Hohe Anforderungen

08. April 2017 17:26; Akt: 08.04.2017 17:51 Print

Löwen, Füchse und Affen sind gefragte Haustiere

von B. Zanni - Bei Tierschutzorganisationen und Zoos melden sich Menschen, die wilde Tiere zu Hause halten wollen. Dahinter steckt meist Ahnungslosigkeit.

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Ein Löwe so zahm wie ein Kätzchen: Schauspielerin Melanie Griffith lebte als Kind mit einem Löwen zusammen. Die Familie soll unverletzt geblieben sein. Löwe Neil wohnte in den 1970er-Jahren bei der Familie von Hollywoodstar Tippi Hedren. Auf diese Weise wollte sie sich optimal auf den Film «Roar – die Löwen sind los» ihres Gatten Noel Marshall vorbereiten. Neil soll es geliebt haben, in Griffiths Bett zu schlafen. Tippi Hedren sagt heute jedoch: «Ich muss sagen, wir waren unglaublich dumm. Wir hätten niemals so ein Risiko eingehen dürfen.» «Schönen guten Tag. Ich möchte ein ungewöhnliches Tier haben, ein Löwen-Baby. Allerdings weiss ich nicht, ob es legal ist und wie viel Platz es braucht.» Diese Zeilen erreichten kürzlich die Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap). Ein Löwe frisst täglich bis zu zehn Kilo Fleisch. Brüllt er, hört ihn nicht nur die ganze Nachbarschaft, sondern auch das 5 Kilometer entfernte Dorf. Bei Netap gehen monatlich rund drei Anfragen dieser Art ein. Präsidentin Esther Geisser: «Meist wollen sich die Interessenten einen Löwen oder Fuchs für zu Hause anschaffen und erfahren, was sie dafür tun müssen.» Manchmal meldeten sich auch Grossgrundbesitzer. «Ein Herr wollte wissen, wie er am besten zu einer Zebraherde kommt.» Laut Sara Wehrli, Leiterin Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz STS, interessieren sich Leute gelegentlich für Waschbären ... Totenkopfäffchen ... ... oder Beuteltiere wie Sugar Glider. Ob Pippi Langstrumpfs Äffchen Herr Nilsson auch den Wunsch nach einem Totenkopfäffchen ausgelöst hat? Und beim Veterinäramt Zürich erkundigten sich Schweizer, was es alles brauche, um ein Krokodil zu halten.

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Ein Löwe frisst täglich bis zu zehn Kilo Fleisch. Brüllt er, hört ihn nicht nur die ganze Nachbarschaft, sondern auch das fünf Kilometer entfernte Dorf. Die Haltung solcher Tiere trauen sich einige Schweizer daheim zu. «Schönen guten Tag. Ich möchte ein ungewöhnliches Tier haben, ein Löwen-Baby. Allerdings weiss ich nicht, ob es legal ist und wie viel Platz es braucht.» Diese Zeilen erreichten kürzlich die Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap).

Umfrage
Können Sie verstehen, dass manche Leute ein wildes Tier als Haustier halten wollen?
14 %
58 %
1 %
27 %
Insgesamt 3810 Teilnehmer

Bei Netap gehen monatlich rund drei Anfragen dieser Art ein. Präsidentin Esther Geisser: «Meist wollen sich die Interessenten einen Löwen oder Fuchs für zu Hause anschaffen und erfahren, was sie dafür tun müssen.» Manchmal meldeten sich auch Grossgrundbesitzer. «Ein Herr wollte wissen, wie er am besten zu einer Zebraherde kommt.»

Sehnsucht nach «unverfälschter Natur»

Sara Wehrli, Leiterin Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz STS, berichtet: «Gelegentlich interessieren sich Leute für Waschbären, Totenkopfäffchen oder Beuteltiere wie Sugar Glider.» Auch einen Wüstenluchs habe einmal jemand aus Amerika importieren wollen. Im Zoo Zürich sind laut Kurator Robert Zingg vor allem Affen gefragt. «Die Interessenten wünschen sich wie in den Filmen ein Äffchen, das ihnen auf den Rücken klettert und überallhin mitkommt.» Und beim Veterinäramt Zürich erkundigten sich Schweizer, was es alles brauche, um ein Krokodil zu halten.

Die Verantwortlichen in den Organisationen und Zoos gehen davon aus, dass sich die Menschen der Sache nicht richtig bewusst sind. Esther Geisser: «Sie haben vielleicht einen herzigen Tierfilm gesehen oder waren im Zoo und bilden sich ein, ein wildes Tier wie eine Katze oder einen Hund halten zu können.»

Laut Sara Wehrli vom STS ist der Jöö-Effekt Auslöser. «Sie wollen ein Zoo-Tierchen zum Knuddeln.» Bei anderen Menschen spiele die Sehnsucht nach «einem Stück unverfälschter Natur in den eigenen vier Wänden» eine Rolle. «Manche wollen sich mit einem speziellen Tier aber auch einfach vom Rest abheben oder andere beeindrucken.»

