Ohne Tunnelgebühr

13. September 2013 11:17; Akt: 13.09.2013 15:01 Print

Leuthard will die zweite Gotthard-Röhre

Der Bundesrat bleibt dabei: Er will einen zweiten Strassentunnel durch den Gotthard bauen, aber in jede Fahrtrichtung nur eine Spur öffnen, trotz Skepsis in der Vernehmlassung.

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Der Bundesrat will einen zweiten Strassentunnel durch den Gotthard bauen. Heute nun hat die Verkehrsministerin die Botschaft für die zweite Gotthard-Röhre vorgestellt.

Nötig ist der zweite Tunnel in den Augen des Bundesrates, um während der Totalsanierung des 1980 eröffneten Strassentunnels die Strassenverbindung durch den Gotthard offen halten zu können. Ab etwa 2030, wenn die neue Röhre gebaut und die alte renoviert ist, werden zwei Tunnels durch den Gotthard führen.

Rücksicht auf das Tessin

Der Bundesrat hält damit am Plan fest, den er im Juni 2012 präsentiert hatte. Die Mehrheit der Kantone habe sich für diese Lösung ausgesprochen, hiess es dazu in der Mitteilung des Bundesamtes für Strassen (ASTRA). Auch eine knappe Mehrheit von Verbänden, Parteien und Organisationen sei dafür.

Mit seinem Entscheid für eine während der Sanierung durchgehend offene Gotthard-Strassenverbindung nahm der Bundesrat Rücksicht auf den Kanton Tessin. Dessen Regierung zeigte sich zufrieden: Nur mit dem zweiten Tunnel könne eine mehrere Jahre dauernde Isolierung des Tessins vom Rest der Schweiz verhindert werden.

Gegen die Vorlage ist ein Referendum möglich, und eine Volksabstimmung ist bereits jetzt so gut wie sicher. Die Gegner der zweiten Röhre - darunter SP, Grüne und Alpen-Initiative - haben ein Referendum angekündigt. Eine Abstimmung könnte 2015 stattfinden.

Die Gegner befürchten, dass mit dem zweiten Tunnel die Verlagerungspolitik untergraben wird. Ausserdem werde das in der Verfassung verankerte Verbot der Kapazitätserweiterung durchlöchert. Gegen die zweite Röhre ist auch der Kanton Uri.

Es wäre das dritte Mal nach 1994 (Alpenschutzinitiative) und 2004 (Gegenvorschlag zur Avanti-Initiative), dass das Volk direkt oder indirekt über den Bau eines zweiten Tunnels durch den Gotthard befinden würde. Bisher lehnte es solche Bestrebungen ab.

Nicht mehr Kapazitäten

Mehr Autos als der heutige Strassentunnel sollen die zwei Tunnels aber nicht schlucken. Das will der Bundesrat mit einem Artikel im Bundesgesetz über den Strassentransitverkehr im Alpengebiet (STVG) sicherstellen, damit der Alpenschutz gewahrt bleibt.

Ein temporärer Betrieb von mehr Fahrspuren wird also verboten - auch wenn sich in den Sommerferien auf der A2 die Autos kilometerlang vor den Tunnelportalen stauen. Eine der beiden Fahrspuren in den Tunnels dient als Pannenstreifen.

«Das ist kein Ausbauprojekt, sondern eine reine Sanierungsvorlage», stellte Verkehrsministerin Doris Leuthard in Bern vor den Medien klar. Solche Unterhaltsarbeiten seien ein «Must». Andere Projekte für die Beseitigung von Engpässen im Strassennetz würden durch die Sanierung am Gotthard nicht verdrängt.

Ebenfalls im Gesetz verankern will der Bundesrat das nach dem schweren Unfall 2001 eingeführte «Tropfenzählersystem» für Lastwagen: Camions sollen auch künftig mit mindestens 150 Metern Abstand durch den Tunnel fahren müssen.

Am 24. Oktober 2001 stiessen im Tunnel zwei Lastwagen frontal gegeneinander, was einen Brand auslöste. Elf Menschen kamen ums Leben.

Gegen Tunnelgebühren

Kosten sollen die Bauarbeiten am Gotthard insgesamt rund 2,8 Milliarden Franken. Auf eine Tunnelgebühr zur Finanzierung will der Bundesrat verzichten. In der Vernehmlassung hatte er mehrheitlich ablehnende Antworten zu dieser Frage erhalten. Schweizer Strassen sollten grundsätzlich gebührenfrei sein, lautete der Tenor.

Überwiegend kritisch war das Echo auch zu einer Private-Public-Partnership-Finanzierung, also einer Beteiligung von Privaten am Bau. Gewünscht oder begrüsst wurde dagegen ein Fonds für die Finanzierung von Nationalstrassen, was der Bundesrat ebenfalls anstrebt.

