Tabubruch

26. Juni 2011 12:07; Akt: 26.06.2011 12:16 Print

Levrat will den Franken an den Euro binden

Die Schweizer Wirtschaft leidet unter dem starken Franken. Jetzt will SP-Präsident Christian Levrat die Währung vorübergehend an den Euro anbinden. Economiesuisse warnt vor einem Souveränitätsverlust.

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«Investoren müssen das Signal erhalten, dass es sich derzeit nicht lohnt, in Schweizer Geld anzulegen»: SP-Präsident Christian Levrat will einen Negativzins einführen. (Bild: Keystone)

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SP-Präsident Christian Levrat fordert eine vorübergehende Anbindung des Frankens an den Euro, um die Auswirkungen der Euro-Schwäche auf die Schweizer Wirtschaft in Grenzen zu halten. Der Bund müsse deswegen umgehend Verhandlungen mit der Europäischen Zentralbank aufnehmen, forderte er in einem Zeitungsinterview.

Zwar wolle die SP keine dauerhafte Anbindung des Frankens an den Euro, «weil wir langfristig eine eigenständige Wirtschaftspolitik behalten wollen», sagte Levrat gegenüber der Zeitung «Sonntag».

Angesichts der Tatsache, dass wegen der Frankenstärke «100 000 Arbeitsplätze» in der Schweiz unmittelbar in Gefahr seien, müssten sofort Notmassnahmen ergriffen werden. Am Freitag war der Euro erstmals unter die Marke von 1,19 Franken gefallen.

Levrat forderte weitere Massnahmen wie die Einführung von Negativzinsen. «Investoren müssen das Signal erhalten, dass es sich derzeit nicht lohnt, in Schweizer Geld anzulegen.»

SP-Kritik an UBS B”rsenkurs und Banken

Zudem verlangte der SP-Präsident, dass den Banken verboten werden müsse, gegen den Franken zu spekulieren. «Es kann nicht sein, dass die UBS als zweitgrösster Devisenhändler der Welt gegen die Schweizer Volkswirtschaft arbeitet, zumal die Bank mit Steuergeldern gerettet worden ist. Mit ihrem Verhalten beweist die UBS, dass ihr die Schweiz nichts wert ist», sagte Levrat.

Gegenüber dem «Sonntag» schloss auch Swissmem-Präsident Hans Hess eine temporäre Anbindung des Frankens an den Euro nicht aus. Hess fürchtet, dass der Euro «im Extremfall» unter einen Franken fallen könne und forderte im Interview die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu auf, «ihren Handlungsspielraum wirklich auszunutzen und einer Schnellstabwertung entgegenzuwirken».

SNB-Intervention am Devisenmarkt gefordert

Neben einer «temporären Anbindung des Frankens an den Euro» müsse die SNB auch Interventionen am Devisenmarkt in Betracht ziehen. Laut Hess schreiben wegen der Frankenstärke derzeit ein Drittel der Schweizer Industrieunternehmen Verluste.

«Wenn sich die Währungssituation weiter verschlechtert, werden etliche Unternehmen irgendwann ihr Geschäft aufgeben oder die Arbeitsplätze verlagern müssen», sagte der Präsident des Verbandes der Schweizer Unternehmen in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie.

Economiesuisse gegen Anbindung

Dagegen warnt der Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, Gerold Bührer, in der «SonntagsZeitung» vor einer Frankenanbindung, die «letztlich die Aufgabe der Souveränität der Nationalbank bedeuten» würde.

Zudem würde eine Anbindung die SNB zu Interventionen am Devisenmarkt «in bislang nicht bekanntem Ausmass» zwingen. Die Nationalbank habe mit ihren Interventionen am Devisenmarkt in den vergangenen beiden Jahren und ihrer Tiefzinspolitik «ihre Handlungsspielräume» bereits stark ausgenutzt, sagte Bührer.

Die gegenwärtige Aufwertung der Frankens wegen der Schuldenkrise erachtet der Economiesuisse-Präsident als gravierend. Er forderte unter anderem von der öffentlichen Hand, Investitionen in Infrastruktur und Sicherheit vorzuziehen.

Dies sei «bei schlecht genutzten Kapazitäten» generell sinnvoll. Zudem verlangte er einen Abbau an Bürokratie und tiefere Unternehmenssteuer.

Konsumenten profitieren kaum

Während die Schweizer Industrie unter der Frankenstärke leidet, könnten die Konsumenten profitieren, weil die Preise für Importe aus dem Euroraum sinken. Doch dies ist kaum der Fall, wie Preisüberwacher Stefan Meierhans im Interview mit der Zeitung «Sonntag» feststellte.

