franken rechnen. Ab dem 22. Altersjahr können Schreiner laut GAV mit einem Lohn von 4430 Franken rechnen. Die Mindestlohnempfehlung für Sozialarbeiter beträgt für Führer eines dreiköpfigen Teams 7285 Franken. (Stand: 2015) Ohne Umsatzbeteiligung erhalten Taxifahrer ab dem zweiten Anstellungsjahr einen Mindestlohn von 3200 Franken. Die Mindestlohnempfehlung für Tierpfleger liegt bei 3500 Franken. Dieser Wert deckt sich mit dem Mindestlohn für Tierpfleger im Jahr 2006. Der Mindestlohn für Gebäude-Unterhaltsreiniger beträgt bis zum dritten Dienstjahr 3422 Franken. : Detailhandelsangestellte verdienen bei Coop und Migros ungefähr 4000 Franken im Monat. (Stand 2017) Mit GAV bekommt ein gelernter Zimmermann im Holzbaugewerbe 4435 Franken pro Monat, rund 5 Prozent weniger als vor 12 Jahren. Seit 2006 ist der Mindestlohn eines SBB-Zugchefs um über 20 Prozent auf 4969 Franken gestiegen.

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Vielerorts kämpfen Schulen mit Personalproblemen. Ein Grund sind die Löhne. «Die Saläre der Lehrer sind zu tief. Das macht den Beruf unattraktiv», sagt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Lehrerdachverbands LCH dem «Tages-Anzeiger». Insbesondere Männer, die häufig lohn- und laufbahnaffiner seien als Frauen, würden davon abgeschreckt. Ausgehend von umfangreichen Daten forderte der LCH die Kantone und Gemeinden nun zum Handeln auf.

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Laut Peterhans haben sich die Lehrerlöhne im Vergleich zu anderen Branchen trotz steigender Anforderungen nur schleppend entwickelt. So sind diese heute laut Studien der Wirtschaftsprüfer PriceWaterhouseCoopers und Towers Watson mit jenen von Angestellten in der öffentlichen Verwaltung, in der Industrie und im Finanzdienstleistungsbereich zu vergleichen. Die Analysen im Auftrag des LCH zeigen aber: Bezahlt werden Saläre, die bis zu 80 Prozent unter jenen in diesen Referenzmärkten liegen.

Tiefe Löhne wegen Image des Frauenberufs

Ein Gymilehrer in Deutschschweiz verdient im 1. Dienstjahr im Schnitt 102'673 Franken. Sein Maximaler Jahreslohn liegt bei 159'070 Franken. In der Sek sind es 137'992 Franken, in der Primarschule 119'586 Franken und im Kindergarten 113'791 Franken. Peterhans spricht von einer strukturellen Diskriminierung. Die Löhne hätten sich nur deshalb so schlecht entwickelt, weil der Lehrer- heute längst als Frauenberuf gelte. Je mehr Frauen auf einer Schulstufe arbeiteten, desto tiefer seien die Löhne.

Stefan Denzler, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, hält es hingegen für sinnvoller, Löhne von Berufsleuten mit ähnlicher Ausbildung als Richtwert heranzuziehen. Im Falle von Primarlehrern seien dies etwa Personen mit einem dreijährigen Fachhochschulstudium. «Dabei stehen die Lehrer sehr gut da.»

Kantone leisten Widerstand

Lehrer finden den Vergleich zu oberflächlich. Franziska Peterhans entgegnet, dass die Lehrer im Unterschied zur Privatwirtschaft keine Aussicht auf eine Karriere mit höherer Entlöhnung hätten. Sie seien deshalb auf eine verlässliche Lohnperspektive mit einem kontinuierlichen Stufenanstieg angewiesen. Auch kritisiert sie, dass die kantonalen Parlamente bei den Lehrerlöhnen ansetzten, wollten sie bei der Bildung sparen. Der LCH fordert deshalb eine gesetzlich verankerte Lohnentwicklung.

Bei den Kantonen findet der Verband wenig Gehör. «Es macht wenig Sinn, national höherer Löhne einzufordern», sagt Silvia Steiner, Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK. Für die Saläre seien die einzelnen Kantone zuständig. Zudem schafften die diesbezüglichen unterschiede eine für die Lehrer positive Konkurrenzsituation.

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tim Tim am 26.06.2018 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien...

    Ja und sicher noch zu wenig Ferien;-)

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  • Sehnsucht 6 7 am 26.06.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fremd

    Wow rund 120000 Franken Jahreslohn und das ist zu wenig? ca 9000 Franken monatlich ist schon ein Hunger Lohn Ironie off. Ich finde es realitätsfremd diese Aussagen seitens der Lehrerschaft.

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  • A~ am 26.06.2018 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn

    Ich arbeite bei einem Vermögensverwalter und wir haben viele Lehrer als Kunden. > 130'000/Jahr würde ich jetzt nicht als wenig bezeichnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Besim am 27.06.2018 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gute lohn ohne schule

    Ich bin Gerüstbauer im akkord und habe 11500.- im monat ohne schule nur kraft und ausdauer. Haha. Also geht nur in schule.

  • Louis am 27.06.2018 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach!

    Höhere Lehrerlöhne sind schon lange überfällig! Die Belastungenen in diesem Beruf sind extrem gestiegen. Wers nicht glaubt darf hier mal die netten K0mmentare durchlesen, danach ist alles klar!! Übrigens führen Lehrer die Statistiken von Burnouts und Herzinfarkten an, das nur so am Rande. Aber kein Wunder, ich denke, solche Kommentare hier sind keinem Herzen zuträglich.

    • bümi am 27.06.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Louis

      überal haben die Belastungen zugenommen. Der Lehrer kann vermutlicht nicht damit umgehen?

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  • L. Lorenzo am 27.06.2018 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Jammer-Lappen

    CHF 130'000.- x 13... und dies für 9 Monate arbeiten pro Jahr... Hört bitte auf zu Jammern.

    • Leser am 27.06.2018 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      Vorschlag!

      Hör du auf gegen Forderungen von Lehrpersonen zu geifern und werde selber Lehrer. Ist doch ein absoluter Traumjob, viel Spass!!

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  • kein Lehrer am 27.06.2018 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Musterbeispiel

    Und hier sehen wir 2600 Gründe, warum wir in der Schweiz einen Lehrermangel haben.

    • Tomtom am 27.06.2018 19:52 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo!

      Seht treffender K0mmentar, Danke!

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  • Gabriel Zumstein am 27.06.2018 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Zahlen nach offiziellem Berufsauftrag: 2180 Jahresarbeitsstunden. Macht zusammen rund 49.5h pro Woche mit 4 Wochen Ferien. Ca 105'000.- pro Jahr. Ergibt rund 48.- pro Stunde brutto. Doch Stammtischgespräche machen halt mehr Spass als Kopf einschalten und differenziertes Denken.