25. April 2005 12:27; Akt: 25.04.2005 12:27 Print

Lötschberg: Durchstich am Donnerstag

Noch vier Meter bis zum Durchschlag: Am Donnerstag werden unter den Augen von über tausend Gästen die letzten Meter Fels im 34,6 Kilometer langen NEAT-Basistunnel am Lötschberg gesprengt.

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Rund 1200 geladene Gäste, darunter Verkehrsminister Moritz Leuenberger, werden ab 10.45 Uhr den Durchschlag im Tunnel miterleben. Der offizielle Festakt findet anschliessend ab 13.30 Uhr auf Berner Seite in Kandersteg statt.

Über 90 Kilometer

Die ersten Bauarbeiten begannen 1994 mit dem Sondierstollen bei Frutigen BE und dem Fensterstollen bei Mitholz BE. Erst 1999 wurden die ersten Meter des eigentlichen Basistunnels gesprengt. Seither prägt die NEAT-Grossbaustelle das Landschaftsbild im Kandertal.

Insgesamt haben die Tunnelbauer über 90 Kilometer Fels ausgebrochen. Das Tunnelsystem zwischen Frutigen und Raron auf Walliser Seite ist grösstenteils zweiröhrig, allerdings wird eine Röhre mehrheitlich im Rohbau belassen und erst später ausgebaut.

Der Basistunnel entsteht gleichzeitig von fünf Baustellen aus. Neben den beiden Portalbaustellen in Raron und Frutigen wurden Zwischenangriffe in Mitholz, Ferden VS und Steg/Niedergesteln VS eingerichtet. In Mitholz und Raron befinden sich auch die Materialbewirtschaftungsanlagen für die insgesamt rund 16 Mio. Tonnen Ausbruchmaterial.

Hitze und Feuchtigkeit

Rund 20 Prozent des Tunnels wurden mit riesigen Tunnelbohrmaschinen ausgebrochen, die restlichen 80 Prozent wurden nach konventioneller Art gesprengt.

Am Projekt sind rund 2500 Personen beteiligt, davon arbeiten zwischen 1600 und 1800 Personen im Berg, rund um die Uhr in drei Schichten. Um im Tunnelinnern überhaupt arbeiten zu können, wird die Temperatur von ursprünglich 42 auf rund 28 Grad hinuntergekühlt. Die Luftfeuchtigkeit beträgt rund 80 Prozent.

Gleisarbeiten im Gang

Auf Walliser Seite wurden im Dezember 2004 bereits die ersten Meter Gleis verlegt. Ab 2006 starten auch auf Berner Seite die Gleisbauarbeiten. Der Tunnel soll 2007 in Betrieb gehen.

Für den Lötschberg rechnen die Verantwortlichen nach neusten Prognosen mit Kosten von rund 4,2 Mrd. Franken. Das Schweizervolk hatte 1998 insgesamt 14,5 Mrd. Franken für die erste Etappe der neuen Alpentransversale (NEAT) am Gotthard und am Lötschberg bewilligt. Mittlerweile dürften sich die Gesamtkosten auf 16,3 Mrd. belaufen, im schlimmsten Fall auf über 17 Mrd. Franken.

Anschluss ans Hochgeschwindigkeitsnetz

Der neue Basistunnel soll für Güter- und Personentransporte genutzt werden. Er ermöglicht eine Anbindung an das internationale Hochgeschwindigkeitsnetz. Für den Basistunnel müssen die Züge keine grosse Höhendifferenz überwinden.

Weiterhin in Betrieb bleibt der 1913 eröffnete so genannte Scheiteltunnel. Er verläuft wesentlich höher als der Basistunnel und kann wegen der zu überwindenden Höhendifferenz nicht so rasch durchfahren werden wie der Basistunnel. Auch der Autoverland erfolgt weiterhin via Scheiteltunnel.

Der Basistunnel Lötschberg ist zusammen mit dem doppelröhrigen Simplontunnel die erste schnelle Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen. Die NEAT ist eines von vier Grossprojekten, mit denen sich die Bahn den Herausforderungen der Liberalisierung und der Konkurrenz stellen will. Die anderen Projekte sind die Bahn 2000, die Anschlüsse ans Hochgeschwindigkeitsnetz und die Lärmsanierung.
Notiz: Sie erhalten bis am Mittag noch eine Chronologie und ein Extra zur Einbettung der NEAT ins europäische Hochgeschwindigkeitsnetz.

(sda)