Frust bei der SBB

13. Juli 2019 20:24; Akt: 13.07.2019 21:52 Print

Lokführer fahren an freien Tagen, weil Personal fehlt

von Stefan Ehrbar - Die SBB hat zu wenig Personal. Damit trotzdem Züge fahren, bezahlt die Bahn nun Prämien. Der Frust wachse, warnen Lokführer.

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Der Frust bei den Lokführern der SBB sitzt tief. Insbesondere in der Region Zürich fehlt momentan Personal. Für dieses Wochenende geht die SBB gemäss der Planung vom 19. Juni von einem Unterbestand von 79 Lokführern aus.

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Bis Ende Oktober rechnet die SBB in Zürich mit einem Bestand, der nie unter 20 Lokführern zu wenig pro Tag liegt. An Spitzentagen fehlen 56 Lokführer. Das zeigen Daten, die das Lokführer-Magazin «Locofolio» publik machte. Damit die Züge trotzdem fahren, braucht die SBB Lokführer, die freie Tage verschieben. Dafür erhalten sie von der SBB zurzeit eine Prämie von 80 Franken pro Tag.

«Gleichgültigkeit und Überdruss»

«Offenbar ist dieser Unterbestand geplant», schreibt «Locofolio». In deutlichen Worten wird die SBB kritisiert: «Selbst bei den loyalsten Mitarbeitern schleichen sich Gleichgültigkeit und Überdruss ein. Sie wissen, dass ihre professionelle Meinung nicht mehr gefragt ist, und sehen sich in die Rolle der Ausputzer gedrängt, die mit Zusatzeffort den Betrieb am Leben erhalten sollen, um die Fehlplanungen und Produktivitätsverluste auf eigene Kosten zu kompensieren.»

Hans-Ruedi Schürch ist bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (LPV-SEV) für die Lokführer zuständig. «Der Frust staut sich auf», sagt er. «Die Lokführer haben das Gefühl, derzeit mehr zu geben als zu bekommen.» Die Situation in Zürich sei zwar speziell, weil es viele Feste, Konzerte und Baustellen gebe und zurzeit vor allem Lokführer gefragt seien, die Fahrzeuge der Zürcher S-Bahn bewegen können. «Aber keine dieser Baustellen, kein Konzert und kein Fest ist eine Überraschung. Das ist alles schon lange bekannt», sagt Schürch.

Nahm SBB Unterbestand in Kauf?

Die Einsatzplanung mit der neuen Dispositionssoftware Sopre sei noch immer unübersichtlich und unproduktiv, was zusätzlich zu fahrende Touren generiere. Zudem meldeten sich immer mehr Lokführer auf ausgeschriebene Dispositionsstellen, was die Situation verschärfe.

Die SBB habe den Unterbestand in Kauf genommen, sagt Schürch. Sie kommuniziere ihren Lokführern den geplanten Unterbestand, um sie zum Arbeiten an eigentlich freien Tagen zu bewegen. «Das Schlimmste ist, dass die planbare Freizeit auf der Strecke bleibt. Dienstpläne werden immer kurzfristiger geändert. Die öffentlich beworbene Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheint für alle zu gelten – ausser das Lokpersonal.»

«Es braucht mehr Lohn»

Zusätzliche freie Tage seien vor November zurzeit nicht denkbar. Zwar seien die Lokführer sehr verantwortungsbewusst und loyal. «Wir sind noch nicht am Punkt, an dem die Kunden den Unterbestand merken – einfach, weil immer noch genügend Lokführer ihre Freizeit opfern», sagt Schürch. «Doch die Zukunft ist nicht rosig. Die Fluktuation dürfte sich noch erhöhen. Es gibt zu wenig Nachwuchs.»

Es sei schwierig, Junge für den Beruf zu begeistern. «Es braucht höhere Löhne schon zu Beginn der Ausbildung», sagt Schürch. Zudem würden Themen wie ein Vaterschaftsurlaub immer wichtiger. Das zeigten Gespräche mit Interessierten. «Die SBB muss sich bewegen», fordert Schürch.

SBB versteht Unmut

Fabian Rippstein Bornhövd, Regionenleiter Lok- und Rangierpersonal Ost bei der SBB, sagt, eine gewisse Anspannung beim Personal sei zurzeit spürbar. «Unsere Lokführerinnen und -führer leisten Sonderschichten. Wir verstehen den teilweisen Unmut», sagt er.

Das Ziel der SBB sei, dass keine Züge ausfallen. Grund für den momentan angespannten Personalbestand seien Events und Baustellen. «Von Mai bis Oktober fahren wir 1900 Extrazüge. So viele gab es zuletzt im Expo-Jahr 2002.» Das Personal im Grossraum Zürich sei besonders betroffen, weil hier viele der Anlässe stattfinden würden. Zudem gebe es in Zürich viele Abstellflächen. Dementsprechend starteten dort viele Züge.

SBB dankt Personal

Über das ganze Jahr gesehen, habe die SBB grundsätzlich – über die ganze Schweiz gesehen – einen ausgeglichenen Personalbestand. Um die momentane Situation zu entschärfen, versuche die SBB, an kritischen Tagen so wenige Fahrten ohne Kunden wie Mess- oder Testfahrten wie möglich durchzuführen und diese auf andere Tage zu verschieben.

