Lehrermangel

14. September 2018 10:50; Akt: 14.09.2018 11:59 Print

Führt der Lehrermangel zu schlechten Lehrern?

An Primar- und Sekundarschulen können wegen des Lehrermangels auch Personen ohne Diplom unterrichten. Die SP Kanton Bern will die Kompetenzen der Lehrer testen.

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Die geburtenstarken Jahrgänge beginnen derzeit die obligatorische Schule. Das Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichte am Montag das Szenario für das Bildungssystem 2018–2027. Demnach wird auf allen Stufen ein Anstieg von 12 bis 15 Prozent erwartet. Den kräftigsten Anstieg der Schülerzahlen wird es auf Sekundarstufe I geben: Die Statistiker prognostizieren bis 2027 einen Anstieg von 15 Prozent auf 274'600 Schüler. Im Kanton Zürich wird auf Sekundarstufe ein Schüleranstieg von 25 Prozent erwartet. Mit steigenden Schülerzahlen fehle es zunehmend an Lehrern, sagt SP-Grossrat und Primarlehrer Roland Näf. «Es steht nicht niemand vor der Klasse, sondern eine unterqualifizierte Person.» Laut Prognose der BFS wird gleichzeitig der Bedarf von Lehrpersonen auf Sekundarstufe I von 2017 bis 2022 um 7 Prozent wachsen, während er auf Primarstufe insgesamt stabil bleibt. «Wir müssen immer mehr ausländische Lehrer und Quereinsteiger einstellen», sagt Näf. Als Quereinsteiger würden sich auch Menschen bewerben, die nicht aus Leidenschaft unterrichten, sondern ihren jetzigen Beruf nicht mögen. Mit steigenden Schülerzahlen fehle es zunehmend an Lehrern, sagt SP-Grossrat und Primarlehrer Roland Näf. Der Beruf müsse mit dem Lohn attraktiver gemacht werden und Lehrer müssten besser auf ihre soziale und schulische Kompetenz geprüft werden. Berufskollege Ueli Frey, Schulleiter auf der Primarstufe in Wohlen, ist selbst Quereinsteiger. Quereinsteiger seien motivierte Studierende und Lehrer: «Viele waren über 40 Jahre alt. Sie geben Gas, da sie so spät den Beruf noch wechseln.»

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Die geburtenstarken Jahrgänge beginnen derzeit die obligatorische Schule. Das Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichte am Montag das Szenario für das Bildungssystem 2018 bis 2027. Demnach wird auf allen Stufen ein Anstieg von 12 bis 15 Prozent erwartet. Den kräftigsten Anstieg der Schülerzahlen wird es auf Sekundarstufe I geben: Die Statistiker prognostizieren bis 2027 einen Anstieg von 15 Prozent auf 274'600 Schüler. Im Kanton Zürich wird auf Sekundarstufe ein Schüleranstieg von 25 Prozent erwartet.

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Laut Prognose des BFS wird gleichzeitig der Bedarf von Lehrpersonen auf Sekundarstufe I von 2017 bis 2022 um 7 Prozent wachsen, während er auf Primarstufe insgesamt stabil bleibt. Zudem ist laut dem Bericht die Zahl der Pensionierungen bei den Lehrkräften der obligatorischen Schule gegenwärtig auf einem Höchststand. Im Jahr 2017 wurden fast 40 Prozent mehr Austritte verzeichnet als 2010.

Unterqualifizierte Lehrpersonen

Mit steigenden Schülerzahlen fehle es zunehmend an guten Lehrern, sagt SP-Grossrat und Primarlehrer Roland Näf. «Es steht nicht niemand vor der Klasse, sondern eine unterqualifizierte Person.» Der Beruf müsse mit dem Lohn attraktiver gemacht werden und Lehrer müssten besser auf ihre soziale und schulische Kompetenz geprüft werden.

In einer Medienmitteilung schreibt die SP Bern, dass zunehmend Studenten eingesetzt würden, damit überhaupt Unterricht stattfinden könne. Gleichzeitig fahre der Kanton Bern fort mit einer Anstellungspolitik, die es den Schulen ermögliche, Personen ohne Lehrdiplom anzustellen.

Lockere Anstellungspolitik für Schulen

Auch in anderen Kantonen wie Zürich und Aargau kann die Schulleitung eine Lehrperson ohne Qualifikation einstellen, wenn das Diplom nachgeholt wird. Sollte der Lehrermangel zu hoch sein, sind temporäre Lockerungen der Regeln in den meisten Kantonen möglich.

Näf spricht aus eigener Erfahrung. «Wir haben auf eine ausgeschriebene Stelle eine einzige Bewerbung. Aus Not wird diese Person trotz fehlender Qualifikationen angestellt», sagt Näf. Es bräuchte eigentlich vor allem auf Primarstufe immer mehr Heilpädagogen und Lehrer mit Spezialausbildung.

Den Quereinsteigern fehle das Herzblut

«Wir müssen immer mehr ausländische Lehrer und Quereinsteiger einstellen», sagt Näf. Als Quereinsteiger würden sich auch Menschen bewerben, die nicht aus Leidenschaft unterrichten, sondern ihren jetzigen Beruf nicht mögen. Unterqualifizierten Personen fehle auch die soziale Kompetenz, um Elterngespräche richtig zu führen und die Kinder heilpädagogisch zu unterstützen.