«In Branchen mit wenig intensivem Wettbewerb bleiben die Preise überhöht», benannt Meierhans die Profiteure und fügte an: «Das Problem ist aber, dass selbst im hart umkämpften Detailhandelsgeschäft überhöhte Preise für einzelne Produkte vorkommen können, da diese nicht parallel importiert werden.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli am 26.06.2011 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Genial ...

    Tolle Idee ... einmal mehr erstaunt mich die Sicht dieses "Herrn" aber sicher nicht das letzte mal ...

  • Harry 70 am 26.06.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    so ein Schwachsinn, vorübergehend anbinden... wir sollten daraus lernen vom starken Franken den nutzen zu ziehen. Sehr viele im Privatbereich machen dies - und ebenso sehr viele Firmen profitieren davon. Aber es geht nur darum ncoh mehr profit zu machen anstelle das wir mal zufrieden sind dass wir in den so schweren Zeiten wie sie uns von den Medien vorgegaukelt werden so wenige Arbeitslose haben..

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  • Dr Chrigu am 26.06.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Euro versus Dollar

    Das Problem liegt nicht darin, dass der Euro schwach ist, sondern dass der Franken extrem stark ist. Bei Vergleichen von Dollar zu Euro hat sich der Wechselkurs da kaum verändert. Ich vermute mal, dass neben den Leuten, die eine stabilere Währung suchen auch wieder mal die Hedge-Fonds am Werke sind, die den Franken gehörig pushen. Unsere Exporteure sollten vorwiegend darauf pochen, dass die Preisdifferenz von importierten Waren voll weitergegeben wird, dann wird das auch die Verluste etwas abfedern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 27.06.2011 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Import-Export hält sich die Wage

    Die meisten exportabhängigen Unternehmen führen ihre Bücher eh in Euro oder Dollar. Was viele vergessen: Von diesen Firmen werde viele benötigte Rohstoffe im Ausland mit Euro oder Dollar eingekauft und bei diesen Geschäften ist derzeit ein riesen Gewinn drin.

  • Beat Müller am 27.06.2011 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polemik pur

    lächerliche "Argumente" EU hin oder her , wir sehen doch das unsere Exportwirtschaft kein unabhängiges System ist. Die EU ist auch nicht am Boden , es sind einige Staaten. D, F , E usw. sind immer noch finanzkräftig ,das wär auch so wenn die CH in der EU wäre. Bezahlen tun wir dies nun einfach über die Devisen. Alles nur Polemik...man soll nicht am Ast sägen auf dem man sitzt. Die EU ist der Baum.

  • Adrian am 27.06.2011 02:01 Report Diesen Beitrag melden

    Levrat hat keine Ahnung

    Ich verstehe nicht wie der gute Herr Levrat auf so eine vollkommen stupide Idee kommt. Den Franken an den Euro zu binden hätte verheerende Folgen für die Schweizer Wirtschaft!! Dann hätten wir wie im Euro Raum (EU) die gleichen Konditionen. Die EZB (Europäische Zentralbank) setzt für alle EU-Länder den Leitzins fest, die Schweiz müsste sich dann auch anpassen. Die Schweiz wird somit zwangsweise die Währungspolitik der EZB annehmen müssen, welche natürlich ihre eigenen Interessen verfolgt! Somit verliert die Schweiz vollkommen ihre Souveränität, was unser bisherig grösstes Privileg gilt!

  • 807687 am 27.06.2011 00:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nur das nicht!

    Der Euro liegt im Sterben und wird in 4-5 Jahren gar nicht mehr existieren; die EZB (europäische Zentralbank) ist faktisch pleite (Reserven z.Zt. ca. 81 Milliarden, Schulden z.Zt. 1,863 Billionen). Mannomann, gäbe das ein Fiasko! Die SNB hat schon viel zu viel Geld mit dem Stützen des Euro vernichtet, Das ist Steuergeld! Sie hätte ihr Gold nicht verkaufen dürfen! Die EU wird nach und nach auseinanderbrechen, die maroden Staaten können Qualitätsarbeit nicht mehr bezahlen und der Konsument/Kunde ist der Leidtragende. Die SNB soll jetzt Silber kaufen!

  • Methusalem am 27.06.2011 00:00 Report Diesen Beitrag melden

    Outsourcing Branche wird boomen!!...

    Jede Vorstellung, die Wirtschaft könne sich selber steuern, ist realitätsfremd. Die Politik ist im Gegensatz zu den "selbstregulierenden" Kräften der Wirtschaft sogar legitimiert & aufgefordert dazu. Bei einem Wechselkurs von 1.19 bei Gleichbleibenden Produktionsfaktoren hat die Industrie wechselkursbedingt Einbussen von 20 % und dass innerhalb eines Jahres!! Wer soll noch in der Schweiz produzieren? Merken werden es zuerst die Lautesten hier deren Jobs aufgrund von mangelnden Qualifikationen schnell mal in die Euro-Zone outsourced werden ;)