11. April 2005 07:22; Akt: 11.04.2005 07:25 Print

Linke in Neuenburg vorn

Die Linke hat bei den Wahlen im Kanton Neuenburg den Bürgerlichen knapp die Mehrheit im Grossen Rat entrissen und will beim zweiten Wahlgang in drei Wochen auch die Mehrheit in der Kantonsregierung erobern.

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Bis der Sieg der Linken bei den Parlamentswahlen feststand, musste in Neuenburg lange gewartet werden. Erst gegen 3.00 Uhr am Montagmorgen war klar, dass die Linke neu 58 Sitze im 115-köpfigen Parlament hat, die Rechte deren 57. Bisher hatte das Bündnis aus Freisinnigen und Liberalen 60 Sitze, die Linke 55.

Nach den definitiven Resultaten kommen die SP auf 41 Sitze (&2) und die Grünen auf 10 (&3). Die Partei der Arbeit (POP) erreicht 6 Sitze (-1) und Solidarités hat noch 1 Sitz (-1).

Bei den Bürgerlichen verzeichnet die SVP einen fulminanten Einstieg ins Parlament. Sie erhält auf Anhieb 17 Sitze. Die Rechnung für diesen Erfolg zahlen die beiden anderen rechten Parteien. Die FDP kommt noch auf 15 Sitze (-10). Die Liberalen bleiben mit 25 Sitzen (-10) die stärkste bürgerliche Partei.

Gute Ausgangslage für Staatsrat

Erst am 1. Mai, nach einem zweiten Wahlgang, wird die neue Regierung des Kantons bekannt sein. In der ersten Runde vom Wochenende erreichte bei einer Stimmbeteiligung von 44,5 % keiner der 27 Kandidierenden das absolute Mehr. Allerdings ist die Linke auch da in einer guten Ausgangslage.

Im Kampf um die fünf Regierungssitze schaffte SP-Ständerat Jean Studer das beste Resultat. Mit 21 741 Stimmen und einem Anteil von 38,9 Prozent lag er vor der Liberalen Sylvie Perrinjaquet. Die amtierende Regierungspräsidentin brachte es auf 20 425 Stimmen oder 36,7 Prozent. Das absolute Mehr lag bei 27 913 Stimmen.

Der zweite Bisherige, Bernard Soguel (SP), schaffte es mit 35 Prozent auf den vierten Rang. Der grüne Nationalrat und Bauernpolitiker Fernand Cuche schob sich mit 36,6 Prozent noch vor ihm auf den dritten Platz. Fünfter wurde SP-Nationalrat Didier Berberat.

«Ich bin sehr zufrieden mit den Resultaten», kommentierte Wahlsieger Studer. Es sei ein historischer Erfolg für die Linke, dass es zu einem völlig offenen zweiten Wahlgang komme.

Vor historischem Sieg?

Da es der Linken gelang, vier Kandidaten unter die ersten fünf in der Rangliste zu platzieren, könnte sie am 1. Mai einen historischen Sieg erringen. Holt die Linke die Mehrheit auch im Staatsrat, wäre Neuenburg der erste Kanton in der Nachkriegszeit, der eine linke Mehrheit im Parlament und in der Regierung aufweist.

Die Parteien müssen sich bis Dienstagmittag entscheiden, wen sie ins Rennen schicken wollen.

(sda)