Coronavirus

05. März 2020 04:44; Akt: 05.03.2020 04:44 Print

Lieber öfter anrufen, statt das Grosi zu besuchen

Eine Coronavirus-Infektion kann für Personen ab 60 dramatisch enden. Der Bund appelliert nun an die Jüngeren, Ansteckungen von Älteren zu verhindern.

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Für Menschen ab 65 Jahren kann eine Infektion mit dem Coronavirus dramatisch enden. In den Altersheimen werden deshalb verschiedene Massnahmen ergriffen, um die Bewohner vor einer Erkrankung zu schützen. Pro Senectute rät, dass die jüngeren Generationen vermehrt über das Smartphone mit ihren älteren Verwandten Kontakt haben sollten: «Die Bewohner von Altersheimen freuen sich immer über eine Kontaktaufnahme von Verwandten», sagt Peter Burri, Pressesprecher von Pro Senectute. Eine Ärztin kümmert sich um einen Patienten während einer Pressekonferenz über das Coronavirus Im Inselspital Bern. Das Pflegepersonal ist wegen des Coronavirus am Anschlag. «Wir arbeiten alle bis zum Anschlag und müssen etwa 20 Prozent mehr Überstunden machen», sagt Felix Huber, Mitgründer des Ärztenetzwerks mediX, zu 20 Minuten. Grund für den Ansturm: Viele Verunsicherte wollen wissen, ob sie sich mit dem Virus infiziert haben. Am stärksten exponiert und gefordert sind die Anlaufstellen in den Spitälern und wahrscheinlich auch die Haus- und Kinderärzte Das Kantonsspital Graubünden stockte das Personal auf, erweiterte die Schichten und passte sie an. Die Mitarbeiter müssen entsprechend flexibel sein. Das Pflegepersonal ist zusätzlich zur hohen Arbeitsbelastung auch dem Risiko ausgesetzt, sich durch eine infizierte Person selbst anzustecken. Das Pflegepersonal sei aber gut ausgebildet und entsprechend sensibilisiert, sagt Marco Geu, Zentralsekretär der Gewerkschaft Syna. Wichtig sei, dass die Bevölkerung die Empfehlungen des BAG berücksichtigt, die Hygienemassnahmen anwendet und die Leute nicht direkt in den Notfall oder in die Arztpraxis kommen, sondern vorher anrufen.

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Das Risiko, am Coronavirus zu sterben, steigt mit zunehmendem Alter an, ab 65 Jahren dramatisch: An der Medienkonferenz des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vom Mittwoch war das die zentrale Botschaft. Es sei darum «unwahrscheinlich», dass in der Schweiz Todesfälle wegen des Virus gänzlich verhindert werden können. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bislang weltweit rund 3,4 Prozent aller Erkrankten am Virus gestorben. Bei den unter 50-Jährigen sind es 0,5 Prozent, bei den 60- bis 69-Jährigen knapp 4 und bei den über 80-Jährigen fast 15 Prozent.

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Viele Leser machen sich nun sorgen um ihre Eltern oder Grosseltern. «Ich hoffe, dass meine 88-jährige kranke Mutter nicht an diesem Virus sterben wird, sondern einfach friedlich einschlafen darf», schreibt eine Leserin. Ein Vater schreibt: «Da meine Eltern im selben Haus wohnen und die Kinder hüten, wenn ich arbeiten gehe, mache ich mir natürlich Sorgen. Mein Vater ist immer der Erste ist, der etwas aufliest. Es ist ein sehr mulmiges Gefühl.»

«Junge müssen Sichtweise auf das Virus ändern»

Künftig wird es laut dem Bund verstärkt darum gehen, die älteren Menschen zu schützen. «Bislang sind mehr Junge erkrankt, aber das wird sich ändern», sagte Daniel Koch, Leiter Übertragbare Krankheiten beim BAG. Es seien die Jüngeren, die viel reisten und das Virus nun verbreiteten. Koch appelliert daran, dass sie die Hygieneregeln einhalten und auch auf Distanz zu den Älteren gehen. Er stellte weitere Empfehlungen in Aussicht. Koch hatte bereits am vergangenen Samstag gewarnt, dass die Grosseltern nun nicht kranke Kinder hüten sollten (siehe Box).

Felix Schlatter ist Geschäftsführer des Alters- und Pflegezentrums Schmiedhof in Zürich mit rund 100 Bewohnern. Er appelliert an die Jungen, ihre Sichtweise auf das Virus aus Rücksicht auf die älteren Personen zu ändern: «Es geht nicht nur darum, sich selber zu schützen. Jeder Einzelne muss sich auch bewusst sein, dass er Träger des Virus sein und andere anstecken könnte.»

Dazu gehört für Schlatter auch, dass Junge sich fragen: «Muss ich heute wirklich in eine Disco, wenn ich dadurch die Gesundheit älterer Menschen gefährde?» Schlatter beobachtet die aktuellen Entwicklungen genau: «Wir sind nicht mehr weit vom Entscheid entfernt, den Schmiedhof vorübergehend zu isolieren. Diesen Entscheid fällen wir eigenverantwortlich und unabhängig vom BAG zum Schutz unserer Bewohner», sagt Schlatter.