Ähnlich sei dies an der Pädagogischen Hochschule, sagt Näf: «An die PH geht, wer in Jus oder Medizin gescheitert ist.» Auch der Bildungsbericht 2018 belegt: An der PH schreiben sich Studierende ein, die bereits andere Studiengänge abgebrochen haben.

Professor Urban Fraefel, Leiter des Instituts der Sekundarstufe an der PH der Fachhochschule Nordwestschweiz, sieht durch die lockeren Anstellungsbedingungen ein weiteres Problem: «Es kommen zunehmend Lehrpersonen ganz ohne Ausbildung zum Einsatz. Somit können sie nicht mit den Belastungen des Berufs umgehen», worauf im Studium vorbereitet werde. «Unterqualifizierte Personen sind anfälliger für ein Burn-out», meint Fraefel.

«Quereinsteiger legen sich ins Zeug»

Paul Bitschnau, Schulleiter der Bezirksschule Wohlen, bestätigt den Handlungsspielraum bezüglich Anstellungsbedingungen. Die vom Kanton Aargau geforderte «stufenentsprechende Grundausbildung» für Lehrer könne relativ frei umgesetzt werden. «Ich stelle aber niemanden an ohne Erfahrung oder Ausbildung», sagt Bitschnau. Zum Teil müsse deshalb auf pensionierte Lehrer zurückgegriffen werden.

Berufskollege Ueli Frey, Schulleiter auf der Primarstufe in Wohlen, ist selbst Quereinsteiger. Quereinsteiger seien motivierte Studierende und Lehrer: «Viele waren über 40 Jahre alt. Sie geben Gas, da sie so spät den Beruf noch wechseln.»

Dozenten und Studierende hätten schnell gemerkt, dass Menschen mit Lebenserfahrung die Schule bereicherten, sagt Frey. «Während drei Jahren konnten Quereinsteiger aber auch im Sommer als Lehrer angestellt werden und erst ab Herbst Teilzeit an der PH studieren. Das ist schon fragwürdig.» Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern wollte zum Vorwurf keine Stellung nehmen.

(anp)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paulina am 14.09.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts ?!

    Fast monatlich gibt es in diesem Medium Artikel die munter zum Lehrerbashing einladen. Wen wundert es, wenn eine ganze Berufsgruppe pauschal und undifferenziert bloss als Nichtsnutze und Ferientechniker verschrien wird, diesen Beruf niemand mehr machen will? - wer darunter leidet sind unsere Kids.

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  • Vorname Nachname am 14.09.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Sündenbock für immer

    Boah ich kanns nicht mehr hören an was Lehrer noch alles Schuld sein sollen...

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  • Timse am 14.09.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Faule Eier

    Es gibt auch so viele Lehrer mit Diplom, welche schlechten Unterricht abhalten. Können den Stoff nicht erklären, seit Jahren immer das Gleiche erzählen, Kinder und Jugendliche eigentlich hassen und mit Abwesenheit glänzen. Lehrer sein ist eine Passion.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 17.09.2018 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht um die nächste Lohnrunde 2018/19

    Jedes Jahr die gleiche Leiher / Gejammer gegen Ende Jahr - diese Staatsangesellten verdienen schon jetzt viel zu viel - darum NEIN zu Lohn-Erhöhung

  • Die Pessimistin am 16.09.2018 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Papiere - was beweisen sie?

    Kenne Lehrer mit und ohne Lehrerpatent - darunter gibt es einig mit Lehrerpatent, die sind demotivierter und schlechter als die ohne Lehrerpatent. Das Herzblut muss vorhanden sein - Diplome und Zertifikate beweissen gar nichts.

    • G.L. am 16.09.2018 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      @ pessimistin

      stimmt und kann man in allen anderen Jobs auch sagen!

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  • Hilda am 16.09.2018 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublicher Unsinn

    Na und Quereinsteiger haben mehr Lebenserfahrung und die braucht man in einem solchen Beruf. Und wenn man vorher etwas anderes stidiert hat, so ist sicher davon etwas hängen geblieben, was ebenfalls von Vorteil ist. Hört doch auf mit diesen abgehobenen und falschen Beiträge n. Die sp ist mittlerweile sowas von entrückt von der Realität.

  • hucki am 15.09.2018 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    ach was

    wozu braucht man Lehrer? Es kommen ja lauter Aerzte und Ingenieure vom Ausland, wir könnten sie sogar exportieren.

    • Heidi am 15.09.2018 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      @ ach was

      Dann unterrichten Ausländer Ausländer an Schweizer Schulen. Ein absolutes No go! So funktioniert die Integration von Ausländerkindern in unsere Gesellschaft nicht.

    • Xavier Lüond am 15.09.2018 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      @ ach was

      Mein Sohn hat einen ausländischen Lehrer, der sich in unserem Land kaum auskennt und andere Sitten und Bräuche hat. Nein Danke!

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  • markus k am 15.09.2018 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    es würde mehr lehrer geben wenn es kein studium mehr bräuchte.. um kindergärtner bis 6te klasse zu unterrichten reichts allemal ohne studium aus.. dann müssten auch die löhne nicht noch weiter nach oben angepasst werden. nicht die intelligenz macht einen guten lehrer aus sondern die passion, mit begeisterung wissen zu vermitteln.. eine kunst