Jugendarbeitslosigkeit

28. April 2009 11:57; Akt: 28.04.2009 12:52 Print

Leuthard warnt vor dramatischem Anstieg

Ab Sommer 2009 dürfte es für Jugendliche nach dem Lehrabschluss schwieriger werden, eine Stelle zu finden. Bundesrätin Doris Leuthard will deshalb zusammen mit den Sozialpartnern gegen die Jugendarbeitslosigkeit vorgehen.

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Das Volkswirtschaftsdepartement und die Sozialpartner wollen ihr Aus- und Weiterbildungsangebot ausbauen und Lehrabgänger weiter beschäftigen.

Jugendliche sind von konjunkturellen Einbrüchen überdurchschnittlich betroffen, weil ihnen oft die von Firmen geforderte Erfahrung fehlt. So waren im März in der Schweiz 5,1 Prozent Jugendliche (20-24 Jahre) ohne Stelle, während die durchschnittliche Arbeitslosigkeit 3,4 Prozent betrug.

Fokus Jugendarbeitslosigkeit

Bundesrätin Doris Leuthard rief am Dienstag in Bern an einer Medienkonferenz mit dem Arbeitgeberverband, dem Gewerbeverband und dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund die Sozialpartner zu einem gemeinsamen Handeln gegen die Jugendarbeitslosigkeit auf.

Wenn Staat und Wirtschaft nichts unternähmen, könnte die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen laut Leuthard bis Ende Jahr bei 6 Prozent liegen und im kommenden Jahr sogar auf 9,3 Prozent ansteigen.

Die Volkswirtschaftsministerin rief die Sozialpartner dazu auf, die arbeitsmarktlichen Massnahmen (Praktika und Übungsfirmen) zugunsten der Jugendlichen zu nutzen. Für das laufende Jahr seien dafür 494 Mio. Fr. budgetiert. Die Kosten dürften allerdings aufgrund der Wirtschaftslage auf 636 Mio. Fr. zu stehen kommen. Die notwendigen Mittel seien allerdings bereit, sagte Leuthard.

Leuthard appellierte an die Privatwirtschaft und die öffentliche Verwaltung in den kommenden Monaten nicht Lehrstellen auf Vorrat abzubauen, Jugendliche nach ihrer Ausbildung weiter zu beschäftigten und die Arbeitsmarktfähigkeit von Jugendlichen auf Jobsuche mit Praktika und Übungsfirmen zu verbessern.

Mit ihrem Anliegen stiess Leuthard bei Gewerkschaftsbund (SGB), Gewerbeverband (sgv) und Arbeitgeberverband auf offene Ohren. Der sgv befürworte die Weiterbeschäftigung von Lehrabgängern, sagte Direktor Hans-Ulrich Bigler.

Bigler betonte, dass die kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) auf dem Arbeitsmarkt als Konjunkturpuffer wirkten. Zwei Drittel aller Beschäftigten seien in den KMU tätig. Die KMU würden Entlassungen oft nur im äussersten Notfall vornehmen. Ausserdem seien rund 70 Prozent der Lernenden in gewerblichen KMU angestellt.

Es liege im eigenen Interesse der Arbeitgeber, die Anstrengungen im Ausbildungsbereich und die rasche Integration junger Fachleute in den Arbeitsmarkt zu fördern, sagte auch Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Langfristig werde sich die Wirtschaft eher mit Fachkräftemangel als mit Jugendarbeitslosigkeit zu befassen haben.

Auch für den SGB steht die Weiterbeschäftigung von Lehrabgängern im Betrieb im Vordergrund. Lehrabgängerinnen, die nach der Lehre keine Stelle fänden, sollten eine Zusatzausbildung machen können, sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Praktika müssten aber eine Zusatzqualifikation bieten.

Stabile Lehrstellensituation

Entwarnung gab es am Dienstag für die Lehrstellenfront: Leuthard bezeichnete die Lehrstellensituation als stabil. In der deutschsprachigen Schweiz seien bereits viele Lehrstellen vergeben. Die Romandie beginne erst jetzt mit der Rekrutierung. Die Zahl der Schulabgänger sei rückläufig und im Vergleich zum Vorjahr meldeten die Kantone ein leicht grösseres Lehrstellenangebot. Mühe bekunden jedoch Jugendliche mit sozialen oder schulischen Defiziten.

(sda)