«Besuchsverbot ist gravierender Einschnitt in die Lebensqualität»

Auch für Gaby Bieri, Ärztliche Direktorin der Pflegezentren der Stadt Zürich, ist der Schutz der Bewohner zentral. «Uns ist bewusst, dass jüngere Personen häufig einen leichteren Krankheitsverlauf haben und ältere Menschen auch dann anstecken können, wenn sie sich selber kaum krank fühlen.» Bieri appelliert an die Eigenverantwortung und den gesunden Menschenverstand der Besucher von Alters- und Pflegezentren.

Dass die Stadt Zürich für ihre Alters- und Pflegezentren ein Besuchsverbot verhängt, sei nicht ausgeschlossen: «Wenn das Virus sich weiter ausbreitet, wird es nicht anders gehen.» Bieri gibt aber zu bedenken, dass ein solches Verbot für ältere Leute einen gravierenden Einschnitt in die Lebensqualität darstellen würde: «Wir hoffen das natürlich nicht, aber die Zentren könnten über Wochen oder Monate geschlossen bleiben. So lange keinen Besuch zu erhalten, kann für ältere Menschen sehr schwierig sein.»

«Bewohner freuen sich über Anruf oder Nachrichten auf Social Media»

Dagegen weiss Peter Burri, Pressesprecher von Pro Senectute, Rat: «Wir empfehlen den jüngeren Generationen derzeit, für die Kontaktpflege mit den älteren Verwandten öfter einmal zum Telefon zu greifen. Die Bewohner von Altersheimen freuen sich immer über eine Kontaktaufnahme von Verwandten.» Ein halbstündiges Gespräch oder aktiver Kontakt über Social Media könne für alle Beteiligten auch erfüllender sein.

Gewisse Altersheime wurden zum Schutz der Bewohner bereits isoliert. Die Berner Domicil-Gruppe betreut an 23 Standorten rund 1650 Bewohner. Seit Montag sind sämtliche Häuser inklusive Restaurants und Cafeterias für Besucher geschlossen. Auch öffentliche Veranstaltungen werden nicht mehr durchgeführt, Besuche sind nur noch «in absoluten Ausnahmefällen möglich» und müssen direkt mit der Geschäftsleitung abgesprochen werden, wie es auf der Website heisst.

(dgr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • karma am 05.03.2020 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schütze dich

    Es gibt noch die Spitex..die täglich..ausrücken muss um ältere Menschen zu pflegen..und die Haushalte zu machen.. ich wünsche allen in diesen Dienstleistungsbetrieben..einfach das beste...weil Sie das beste geben...danke..

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  • Sabine Burgener am 05.03.2020 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Home Office

    Immer wird nur von Home Office geredet aber es hat viele Menschen die nicht die Möglichkeit haben zu Hause zu bleiben um zu arbeiten. Pflegepersonal Verkaufspersonal Produktionsstätten etc.

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  • Tobi am 05.03.2020 05:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grippe

    So zum Thema Corona- Virus: Im Jahre 2017 seien in der Schweiz in den ersten sechs Jahreswochen 1'200 Grippentote verzeichnet worden - wovon aber niemand rede.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugop am 06.03.2020 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich kann man seine Alten dissen.

    Einfach in Ruhe im Altersheim lassen und keine Viren einschleusen. Sonst freuen sich noch die Erben.

  • A.Nonym am 06.03.2020 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz ehrlich

    Die heute 13+jährige, stockbeinige, strähnig-langhaarige, frech vorlaute Generation Jaels mit ihrem unschönen Überbiss kontaktiert doch schon Zeit ihres Lebens ihr unbeteiligtes, zu nichte verpflichtetes Umfeld (Melkkühe wie Grosseltern oder «Göttis/Gotten») nur, wenn sie etwas wollen - wie etwa Hütediemste oder beim Verschicken von unverschämten Geschenk- und «Erlebnis»wunschlisten (!) 3x pro Jahr, obwohl sie gar nichts zu wünschen haben.

  • Martial2 am 06.03.2020 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht ist geboten!

    Wenn man Grippen Symptome spürt sollte man den Arzt aufsuchen, ohne zuerst ältere Menschen zu besuchen, obwohl gerade diese Senioren freuen sich meistens auf einen Besuch. Die Zeit vergeht im Seniorenheim nur sehr langsam!

  • optimist am 06.03.2020 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    realist

    Der Mensch reguliert alles ausser sich selbst. So übel es sich anhören mag, gegen überbevölkerung und inabesondere Überalterung der Gesellschafft ist der Corona eine gute Sache. Man muss stets versuchen das positive zu sehen. was denkt ihr was die Probleme sein werden wenn beinahe jeder 2. Mensch über 60 ist?

    • 60ig jähriger am 06.03.2020 22:27 Report Diesen Beitrag melden

      Moralist

      Das Problem sind nicht die 60ig jährigen, das Problem sind Leute, die sich als Optimist sehen wenn sie solchen Mist schreiben und glauben das sei Realismus.

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  • Cuerto am 06.03.2020 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskriminierung

    Gesunde ältere Menschen haben kein höheres Ansteckungsrisiko als jüngere Menschen. Hört auf mit dieser Panikmacherei und dieser diskriminierenden Fürsorge !

    • Martial2 am 06.03.2020 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cuerto

      ...Und doch weil das Immunsystem nicht mehr mit einem jüngeren Mensch zu vergleichen ist. Darum nach längeren Erkrankung sterben sehr viele an Lungenversagen!

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