Das «redundante System» am Gotthard hält der Bundesrat für wichtig, um die Funktionalität der wichtigen Nord-Süd-Verbindung zu sichern. Wegen Unfällen und Unterhaltsarbeiten muss der Tunnel heute immer wieder vorübergehend gesperrt werden.

Ausserdem kämen künftige Generationen bei nächsten Grosssanierungen um eine Sperrung herum, hiess es in der Mitteilung. Die zweite Röhre sei deshalb auch aus finanzieller Sicht langfristig sinnvoll.

Knapp 17'000 Fahrzeuge pro Tag

Der heutige Gotthard-Strassentunnel wurde 1980 eröffnet. Die Verbindung durch die Alpen gilt als wichtigste Nord-Süd-Achse der Schweiz: Rund 60 Prozent aller die Alpen querenden Fahrzeuge benutzen den Tunnel - 2011 waren es rund 6,3 Millionen. Pro Tag waren es im Durchschnitt 16'835.

Weil der zweite Strassentunnel frühestens ab 2027 geöffnet werden kann, müssen im über 30-jährigen bestehenden Tunnel ab 2020 Überbrückungs-Umbauten mit vorübergehenden Tunnelschliessungen von insgesamt 140 Tagen vorgenommen werden, damit er weiterbenutzt werden kann. Total saniert wird der bestehende Tunnel nach der Eröffnung des neuen und bis etwa 2030.

(kub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mafu am 14.09.2013 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst,

    der heutige Bundesrat hat mit dieser Situation kaum etwas zu tun, aber der Bünzli-Schwizer kann eben nur ausrufen. Das wahrhafte Genie der Verkehrsplanung der letzten 20 Jahren, Herr M.Leuenberger der plötzlich bei Implenia im VR sass und etwas Geld dafür bekam, Neat Aufträge "gerecht" verteilt zu haben. Meine Generation (jg1987) darf die fehler ausbaden, mit bald dauerstau auf der gesamten autobahn und das die Sanierung des Gotthards kam, wusste man schon früher. an alle Neat fans, das Projekt ist toll, jedoch nicht brauchbar. denn weder italien noch deutschland haben ihre infrastruktur an unsere Neat trotz vertrag angepasst. also realistisch denken und das gesamtbild betrachten. danke für alles Herr Leuenberger.

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  • Bergli am 14.09.2013 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrsplanung noch nie normal

    Müssen wir dafür die Vignette für Fr. 100.- kaufen? In D will man nur Ausländer zur Kasse bitten - Sie wollen nur die CHler zur Kasse bitten. Und: Vorher denken und von Anfang an 2 Röhren bauen wäre viel günstiger geworden - aber das passte den ach so grünen SPlern nicht. Lieber die Morerei zu Lasten der Steuerzahler durchführen. Und bitte nicht nur 1spurig.

  • Fridolin am 14.09.2013 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht lernfähig, aber bein Bund

    Die schlauen Strassenplaner in Bern haben in 40 Jahren nichts glernt: Walensee du Qualensee war einmal - und den gleichen Mist machte man am Gotthard. Sesselinhaber in Bern bezahlt von Steuergeldern und nicht fähig Leistung zu erbrinen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Georges Müller am 15.09.2013 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Besser und billiger

    Alle Lastwagen zwischen Göschenen und Ambri (Flugplatz) per Bahn durch den neu nur noch eingleisigen Bahntunnel (wie am Oberen Hauenstein) und während der Strassentunnelsanierung alle Personenwagen, wie vom Bundesamt für Strassen vorgeschlagen, über die wintersicher hergerichtete Passstrasse. Keine 2. Röhre erforderlich.

  • mafu am 14.09.2013 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst,

    der heutige Bundesrat hat mit dieser Situation kaum etwas zu tun, aber der Bünzli-Schwizer kann eben nur ausrufen. Das wahrhafte Genie der Verkehrsplanung der letzten 20 Jahren, Herr M.Leuenberger der plötzlich bei Implenia im VR sass und etwas Geld dafür bekam, Neat Aufträge "gerecht" verteilt zu haben. Meine Generation (jg1987) darf die fehler ausbaden, mit bald dauerstau auf der gesamten autobahn und das die Sanierung des Gotthards kam, wusste man schon früher. an alle Neat fans, das Projekt ist toll, jedoch nicht brauchbar. denn weder italien noch deutschland haben ihre infrastruktur an unsere Neat trotz vertrag angepasst. also realistisch denken und das gesamtbild betrachten. danke für alles Herr Leuenberger.

    • Otto S. Normalverbraucher am 14.09.2013 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ mafu

      Da ist was dran: Heute leben in unserem Land etwa 8,2 Mio. Menschen (alle halblegalen und illegalen mitgezählt) und die Infrastrukturen (egal ob Strassen oder Bahn) sind dementsprechend nie angepasst worden. Das ist nun mal Fakt und lässt sich nicht mehr ändern. Wir, also das Stimmvolk, sollte sich nun dringend fragen und entscheiden, ob wir an der Personenfreizügigkeit mit der EU festhalten wollen. Kippen wir die Personenfreizügigkeit, dann ist das Infrastrukturproblem bald einmal von alleine gelöst. Halten wir daran fest, dann müssen wir die Strassen und Bahnlinien ausbauen. Ganz einfach!

