Antidiskriminierende Sprache

23. Januar 2015 11:03; Akt: 23.01.2015 11:30 Print

Liebe Lese**, so schreiben Sie geschlechtsneutral

von J. Büchi - Zürcher Germanistik-Studenten schreiben nicht mehr von Lesern, sondern von Lese**. Ein Beitrag zur Gleichstellung oder eine Verschandelung der Sprache?

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In ihrem Alltag dreht sich alles um die deutsche Sprache: Die Germanistik-Studenten der Universität Zürich befassen sich mit Linguistik und Literatur, studieren die Werke grosser deutschsprachiger Schriftsteller und Dichter. Was die Zürcher Nachwuchs-Germanisten auf der Website ihres halbjährlich erscheinenden Magazins «Denkbilder» schreiben, hat auf den ersten Blick aber wenig mit der Sprache von Goethe und Schiller zu tun.

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«‹Denkbilder› ist das von Studier** gemachte Germanistikmagazin der Universität Zürich», heisst es dort. Die Sternchen haben sich nicht zufällig in den Satz verirrt, sie weisen auch nicht auf Ergänzungen am Ende des Texts hin. Vielmehr sind sie ein Ausdruck «antidiskriminierender Sprachhandlung», wie aus den Richtlinien des Hefts hervorgeht.

«Bireweich»

Ab der März-Ausgabe werden die Autorinnen und Autoren der Studentenzeitschrift dazu angehalten, «bei Anrede der Lese**» immer geschlechterneutrale Endungen zu verwenden: «Substantive Singular: Studier*; Substantive Plural: Studier**; Personalpronomen: *; Fragepronomen: We*?» Die NZZ stänkert in der Ausgabe vom Donnerstag, die Studenten trügen damit zur «Sinnentleerung» der deutschen Sprache bei: «Les** werden dabei mehr Sternchen sehen als zehn römische Legionär** nach dem Kontakt mit Asterix' Fäusten – und somit k. o. gehen.»

Auch Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP, findet klare Worte für das Sternchen-System: «Bireweich» sei es – Ausdruck einer «ideologischen Verkrümmung». «Es nützt keiner Frau etwas, wenn wir unsere Sprache aus Gendergründen dermassen verhunzen», ärgert er sich. «Ich befürchte, dass dieser Ideologie-Wahn bald auch auf den offizielle Uni-Betrieb überschwappt, wenn das so weitergeht.»

Professx oder ProfessorInnen?

Tatsächlich gibt es im deutschsprachigen Raum Universitäten, an denen es bereits entsprechende Bestrebungen gibt. An der Humboldt-Universität in Berlin sorgte eine Professorin am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien unlängst mit der Forderung für Aufsehen, deutsche Endungen mit «-x» zu ersetzen. An der Uni Leipzig finden seit einiger Zeit gar nur noch die weiblichen Formen Verwendung – auch Männer werden als «Professorinnen» bezeichnet. Praktisch flächendeckend durchgesetzt haben sich an den Hochschulen das Binnen-I («ProfessorInnen») und Doppelnennungen («Professorinnen und Professoren»).

Für die Juso ist das eine erfreuliche Entwicklung: «Es ist extrem wichtig, dass wir auch in der Sprache versuchen, uns geschlechterneutral auszudrücken», sagt Hanna Bay von der Geschäftsleitung. Ob dies mit Sternen oder einem anderen System passiere, sei egal. «Zentral ist, dass wir von der Vorstellung wegkommen, dass es nur Männer und Frauen gibt – die Sprache muss auch Transgender-Menschen miteinbeziehen.»

«Gewöhnungssache»

So begründet auch «Denkbilder»-Redaktor Thomas Wismer die Umstellung. Ziel sei, dass sich wirklich alle Menschen angesprochen fühlten: «Insbesondere möchten wir die Vorstellung herausfordern, dass es nur zwei Geschlechterkategorien gibt.» Dies gelinge weder mit Doppelnennungen noch mit Binnen-I.

