Kompetenz der Schüler

27. April 2014 14:07; Akt: 27.04.2014 19:23 Print

Lehrer wollen Bewertung statt bloss Schulnoten

Das heutige Beurteilungssystem sei für den Lehrplan 21 ungenügend, findet der Lehrerverband. Er fordert, dass Kriterien definiert werden, wann eine Kompetenz als erreicht gilt.

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Mit dem Lehrplan 21 sollen die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und nicht nur reines Fachwissen beurteilt werden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer (LCH) drängt im Hinblick auf den neuen Lehrplan 21 auf Änderungen bei der Beurteilung der Schüler. «Der Lehrplan 21 ohne neues Beurteilungssystem ist nicht möglich», sagt Jürg Brühlmann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des LCH.

In einer verbandsinternen Umfrage zum Lehrplan 21 hatten sich rund 90 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, dass am heutigen Beurteilungssystem etwas geändert werden müsse. Brühlmann bestätigte eine entsprechende Meldung der Zeitungen «Schweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag».

Das heutige Beurteilungssystem sei für den Lehrplan 21 ungenügend, sagte Brühlmann zur SDA. Es gehe aber nicht darum, die Noten abzuschaffen, stellte er klar.«Wir fordern eine Diskussion über das Beurteilungssystem, keine Notendiskussion.»

Denn der Lehrplan 21 gibt den Bildungsauftrag neu in Form von Kompetenzen vor – anstatt von reinem Fachwissen. Die Beurteilung von Kompetenzen aber sei schwierig, sagt Brühlmann. «Wenn beispielsweise im Fach Französisch geprüft werden muss, ob der Schüler auf Französisch ein Zugbillett kaufen kann, könnte dies in einem Rollenspiel getestet werden. Doch wie dieses beurteilt werden soll, ist unklar.»

Der LCH fordert deshalb, dass Kriterien definiert werden, wann eine Kompetenz als erreicht gilt. Die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) habe diese Diskussion bisher aber abgelehnt, sagte Brühlmann. In den nächsten Wochen will der LCH nun einen Vorstoss zum Thema veröffentlichen.

Wirtschaft fordert klare Benotung

Gerade in der Wirtschaft werden klare Benotungen erwartet. Um eine Anstellung zu finden, müssen Schulabgänger oft mehrere Tests durchlaufen. Viele Unternehmen beurteilen Kandidaten durch Notenchecks. «Diese Checks werden anhand von klaren Zahlen gemacht», sagt FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen gegenüber 20 Minuten.

Die Notensysteme der Schulen müssen also verständlich für die Wirtschaft sein, damit die Schulabgänger auf dem Arbeitsmarkt bestehen können. Um sich für eine Berufslehre zu bewerben, müssten Schüler momentan noch oft zusätzliche Tests ablegen, weil die Schulbewertungen nicht ausreichten, so Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Gewerbeverbands. Um die Schüler besser vorzubereiten, wäre es also sinnvoll, die Bewertungssysteme präziser zu gestalten.

Kantonsübergreifende Standards

Um den Anforderungen der Wirtschaft entgegenzukommen, ist es also wichtig, dass alle Schüler dieselben Voraussetzungen haben. Da die Notenvergabe traditionell von den Kantonen bestimmt wird, wird nun debattiert, ob das Notensystem nicht auf nationaler Ebene bestimmt werden sollte. «Es müssen einheitliche Standards eingeführt werden, wofür zum Beispiel die Note 4.5 steht.», sagt Bigler.

Anders sieht es Christian Amsler, Präsident D-EDK. «Wir sind stolz auf unsere kantonale Hoheit.» Dramatische Unterschiede gäbe es zwischen den Bewertungssystemen der Kantone sowieso nicht, fügt Amsler hinzu.

Kinder wollen Noten

In der Diskussion um das zum Lehrplan 21 passende Notensystem wird die Debatte um das richtige Notensystem wieder aufgerollt. Neben dem klassischen Schema mit Noten von eins bis sechs kommen auch reines Wortzeugnis, oder Mischzeugnisse mit Noten und Geschriebenem in Frage. Welche Form der Bewertung für die Kinder pädagogisch sinnvoller ist, bleibt umstritten.

«Für die Kinder ist es nicht so wichtig, ob eine Kompetenz mit einer Zahl oder mit Worten bewertet wird.», sagt Kinderpsychologe Leo Gehrig. Das sieht Waserfallen genauso: «Die Kinder selber sind gar nicht gegen Noten. Sie wollen benotet werden und sich vergleichen», sagt Wasserfallen. Darum sei es auch unnötig, über alternative Bewertungssysteme zu diskutieren. «Das momentane Notensystem kann die neuen Kompetenzfelder im Lehrplan 21 mit einem Zahlensystem abdecken.», sagt er.


Lehrplan wird abgespeckt

Der Lehrplan 21 wird derzeit überarbeitet. Nach der Konsultation entschied die D-EDK aufgrund der Rückmeldungen, den Lehrplan 21 um einen Fünftel zu kürzen. Kritikpunkte waren Umfang, Detaillierungsgrad sowie die teilweise zu hohen Anforderungen an die Schüler.

Die überarbeitete Version soll im Herbst 2014 vorliegen und Ende 2014 von den Erziehungsdirektoren der Deutschschweiz zur Einführung in den Kantonen freigegeben werden. Die meisten Kantone planen die Einführung für das Schuljahr 2017/18, einzelne Kantone früher.