    • Moritz A. L. am 14.09.2013 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ mafu 

      Bezüglich NEAT-Anschluss ist Deutschland dabei, die Eisenbahnstrecke zwischen Basel und Karlsruhe, wie mit der Schweiz vereinbart, vierspurig auszubauen. Zudem verfügt es bereits über ein intelligentes Leitsystem (CIR-ELKE), welches eine Optimierung und somit Steigerung der Zugsfahrten erlaubt. Eine Flut von Einsprachen der Anlieger (Stuttgart 21 lässt grüssen ...) verzögert das Projekt unweigerlich. Und Italien? Absolut tote Hose wie es im Buch steht! Eigentlich ein guter Grund um die diplomatischen Beziehungen mit Italien auf Eis zu legen ...

    • mafu am 15.09.2013 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Moritz A. L.

      Mit was soll Italien die Neat-Infrastruktur anpassen? Oliven? Seit der Finanzkrise zweifle ich ob Italien seinen Teil je erfüllen wird? Und die PFZ ? Nun diese zu kündigen beteutet Eiszeit mit der EU, ist zwar ein grosses Fehlkonstrukt aber der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Also so einfach ist es nicht. Ein Ausbau des Autobahnnetzes ist überfällig, und wenn ich Arena schaue mit z.B. Evi Allemann dann öffne ich bereits das Fenster um vor Aufregung rauszuspringen, da gemäss Ihr alle mit dem Velo arbeiten gehen könnten. Die Politik ist bestimmt nicht einfach alle zufriedenzustellen, aber die Realität sieht heute so aus obs wir wollen oder nicht. z.T. wird noch an die Schweiz Anno 1970 festgehalten, diese Zeiten sind def. vorbei! Darum Ja zur 2.Röhre, Ja zun Autobahnausbau. (ps. gehöre nicht in die rechte parteien)

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  • Martin M. am 14.09.2013 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch Elektrofahrzeuge

    Wie's scheint, gibt es viele Verkehrshasser und Alpentransitgegner unter der 20min-Leserschaft. Geht es bei all der Kritik stets um Lärm und Abgase? Woher wollt ihr wissen, dass 2030 immer noch mit Verbrennungsmotoren rumgefahren wird? Seid Ihr auch gegen die 2. Röhre, wenn der Verkehr geräusch- und geruchlos rollt? Mein Vorschlag: Nebst der zweiten Gotthardröhre sollte der Bundesrat die Elektromobilität mit ebenso viel Geld fördern.

    • tinu am 14.09.2013 17:33 Report Diesen Beitrag melden

      geräuschloser verkehr

      lässt sich auch mit einem Elektroauto nicht realisieren. Die Geräusche der Reifen übersteigen die eines durchschnittlichen Verbrennungsmotors schon bei 80 Km/h um Weiten und soweit mir bekannt ist, fahren auch Elektroautos auf ganz normalen Gummireifen. Diesen Kommentar nicht falsch verstehen, ich bin grundsätzlich nicht gegen die 2. Röhre. Das Problem ist nur, dass sie argumentieren wie die Politiker und Bundesräte: neben der Realität vorbei!

    • Ruedi M. Rastlos am 14.09.2013 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Martin M

      Die Idee mit den Elektrofahrzeugen sticht, aber glauben Sie wirklich daran? Daher folgender Vorschlag: Autos ohne Verbrennungsmotor dürfen gratis und Autos mit Verbrennungsmotor zahlen zwecks Finanzierung der Renovation der 1. Röhre pro Durchfahrt vom Gotthard-Strassentunnel CHF 100.00. Auf die 2. Röhre verzichten wir einfach mal und schauen wie sich der Individualverkehr mit dieser Regelung entwickelt ...

    • k.anig am 14.09.2013 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      ein träumer

      wenn der Verkehr geräusch- und geruchlos rollt? 2030 gibt's natürlich noch verbrennungsmotoren. elektro-Motoren sind auch nicht geräuschlos.

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  • D.N. am 14.09.2013 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    2. Röhre!

    Ja und wann fangen sie an mit der Röhre? In 20 oder 30 Jahren?

  • Ueli am 14.09.2013 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Tunnelgebühr zustimmen!!!!

    Ich stimme 2. Tunnel zu und auch lehne ich die Tunnelgebühren für alle an!!!

    • Papierlischweizer am 14.09.2013 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      Anlehnungsbedürftig

      Ist es nicht verboten, Tunnelgebühren an Tunnels anzulehnen?

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