Individualverkehr

21. Februar 2011 11:05; Akt: 21.02.2011 12:03 Print

Lobby sucht autotaugliche Politiker

Für die Autoimporteur-Vereinigung auto-schweiz ist klar: Autofahrern sollen nicht noch mehr Steuern, Abgaben und Zölle abgeknöpft werden. Dagegen wollen sie mit einer Kampagne vorgehen.

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Künftig müsse man 4357 Franken für einen neuen Wagen bezahlen, klagt auto-schweiz. (Bild: Keystone)

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Mit einer am Montag eröffneten Kampagne zieht die Autoimporteur-Vereinigung auto-schweiz für geringere Kosten beim Autofahren und mehr Kostenwahrheit beim Gesamtverkehr ins Feld.

Bei der Einlösung eines durchschnittlichen Personenwagens fallen heute nach dem Kauf weitere Kosten in Höhe von 1972 Franken an. Falls alle geplanten Vorhaben der Bundesverwaltung und der Politik umgesetzt würden, käme die Inverkehrsetzung des selben Modells künftig auf 4357 Franken zu stehen, rechnete Andreas Burgener, der Direktor von auto-schweiz, am Montag in Bern den Medien vor.

Auslöser sind die erhöhten Treibstoffpreise

Auslöser für die massive Erhöhung der Kosten sind laut auto-schweiz die ins Auge gefasste Verschärfung der Umweltvorschriften, die Erhöhung der Treibstoffpreise und -zölle sowie die Anhebung des Preises der Autobahnvignette. Wenn man alle diese Scheiben zu einer Salami zusammenfüge, ergebe sich eine ganz ansehnliche Wurst, sagte Burgener.

Die Erhöhung der Kosten um mehr als das Doppelte stünde zudem im Gegensatz zur Tatsache, dass rund 80 Prozent der Verkehrsleistungen vom motorisierten Individualverkehr erbracht werden. Zudem decke der Strassenverkehr bereits heute seine Kosten selber.

«Die Strasse ist der wichtigste Verkehrsträger. Ohne Auto und ohne Nutzfahrzeuge geht nichts mehr in unserem Land», sagte auto-schweiz-Präsident Max Nötzli. Die Wahl des Verkehrsmittels sei nämlich keine Glaubensfrage, sondern immer ein zu respektierender Entscheid von Menschen in einer konkreten Situation.

ÖV würde kollabieren

Würde die seit Jahren intensiv betriebene Umsteige-Kampagne wirken, hätte der öffentliche Verkehr ein unlösbares Kapazitätsproblem, er wäre längst kollabiert, zeigte sich Nötzli überzeugt. Diese Wirklichkeit werde von vielen Politikerinnen und Politikern immer wieder ausgeblendet.

Auto-Schweiz erachtete die eidgenössischen Wahlen vom Herbst als gute Gelegenheit, Gegensteuer zur aktuellen Verkehrspolitik zu geben. So will der Importeurverband von den Kandidierenden wissen, wer bereit sei, die Interessen der motorisierten Konsumenten zu vertreten, wer also «verkehrstauglich» sei.

Vor den Wahlen will auto-schweiz eine Liste mit den wählbaren Kandidaten und Kandidatinnen veröffentlichten, getrennt nach Kantonen sowie nach National- und Ständerat. Hätten in letzter Zeit mehr Parlamentarier für die Sache des Individualverkehrs gestimmt, wäre manches Geschäft anders herausgekommen, sagte Nötzli.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz Gerber am 21.02.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltbeitrag etc. sofort erhöhen!

    Die Autofahrer sollten dringend noch mehr zur Kasse gebeten werden! Immer nach dem Verursacherprinzip! im gegenzug: Sofort gratis Bus- und Tramverkehr in den städten!

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  • Öko nom am 21.02.2011 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative

    Autofahrern sind meist die wahren Kosten nicht bewusst. Mit dem immensen Treibstoffimport fliessen der Schweiz Milliarden von Franken aus dem Wirtschaftskreislauf. D.h. hier gibts arbeitslose und in Arabien Superreiche Diktatoren. Ergo, solange der Strassenverkehr nicht aus Treibstoff aus Schweizer Produktion umsteigt, ist jede Kostenbelastung durchs Verursacherprinzip gerechtfertigt.

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  • Peschä am 21.02.2011 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Autos sind nicht das motorisierte "Böse"!

    Heute haben viele Politiker die Haltung, Autos seien das motorisierte "Böse" welches droht, die Welt zu zerstören. Diese Haltung ist m.E. jenseits von Gut und Böse, schlicht realitätsfern und masslos übertrieben. So gesehen wäre auch Kaffeetrinken "böse" schliesslich braucht das Kochen jede Menge unnötige Energie, während Hahnenwasser viel "umweltfreunlicher" wäre. Man kann alles übertreiben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Carina am 21.02.2011 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Autos sind in Randregionen sinnvoll

    An alle, die hier den ÖV so in den Himmel loben: Es wohnt nicht jeder in ZH und hat den Luxus, alle 6 Min ein Tram zu haben. Die Menschen in den Randregionen brauchen das Auto. Wie wollen sie zur Arbeit fahren, wenn nur 6x am Tag ein Postauto fährt? Und wie kommen die Kinder in die Kantonsschule in den Hauptorten? Zu Fuss?

  • öbeli am 21.02.2011 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange geht das noch gut?

    Der Autobranche geht es doch nur darum, noch mehr Autos zu verkaufen. Und je mehr Autos, desto mehr Kosten entstehen. Die Schweiz hat nur begrenzt Platz, weder ÖV noch Strassennetz lassen sich beliebig ausbauen. Jede neue Verkehrsweg im Aglobereich kostet heute ein x-faches was früher auf der grünen Wiese. Unbegrenzte Mobilität ist eine Utopie, die auch die Rechtsparteien mit noch so populistischen Parolen nicht verwirklichen können. Und sie kostet Geld sowohl im Strassenverkehr, wie auch im ÖV.

    • gugusli am 22.02.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      Überbevölkerung ist das Problem

      In all den Voten geht es nur um eines: "Wachstum um jeden Preis"! - Ihre Frage "Wie lange geht das noch gut?" ist aber absolut berechtigt. Das Hauptproblem wagt dennoch niemand so richtig zu nennen: es ist die (weltweite) Bevölkerungsexplosion...

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  • Joschka Keller am 21.02.2011 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Selbsttragend? Leider nein!

    Leider stimmt das nicht ganz. Der Individualverkehr ist vielleicht nach den ''Berechnungen'' der Auto Lobby selbsttragend schlussendlich sind da die versteckten Kosten wie die vielen Verletzten und Toten die die Autofahrer verursachen, die Umweltschäden oder der Lärmschutz nicht dabei. Dies wird nach wie vor von der allgemeinheit berappt.

  • Hein Meyer ZH am 21.02.2011 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Miteinander

    Warum legen die Verantwortlichen nicht endlich ehrliche Zahlen vor? Wo bleibt das Geld vom Privat-verkehr,Benzinzoll,LSVA der LKW's usw. Da würden den ÖV Benutzern die gegen den Privatverkehr aufbegehren umgehend die Augen aufgehen wer ihre Mobilität zum grossen Teil mitfinanziert.Ohne Mitfinazierung durch die Automobilisten würden bald Bahn, Tram und Bus still stehen. Deshalb braucht es beide.

  • Andy am 21.02.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat: Immer nach dem Verursacherprinzip!

    Gut, so sollen die ÖV Preise so weit steigen bis das System sich selbst trägt. Es ist leider so, wir Autofahrer müssen gegen-lenken. Sonst geht das immer weiter so.