Nationalfeiertag

24. Juli 2014 10:54; Akt: 24.07.2014 10:56 Print

Lizenz zum Böllern bedroht 1.-August-Geschäft

Feuerwerksfirmen bangen um ihre Umsätze. Weil es neu eine Prüfung braucht, um richtig grosse Raketen am 1. August abzufeuern, verzichten viele Party-Organisatoren auf die Knaller.

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Die Lizenz zum Böllern – diese braucht man seit Anfang Jahr, um es am 1. August richtig krachen zu lassen. Doch die neue Regelung sorgt bei Feuerwerk-Fans für Verwirrung: «Wir merken, dass unsere Kunden verunsichert sind darüber, was sie noch abfeuern dürfen und was nicht», sagt Stefan Sommer, Verkaufsleiter bei der Hamberger Swiss Pyrotechnics AG, zur «Aargauer Zeitung».

Eine Prüfung machen muss, wer Feuerwerk der Kategorie vier ablassen will. Dabei handelt es sich um sogenannte Batterien, die 80 bis 300 Raketen enthalten. Einmal gezündet, schiessen die Knallkörper in einer Kettenreaktion automatisch in die Luft. Diese Batterien werden hauptsächlich von Hotels, Gemeinden und Quartiervereinen gekauft. Beträge ab 3000 Franken blättern Organisatoren für so ein Feuerwerk hin.

Wegen Prüfung: Umsatzeinbusse von 25 Prozent

Doch das Prüfungsobligatorium bringt die Feuerwerksfirmen in die Bredouille: «Wir rechnen mit Umsatzeinbussen von 10 bis 20 Prozent, weil viele unserer Kunden den Kurs nicht besuchen konnten oder wollten», sagt Toni Bussmann, Inhaber der Feuerwerksfirma Bugano AG. Die neue Regelung führe dazu, dass beispielsweise Hotels, die bisher für ihre Gäste eine Batterie der Kategorie vier abgelassen hätten, dieses Jahr kein Feuerwerk mehr machen. Ähnlich sehe es auch bei Quartiervereinen aus.

Die im Welschland ansässige Firma Sugyp SA rechnet sogar mit Umsatzeinbussen von 25 Prozent: «Einige Kunden haben die Neuregelung gar nicht mitbekommen, obwohl wir ihnen Infomails geschickt haben», sagt Geschäftsführer Jean-Pascal Guinand. Nun seien sie überrascht, dass sie kein Feuerwerk der Kategorie vier mehr zünden könnten. Sugyp SA beliefert im Welschland viele Gemeinden mit Feuerwerk der Kategorie vier. Dieses Jahr hätten 15 von ihnen nun aber Feuerwerk der Kategorie drei bestellt, weil niemand die Prüfung gemacht habe.

Um auf das gleiche Umsatzvolumen zu kommen, müssten Feuerwerksfirmen für eine Batterie der Kategorie vier mindestens sechs bis sieben der Kategorie drei verkaufen.

Ausgebuchte Kurse

500 Franken bezahlen Hobby-Feuerwerkler für den eintägigen Kurs inklusive Prüfung. Zuständig ist die Interessengemeinschaft Feuerwerk. Sie führt die einzigen schweizweit anerkannten Kurse durch. Seit bekannt wurde, dass es eine Prüfungspflicht braucht, hat die IG ihr Angebot ausgebaut. Im ersten Halbjahr 2014 haben schon 340 Personen den Kurs absolviert. Zum Vergleich: Zwischen 2011 und 2013 waren es insgesamt nur 570 Personen.

«Sämtliche der bisher angebotenen Kurse waren sehr gut besucht und auch ausgebucht», sagt Daniela Felder von der Prüfungskommission der IG zum «Blick». «Es gab sogar eine Warteliste.» Viele hätten sich dann für Kurse im Herbst angemeldet. Auch diese sind heute fast ausgebucht.

(tab)