Ferien in Griechenland

18. Oktober 2018 21:18; Akt: 18.10.2018 21:18 Print

Schweizer Touristin bringt Plastikmüll wieder heim

Auf Social Media wird dazu aufgerufen, in jeden Strandferien täglich drei Stück Plastik einzusammeln. Darauf bringt eine Leserin einen Müllberg zurück in die Schweiz.

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«Vor mir stehen gigantische Plastiktaschen voller Müll, den wir in den zwei Ferienwochen auf dem Peloponnes produziert haben. 15 grosse Joghurtbecher, 7 Eierverpackungen, 22 PET-Flaschen, viele Trinkhalme, 9 Konservendosen, Shampoos, kaputte Schnorchelbrillen und viele andere Dinge und Verpackungen unseres reichen Lebens», sagt Martina S. Die Abfallberge haben sie und ihre Mitreisenden produziert. Deshalb fühle sie sich auch dafür verantwortlich, sie richtig zu entsorgen – das sei in der Schweiz meist besser garantiert.

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«Irgendwann habe ich wahrscheinlich eine Wasserschildkröte zu viel gesehen, durch deren Schnabel sich ein Plastikstrohhalm bohrte», sagt die 61-Jährige. Die konkrete Idee kam ihr auf Facebook. Auf Social Media ruft die Umweltgruppe namens Three Pieces of Plastic dazu auf, in den Ferien am Meer täglich drei Plastikteile aufzusammeln und richtig zu entsorgen.

«Schweizer leben in den Ferien wie Könige»

Deshalb nahm sie den gesamten Plastikmüll, den sie mit in die Ferien gebracht oder dort produziert hatte, wieder mit in die Schweiz (siehe Bildstrecke). Da Martina S. für die zwei Wochen mit dem Auto und der Fähre nach Griechenland und zurück fuhr, war ihr Konzept realisierbar. Im Flugzeug wäre dies wohl nicht möglich gewesen, sagt sie.

«Wir Schweizer denken in den Ferien gern: Hier gibt es halt keine Mülltrennung, dann eben nicht», sagt S. «Wenn wir uns über die Verschmutzung der Meere aufregen, können wir aber nicht mit gutem Gewissen unseren Wohlstandsmüll unseren südeuropäischen Gastgebern überlassen.»

In Gesprächen mit Experten habe sie herausgefunden, dass es in Mitteleuropa eine besser funktionierende Abfallinfrastruktur gebe als in den meisten südlichen Feriendestinationen. In Griechenland etwa werde das nicht rezyklierbare Plastik grösstenteils vergraben und nicht wie in der Schweiz mit Filter verbrannt. «Fakt ist aber: Wir in Mitteleuropa produzieren leider auch europaweit den meisten Müll pro Kopf», sagt sie.

Aktion wurde belächelt

«Ich bin auch nicht militant ökologisch. Einige glaubten bis kurz vor der Rückreise nicht, dass es mir ernst war, diese Säcke mitzunehmen», sagt Martina S. Den in den Restaurants produzierten Abfall mitzunehmen, sei besonders schwierig gewesen. «Ich konnte ja nicht hinter allen herrennen und ihr Röhrli einpacken. Irgendwann bekam ich aber Übung darin, wann ich zugreifen musste.»

Die Umweltorganisation Greenpeace freut sich, wenn Menschen Verantwortung übernehmen. «Gerade Plastik in die Schweiz zu transportieren, empfehlen wir aber nicht im grossen Stil. Auch in der Schweiz wird ausser PET praktisch kein Plastik rezykliert. Und beim Transport von Plastik im Auto entsteht auch zusätzliches CO2», sagt Sprecher Marco Pfister.

Die Art und Weise, wie man in die Ferien fährt, sei allerdings mindestens so wichtig. «So hinterlassen Flugreisen einen so grossen Fussabdruck, dass der persönliche Abfall im Vergleich dazu kaum ins Gewicht fällt», sagt Pfister. Plastiksammelaktionen am Strand seien lobenswert, aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. «Multinationale Konsumgüterkonzerne müssen das Problem endlich an der Wurzel packen und sofort damit beginnen, Einweg-Plastik zu reduzieren, und so schnell wie möglich ganz darauf verzichten.»

Das Fazit von Martina S.? Der Selbstversuch ist gelungen. Die Kehrseiten der Aktion, seien ihr aber durchaus bewusst. «Trotzdem wurde ich mir erstmals richtig bewusst, wie viel Müll wir tatsächlich produzieren.» Die Müllberge von den Sommerferien liegen – sauber getrennt und geordnet – zu Hause und warten darauf, richtig entsorgt zu werden.

(anp)