(cfr/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Als Lehrlingsausbildender bring es mir herzlich wenig wenn ich sehe dass Fritzli im Fach 'seinen Namen tanzen' mit 'bestanden' daherkommt. Jetzt tut mal nicht so als ob unsere Kinder Zuckerpüppchen wären die man vor allem beschützen muss. Noten sind ein guter Vergleichspunkt und zeigen wer wo seine Stärken und Schwächen hat. Diese kann man dann gezielt fördern oder ausmerzen. – Tom

Kompetenzen - was soll dieses Wischiwaschi? Die, die Probleme mit Noten haben, werden auch Probleme haben, wenn nach Kompetenzen beurteilt wird. Meine Kinder haben und hatten nie Probleme mit Noten und wenn sie irgendwann mal einen Hänger hatten, haben sie sich wieder auf den Hosenboden gesetzt! Wenn man es zu etwas bringen will, muss mit dieser ständigen Verweichlichung endlich Schluss sein! Fördert endlich wieder die Leistungsstarken und verdonnert nicht alle dazu, sich den Langsamsten anzupassen - das macht nämlich die Stärkeren zu Störenfrieden in der Schule wegen Unterforderung!! – Strolchi

Noten spielen doch nach der Schule nur eine untergeordnete Rolle. In der Schule kam ich nie zurecht, ich habe mich oft gelangweilt. Am Schluss hatte ich gar mittelmässige Noten. Mag sein, dass ein paar Basics vermittelt wurden, Französisch, Englisch, Grammatik, Mathematik aber was ich heute weiss, arbeite und vermitteln kann, habe ich mir selber beigebracht. Ich habe keinen Schulabschluss und verdiene heute wesentlich mehr als der Durchschnitt und finde überall, auch im Ausland eine Arbeitsstelle. Gemessen an den vielen Jahren ist der Benefit, den ich aus der Schule ziehen konnte sehr gering. – Max Huber

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacky M. am 27.04.2014 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, man sollte einiges ändern

    Aber: warum nicht endlich mal so, dass die Schüler, wenn sie aus der Schule kommen, auch im Berufsleben Chancen haben? Das, was heute von den Volksschulen kommt, ist eine Katastrophe! Die einfachsten Dinge können sie nicht (mehr)! Warum nicht mal wieder ein Bildungssystem, das diesen Namen auch verdient? Die Reformitis der letzten Jahre war nie zum Besseren!

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  • Tom am 27.04.2014 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder vertragen mehr als Lehrer oder Eltern

    Als Lehrlingsausbildender bring es mir herzlich wenig wenn ich sehe dass Fritzli im Fach 'seinen Namen tanzen' mit 'bestanden' daherkommt. Jetzt tut mal nicht so als ob unsere Kinder Zuckerpüppchen wären die man vor allem beschützen muss. Noten sind ein guter Vergleichspunkt und zeigen wer wo seine Stärken und Schwächen hat. Diese kann man dann gezielt fördern oder ausmerzen.

  • Mia.. am 27.04.2014 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Verweichlichung

    Meine Güte, diese ewige Verweichlichung heute, was soll das? Ich bin in den 80ern aufgewachsen, wir haben eine gewisse Strenge auch überlebt, und sind deswegen heute nicht gebrochene Finöggeli. Ich bin zwar auch nicht unbedingt pro Leistungsgesellschaft, wie sie heute ist (weil zu extrem), aber es wird wohl herzlich wenig nützen, heutige Kinder zu hätscheln, zu pätscheln und zu verweichlichen, wo es nur geht. Das gibt eine verzogene Masse an Gören, die weder vernünftig arbeiten, noch mit Kritik oder Niederlagen (die zum Leben nunmal dazu gehören) umgehen kann. Super!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin Luessi am 27.04.2014 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    nicht verständlich

    ich verstehe nicht, warum hier altbewährte und erfolgreiche Bewertungsmodelle plötzlich erstetzt werden sollen. Eine Bewertung ist nötig und Sinnvoll. Ueber Noten geht das Einfach und überschaubar.

  • herr kurt am 27.04.2014 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrbetriebe

    viele lehrbetriebe haben heute bereits mühe die unterschiedlichen zeugnisse zu lesen. ob die neue beurteilungsform dies vereinfachen kann, ist zu bezweifeln.

  • Mia.. am 27.04.2014 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Verweichlichung

    Meine Güte, diese ewige Verweichlichung heute, was soll das? Ich bin in den 80ern aufgewachsen, wir haben eine gewisse Strenge auch überlebt, und sind deswegen heute nicht gebrochene Finöggeli. Ich bin zwar auch nicht unbedingt pro Leistungsgesellschaft, wie sie heute ist (weil zu extrem), aber es wird wohl herzlich wenig nützen, heutige Kinder zu hätscheln, zu pätscheln und zu verweichlichen, wo es nur geht. Das gibt eine verzogene Masse an Gören, die weder vernünftig arbeiten, noch mit Kritik oder Niederlagen (die zum Leben nunmal dazu gehören) umgehen kann. Super!

    • Bildung am 27.04.2014 19:35 Report Diesen Beitrag melden

      Lehrer haben keine Ahnung.

      Und die ältere Generation besteht nur aus den harten und gestählten 80er Jahre Schülern.

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  • daniel am 27.04.2014 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine der besten ideen

    finde ich fürs schulsystem.

  • Rolf R am 27.04.2014 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mit den heutigen Lehrkräften.

    Keine gute Idee. Das würde bedeuten das sich die Lehrer ja wirklich mit den Kindern beschäftigen müssten. Bei den Lehrern die wir haben wird das eine willkürliche Katastrophe geben. Unsere Lehrer sind nicht fähig Objektiv zu urteilen. Bei Noten ist es einfache und auch überschaubare.