Künftig stehe die SBB wegen der Demografie vor Herausforderungen, sagt Rippstein Bornhövd. «Das Durchschnittsalter unseres Lokpersonals beträgt 47 Jahre. Wir werden in den nächsten Jahren viele ersetzen müssen.» Für jeden Ausbildungslehrgang mit 18 Teilnehmern gingen aber 100 bis 300 Bewerbungen ein. Der Job sei nach wie vor gefragt und die SBB als Arbeitgeber beliebt. Das Lohnthema werde laufend analysiert.

Dass Dienstpläne manchmal kurzfristig geändert würden, sei Tatsache, sagt Rippstein Bornhövd. Häufig liege das an Änderungen der Konzepte bei Baustellen. Die SBB versuche, das zu verbessern. «An unser Personal geht ein grosses Dankeschön», sagt Rippstein Bornhövd. «Wir spüren ihre Bereitschaft, den Betrieb zu gewährleisten, und ihre Identifikation mit der SBB jeden Tag.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pflegefachfrau am 13.07.2019 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Ein grosser Dank an alle LokführerInnen, die tagtäglich ihren Einsatz leisten! Das im Schichtbetrieb, an 7 Tagen die Woche... MERCI

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  • Valerian am 13.07.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur bei der sbb

    Als Pflegefachmann sage ich nicht wie oft ich aus dem Frei oder den Ferien geholt werde!

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  • Arbeiter am 13.07.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts neues

    sowas gibt es nicht nur bei den SBB

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petra am 14.07.2019 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zur SBB...!?

    Kaum ein Mitarbeiter SBB empfiehlt die SBB als Arbeitgeber. Oder wer schon? Welche Abteilung? Das kommt längerfristig nicht gut.

    • Dora am 14.07.2019 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Petra

      Bei den meisten, guten Vorschlägen, heisst es bei der SBB, Nein, Nein, Nein...!!! Frust beim Personal, Vor allem, wenn es etwas kostet. Meyer Strategie: Keine Verbesserungen für Kunden, Personal, wenn es etwas kostet. Nur so ist maximaler Bonus für SBB Chefs möglich. SBB Chef Bonus wichtiger als Kunden, Personal Zufriedenheit. Die Politik in Bern möchte das so, mit Meyer, schläft, oder merkt nichts!?

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  • Geri am 14.07.2019 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lokführer arbeiten zu billig!

    Einfach zu Hause bleiben an freien Tagen. Freie Tage zur Erholung nutzen. SBB Führung muss bessere, marktgerechtere Zahlungen, Bedingungen anbieten. Gibt Positives für alle! SBB Führung! Meyer, Schuld an Lokführer Mangel. Für Freitagsverzicht, Prämie 500, sofort fällig bei nächstem Lohn. Darunter sollten Lokführer nicht verhandeln, nicht kriechen. Bonus der SBB Führung für Personal Versagen Total, Gesamtstreichen!

  • Fahre Auch Mit am 14.07.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Freizeit und Familie? Und Erholung? Das müsste man können an freien Tagen! Eigentlich dürfte nur noch 80 Prozent gearbeitet werden vielleicht sind viele Menschen Gesünder? Die Verantwortung als Lockführer ist enorm! Wieviele springen vor den Zug! Wieviele fluchen wenn er etwas unpünktlich ist ? Und wieviele Unfälle passieren mit der Bahn? Danke für jeden Einsatz! Ohne Betriebsferien!

  • Agnes am 14.07.2019 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB Führung untauglich, egoistisch!

    Überall zu wenig Personal. Zu wenig reparierte Fahrzeuge. Überall faule Ausreden fürs Nichtstun. Die SBB Andreas Meyer ist im Untergang, mit der Qualität abwärts. Zu wenig Lokführer, massiver Lokführermangel, Waschleistungen abgesagt. Viel zu wenig gratis WC an Bahnhöfen. Sauberkeit an Bahnhöfen sehr gut! Zug WC leicht gebessert, aber viel zu wenig, ständig besetzt. SBB spart bei WC, normalem Bedürfnis, für Bonus an Meyer. Unglaublich! 1 WC Reklamation, und Meyer sollte Bonus gestrichen werden!!!

    • dunja am 14.07.2019 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Agnes

      man spart wo man kann und am meisten am Personal wo gekündet wird oder keine rechten Anstellungen bekommen. Und wer muss es ausbaden die verblibenen. Die SBB soll endlich richtig entlöhnen und nicht auch da einsparungen machen wollen vorallem an denen die Nachts fahren , und denkt daran je weniger Freizeit plus die ruhezeiten nicht einhalten führt irgendwann wieder mal zu einem schweren Unfall und das muss echt nicht sein

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  • Ami am 14.07.2019 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marktwert Federer, Lokführer

    Oder Fussballer, Lokführer. Federer, Fussballer, erhält bis 50 Millionen in Jahr. Lokführer erhält je nach Alter 60 000 bis 100 000 im Jahr. (100 000 nur die Alten Lokführer). Meyer drückt Löhne! Die Lokführer verkaufen sich viel zu billig, bei Mangel, täglich um 60 SBB Lokführer. 1 Million im Jahr für einen SBB Lokführer, der 100 Prozent Leistung erbringt. Recht billig zu einem Federer Lohn, Fussballer Lohn von 50 Millionen, oder? Lokführer können auch mit Rasierklingen, Turnschuhen werben...