Hohe Anforderungen

Auf Anfragen für Haustiere dieser Kategorien reagieren die Organisationen und Zoos ablehnend und verweisen auf die Bewilligungspflicht. Die Interessenten müssen eine kantonale Bewilligung einholen. Die Schweizer Tierschutzverordnung schreibt für die Haltung von bewilligungspflichtigen Wildtieren zum Beispiel eine Tierpflegerausbildung vor. Auch sind die Mindestanforderungen wie Gehegegrösse, -einrichtungen und Sicherheit zu erfüllen. Zudem gilt es, weitere behördliche Vorgaben wie Baubewilligungen zu berücksichtigen.

«Die Anforderungen für die Haltung von Krokodilen sind hoch, sodass es für Privatpersonen einen grossen Aufwand bedeutet, diese zu erfüllen», sagt Ruth Baumgartner, stellvertretende Kantonstierärztin beim Veterinäramt Zürich.

Internet mache Tiere einfach erhältlich

Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten und Biologin, stellt fest, dass die Leute zunehmend den Weg finden, um die Bewilligungspflicht zu umgehen. Grund dafür sei das Internet, wo allerhand Tiere anonym angeboten werden und einfach erhältlich sind. «Auf Online-Inserateplattformen kann man sich alles anschaffen – vom Erdmännchen bis zum exotischen Reptil.» Das sei gefährlich. «Denn die Wildtiere haben sehr komplexe Ansprüche, was Ernährung, Unterbringung, Klima und Sozialstruktur angeht. Eine artgemässe Haltung ist für den privaten Halter meist nicht möglich.»

Auch Schlangen würden immer wieder ausgesetzt, weil Halter überfordert seien. Vier Pfoten setze sich deshalb dafür ein, dass die Online-Plattformen keine anonymen Inserenten für Tierinserate mehr zulassen. Zurzeit fänden entsprechende Gespräche statt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Troublebloger am 08.04.2017 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich

    Und ich hätte gerne ein Elefant auf meinem Balkon:D

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  • Elfe am 08.04.2017 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haustiere

    Warum wohl heissen sie Wildtiere und nicht Haustiere! Manche Leute haben keine Ahnung von artgerechter Haltung, und ausgerechnet diese wollen sich exotische Tiere anschaffen. Ich habe Hund und zwei Katzen und schon da braucht es Zeit, Liebe Geduld und Arbeit. Ich bin so sehr zufrieden und meine Tiere auch. Aber eben: Haustiere :-)

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  • boka am 08.04.2017 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Naiv!

    Das Rotkäppchen war ja auch die liebe Grossmutter, mit den bekannten Folgen. Den Tieren ein tierisches Leben, respektive ein humaner Umgang mit den Tieren. Einige wollen die Grenzen nicht mehr respektieren und verwechseln dies mit Tierliebe.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pluto am 09.04.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Wort zum Sonntag

    Geniesst jeden tag und seit lieb und vor allem ehrlich wie die Tiere

  • snoopy am 09.04.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geruch ???

    Ein Löwe stinkt bestialisch. Wer hält das aus ???

    • Kitty am 09.04.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @snoopy

      Mag schon sein , aber es gibt Menschen bei denen stinkts mir mehr

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  • Mensch am 09.04.2017 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ja Klar

    Darüber wundere ich mich überhaupt nicht,ein grosser Teil unserer egoistischen, verwöhnten gesellschaft ist es gewohnt alles sofort haben zu können. Ohne rücksicht darauf eventuell jemandem damit zu schaden.

  • Alsochummjetz am 09.04.2017 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Also DEN Löwen, den man angeblich im 5 km entfernten Dorf noch brüllen hört, den möchte ich gern mal sehen. Der Schreiberling hat offenbar keine Ahnung, wie weit 5 km sind.

    • Nene am 09.04.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alsochummjetz

      Er hat nicht übertrieben. Man kann einen Löwen sogar noch weiter weg hören. In der Steppe so ca 8km. Kann unheimlich sein, wenn man nicht weiss wo er sich befindet.

    • Jojetzabet am 09.04.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nene

      der Unterschied ist, dass es ind der topfebeben Steppe keinerlei Hindernisse hat... aber das zu bedenken setzt halt eine Grundintelligenz voraus...

    • Nene am 09.04.2017 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jojetzabet

      In einer bergigen Gegend kann man ihn mindestens 5km hören, in einer "topfebenen"(sind Töpfe eben?!?) noch viel weiter... Wie war jetzt das mit der Intelligenz?;)

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  • Stine am 09.04.2017 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus

    So egoistisch kann nur der Mensch sein, ein Wildtier gehört in die für ihn angepasste Natur und nicht eingesperrt.

    • Lichtblick am 09.04.2017 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stine

      Hab erbarmen mit den menschen leben ja auch im eigenen käfig

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