VBS

01. September 2008 15:15; Akt: 02.09.2008 18:51 Print

Leopard: Vorwärts, Marsch ins Milliarden-Grab

von Adrian Müller - Der teuerste Rüstungskauf der Schweizer Armee wandert in den Berg: Das VBS legt 246 von einst 380 gekauften Leopard-Kampfpanzern definitiv still. Sie sind nur noch als Ersatzteillager zu gebrauchen.

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3,53 Milliarden Franken kosteten die von Politikern einst als «Wunderpanzer» bezeichneten 380 Leopard-87-Panzer – sie waren damit sogar noch teurer als die F/A-18-Kampfjets. 1993 wurde der letzte Leo unter den Augen des damaligen EMD-Chefs Kaspar Villiger an die Truppe ausgeliefert. «Grossauftrag erfolgreich abgeschlossen», hiess ein Hochglanzprospekt. Nur fünf Jahre später verkündete Adolf Ogi im Ständerat: «Wir müssen 148 Panzer einmotten – so wie man einen Töff im Winter einstellt.»

Von der Lagerhalle in die Berg-Kaverne

Seit 1998 warten die 148 Leoparde in riesigen, klimatisierten Lagerhallen in Rothenburg (LU) und Bronschhofen (SG) auf Kriegszeiten. Die Armee wendete für die Lagerung ein aufwändiges Verfahren an, welches die Panzer vor Rost und Standschäden schützen soll. Nun bricht die Armee die teure Intensivpflege ab: Wie Recherchen von 20 Minuten Online ergaben, wandern die 148 eingestellten Panzer zusammen mit weiteren 98 Leos ab 2009 in unbenutzte Kavernen, wo sie ungeschützt vor sich hinrosten werden. Stillgelegte Panzer können nur mit einem umfangreichen Sanierungsprogramm aus dem Tiefschlaf geweckt und wieder gefechtsfähig gemacht werden.

Jahresbudget für Leoparde

Wenigstens findet die Armee für 92 Panzer einen, wenn auch der «Wunderwaffe» unwürdigen, Verwendungszweck. Sie dienen als Ersatzteillager für die 134 noch in der Truppe verbleibenden Kettenmonster. Diese rüstet die Armee seit 2006 mit einem sogenannten Werterhaltungsprogramm auf: Für 395 Millionen Franken bekommen die Tanks Zusatzpanzerung, Wärmebildkameras etc.

Inklusive der aktuellen Kampfwertsteigerung kosteten die 380 «Wunderpanzer» den Steuerzahler bisher 3 925 000 000 Franken - dies entsprich fast dem Jahresetat der Armee.

Hinter dem Milliarden-Flop steht die Vision eines Schweizer Super-Panzers: In den 1980er Jahren produzierten über 800 Schweizer Firmen unter der Federführung von Oerlikon-Contraves in Lizenz die Schweizer Leopard-Panzer. Der Kauf ab Stange wäre laut einer Studie von Nicolas Hayek über 740 Millionen Franken billiger gewesen.

Laut einer schriftlichen Mitteilung der «Kommunikation Verteidigung» des VBS steht die Stilllegung der 246 Kampfpanzer im Zusammenhang mit dem Rüstungsprogramm 2006.

Verkauf nicht möglich

Eigentlich wollte die Armee die überzähligen Leos verkaufen: «Es besteht aufgrund des internationalen Überangebots kein entsprechender Markt», heisst es vielsagend im Schreiben des VBS. Deutschland hingegen konnte im 2007 140 überzählige Leopard-Panzer an Chile verkaufen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patriot am 02.09.2008 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Keine anderen Sorgen

    Liebe Militärhasser und anderweitig anderstdenkende. Dieses Budget von 3.5 Mia überdauerte fast 20 Jahre. Was ist den mit dem Asyl- und 3.Weltbudget - davon sehen wir auch nie wieder etwas und dies sind rund 3.5 Mia pro Jahr die ausgegeben werden!!!! Warum reklamiert nie darüber jemand?

  • Flo am 11.09.2008 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schwätzer

    Ich habe 2006 meine RS als Panzersoldat gemacht. Viele Kommentare hier sind verletzend für alle Pänzeler. Bei uns gab es keinen, der nicht im entscheidenden moment 100% Einsatz gab. Von wegen Pfadilager. Bei uns war jeder irgendwie stolz auf seinen Leo. Wenn schon Armee, dann richtig (auch mit Leos)

  • Werner K. am 02.09.2008 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, es gibt weitere Fehlkäufe

    Was ist mit den 15 Tonnen Tricuni-Schuhnägeln, die immer noch in einem Stollen warten und die zum 3. Mal fehlgekauften Funkgeräte und das millionenteure inkompatible Florako usw usw - finde weitere lustige Beispiele

Die neusten Leser-Kommentare

  • Flo am 11.09.2008 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schwätzer

    Ich habe 2006 meine RS als Panzersoldat gemacht. Viele Kommentare hier sind verletzend für alle Pänzeler. Bei uns gab es keinen, der nicht im entscheidenden moment 100% Einsatz gab. Von wegen Pfadilager. Bei uns war jeder irgendwie stolz auf seinen Leo. Wenn schon Armee, dann richtig (auch mit Leos)

  • Rene am 11.09.2008 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    An Michael

    Hallo Michael. Ich stand im Einsatz (Zivilschutz) beim Hochwasser 05 (innerschweiz) Wer hat da aufgeräumt ??? und wer hat da die leute evakuiert und betreut ? die armee ??? Der Auftrag ist klar geregelt, Zivilschutz muss innert 2 Stunden vor ort sein, Militär innert 24 stunden. (Macht auch sinn.)

  • pänzeler am 11.09.2008 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Berufsarmee

    macht doch endlich eine Berufsarmee. Dann würden die vielen milizler (mich eingeschlossen) nicht so viele Sachen kaputt machen und Geld zum Fenster raus werfen, weil wir zu wenig Ahnung vom Material haben. Wenn wir eine Berufsarmee hätten, könnte man Leute zu Profis ausbilden!!!

  • rolf s. am 03.09.2008 03:23 Report Diesen Beitrag melden

    das grosse geld

    macht man nur mit rauschgift und waffen,nur waffengeschäfte sind in der schweiz legal,sind viele politiker damit reich geworden

  • Patriot am 02.09.2008 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Keine anderen Sorgen

    Liebe Militärhasser und anderweitig anderstdenkende. Dieses Budget von 3.5 Mia überdauerte fast 20 Jahre. Was ist den mit dem Asyl- und 3.Weltbudget - davon sehen wir auch nie wieder etwas und dies sind rund 3.5 Mia pro Jahr die ausgegeben werden!!!! Warum reklamiert nie darüber jemand?