Den Vorwurf, die Sprache auf diese Weise zu verschandeln, lässt Wismer nicht gelten: «Der Vorwurf der Sprachentstellung kann nur bestehen, wenn Sprache als etwas Festes, Unveränderliches aufgefasst wird; wir hingegen glauben an die Vielfältigkeit, Dynamik und an das kreative Potenzial der Sprache.» Was schön ist und was nicht, darüber lasse sich streiten. «Vieles ist Gewöhnungssache.» Für den mündlichen Sprachgebrauch eignet sich die Sternform übrigens nicht. Dann müsste man laut Wismer auf die x-Endung ausweichen (sprich: «Studierix»).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pius Segmüller am 22.01.2015 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haben die wirklich nichts zu tun...

    .... oder ist denen nur langweilig. Ein Normaler Mensch kommt doch nicht auf so eine Idee.

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  • globi am 22.01.2015 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann jammern

    sie nach dem Studium dass sie keiner einstellen will... verdienens auch nicht anders.

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  • Sim am 22.01.2015 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnfrei

    Wer bezahlt für sowas absolut unnötiges? Kein Wunder das die Juso dies als erstes lobt. Eigentlich sollte ja dies schon ein Indiez für Sinnfreiheit sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 06.02.2015 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na ja, was soll das

    habe auch an der Uni erfolgreich studiert.. doch das ist Emanzipation am falschen Ort.... langsam artet es zu einem Geschlechter Kampf aus.

  • Walti am 23.01.2015 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gähn

    Ich glaube, ich lese jetzt den Nachbar-Artikel über Männer, die ihre primären Geschlechtsmerkmale über den Laufsteg schleifen lassen...

  • Bebbi am 23.01.2015 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Hat schon mal jemand einen Mann gehört, der sich darüber beklagt, dass es in den Spitälern Krankenbrüder geben soll? Ist mindestens genau so von der Welt. Sorry, die Welt. Oder vielleicht das Welt?...

    • @wilder Beppi am 23.01.2015 23:36 Report Diesen Beitrag melden

      Eigentor

      Nein, weil für männliche Pfleger eine eigene, an ihr Geschlecht angepasste Berufsbezeichnung geschaffen wurde.

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  • Pat am 23.01.2015 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird Zeit...

    .., dass ich auswandere, in ein Land, wo andere Probleme herrschen

    • Polizist am 23.01.2015 23:30 Report Diesen Beitrag melden

      Freie Wahl

      Welches Krisenland würde Ihnen denn am besten gefallen? (Aber Achtung: dort leben dann wieder diese exotischen Fremden...)

    • Köbi am 23.01.2015 23:30 Report Diesen Beitrag melden

      überall

      Dann müssen Sie aber weit weg, der ganze Westen ist mit diesem zeug verseucht... leider

    • Ruth am 23.01.2015 23:34 Report Diesen Beitrag melden

      Nur zu...

      Wie wär's mit Syrien? Tschetschenien? Eritrea? (Es gibt noch ein paar andere Länder mit anderen Problemen...)

    • M.Bern am 23.01.2015 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aus-Land? Wohin?

      Syrien? Nigeria, Afghanistan oder doch lieber nur über die Grenze nach Italien? Ich bleibe trotzdem hier und erfreue mich an solchen Problemen.

    • Lydia H. am 23.01.2015 23:42 Report Diesen Beitrag melden

      @M.Bern

      Hurra: Ich mag Bern.. (und Basel natürlich eigentlich auch...)

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  • Bebbi am 23.01.2015 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir scho so weit,

    dass wir uns von Leuten, für die eine Steuererklärung nur Bahnhof bedeutet, erklären lassen müssen, wie was geschrieben wird? Bis jetzt dachte ich immer, unsere Dialekte gehen durch die Verdeutschung verloren, aber jetzt tut mir sogar schon die deutsche Sprache leid, da sie anscheinend so richtig den Bach runter geht. Wann kommt mal jemand auf die Idee, dass man Männlein nicht mehr von Weiblein unterscheiden dürfen sollte? Ok, zum Teil ist ja das heute schon so... Bringt diesen Jungs und Mädels mal etwas vernünftiges bei. Sie scheinen sich extrem zu langweilen.

    • Zürileu am 23.01.2015 23:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Bebbi

      Es tut mir auch leid, dass Sie nicht wissen, wie das mit der Steuererklärung geht. Hilfe gibt's übrigens auf dem Steueramt. Aber eigentlich ist das hier ja nicht das Thema.

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