Loredana-Clan

13. Mai 2019 04:42; Akt: 13.05.2019 04:42 Print

So viele Personen erhielten Geld vom Opfer

In den Fall Loredana sind noch weitere Familienmitglieder involviert. Etwa ein Bruder, der als «Escobar von Emmenbrücke» galt und Mozziks Bruder.

So hat Rapperin Loredana die Walliserin Petra Z. abgezockt.
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Petra Z., das Opfer im Fall Loredana, überwies nicht nur Geld an die Rapperin. Geld floss gemäss Informationen von 20 Minuten auch an zahlreiche Familienmitglieder. So zog ihr Bruder Berat*, der sich als «Antonio Cas» ausgab, Petra Z. mit einer Lügengeschichte 200’000 Franken in bar aus der Tasche. Aber auch Loredanas Mutter erhielt von der Walliserin 3500 Franken.


Petra Z. überwies auch Loredanas Mutter Geld.

Der Bruder von Loredanas Ehemann und Rapper Mozzik, der ebenfalls ein erfolgreicher kosovarischer Künstler ist und 2016 die Spitze der albanischen Charts erreichte, erhielt am 13.12.2017 sogar 12'000 Franken von Petra Z. Das zeigen Zahlungsaufträge, die 20 Minuten vorliegen. Petra Z. wurde vorgegaukelt, die überwiesenen Beträge würden dafür eingesetzt, dass sie ihr ursprünglich geliehenes Geld wieder zurückbekomme.


Mozziks Bruder erhielt von Petra Z. 12'000 Franken.

Weiter bestellte eine Verwandte Loredanas am 2. August 2018 mit der Kreditkarte von Hans Z.*, dem Mann von Petra Z., im Internet Kosmetika in der Höhe von 60 Dollar.


Loredanas Verwandte bestellte sich mit Hans Z. Kreditkarte im Internet dieses Luxus-Puder für 60 Dollar.

Ein anderer Bruder namens Agon* hielt Petra Z. über Monate hin, indem er ihr in Dutzenden Whatsapp-Nachrichten versprach, dass sie bald ihr Geld zurückbekommen werde. Petra Z. hat gegen Agon eine Anzeige eingereicht.

Petra Z. hat auch Loredanas Bruder Faton* Geld überwiesen. Am 23.11.2017 erhielt er von ihr 6900 Franken. Das zeigt ein Bankauszug, der 20 Minuten vorliegt.

Warum hat Petra Z. diesen ihr unbekannten Personen Geld überwiesen? Loredana habe ihr gedroht, erklärt das Opfer. «Sie sagte: Wenn ich nicht zahle, sehe ich mein Geld nie wieder», so Petra Z.


Loredanas Bruder Faton erhielt von Petra Z. 6900 Franken.

Kaum war die Rapperin Loredana Zefi festgenommen worden, rief Faton Petra Z. am letzten Dienstagabend aus dem Kosovo an. «Er hat mir gesagt, ich sei schuld, dass die Polizei nun eine Frau, die ein kleines Kind hat, abgeführt habe und bei ihr zu Hause eine Razzia mache», sagt Petra Z..

Gegenüber 20 Minuten dementiert Faton, Petra Z. angerufen zu haben: «Ich kenne diese Frau gar nicht.» Sie habe seinem Bruder Berat Geld gegeben, nicht ihm. Bei der Berichterstattung über Loredana handle es sich um «Räubergeschichten».


Der ausgeschaffte Faton rief Petra Z. gemäss deren Angaben gleich nach der Festnahme Loredanas aus dem Kosovo an. Er bestreitet das.

Faton wurde ausgeschafft

Wie 20 Minuten-Recherchen zeigen, wurde Faton aus der Schweiz ausgewiesen. Im Mai 2016 wies das Luzerner Kantonsgericht seinen Rekurs gegen den Landesverweis ab, da Faton immer wieder straffällig geworden sei. Seit dem Jahr 1999 wurde er nicht weniger als 73 Mal rechtskräftig verurteilt, auch wegen Diebstahls oder Hehlerei. «Dieser Umstand legt den Schluss nahe, dass der Beschwerdeführer weder gewillt noch fähig ist, die hiesige Rechtsordnung zu respektieren», heisst es in den Erwägungen des Gerichts. Aus dem Urteil geht aber hervor, dass Faton nie gewalttätig war oder Sozialhilfe bezogen hat.

«Faton galt als Escobar [ein kolumbianischer Drogenhändler, Anm. d. Red.] von Emmenbrücke», erzählt ein Bekannter, der in der gleichen Gemeinde lebte. Schon mit 15 oder 16 Jahren habe er begonnen, mit Marihuana zu dealen, später mit Kokain. So hat ihn denn auch das Luzerner Strafgericht im März 2015 zu einer teilbedingten Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Er hatte zwischen Dezember 2011 und Dezember 2012 mit 300 Gramm Kokaingemisch und 30 Gramm Kokain gehandelt.

«Nichts ist grösser als die Familie»

Auch Loredana selber liess letzten Freitag vor den Medien durchblicken, dass mehrere ihrer Brüder in den Fall involviert seien. So sagte die Rapperin an der Pressekonferenz im Hotel Emerald im Kosovo, wo sie erstmals Stellung zu den Betrugsvorwürfen nahm: «Ich wurde so erzogen, dass nichts grösser oder mächtiger ist als die Familie.» Sie habe alles aufs Spiel gesetzt: ihren Ruf, ihre Musik, ihre Karriere. Sie werde das aber niemals bereuen. Sie habe sich für die Familie geopfert. Wenn es um ihre Familie gehe, sei ihr «alles andere egal».

«Ihre sieben Brüder haben sie immer beschützt»

Loredana hat insgesamt sieben Brüder und zwei Schwestern. Loredana sei im negativen Umfeld ihrer Brüder aufgewachsen, von denen einige immer wieder straffällig wurden, sagt ein Informant, der die Familie Zefi gut kennt. Die Brüder aber hätten Nesthäkchen Loredana immer beschützt und auch sehr verwöhnt: «Sie war immer wie eine Prinzessin gekleidet.» Auch heute noch seien die Brüder nicht weit, wo Loredana sei.

Festzuhalten ist: Die erwähnten Familienmitglieder sind im aktuellen Strafverfahren gegen Loredana weder beschuldigt noch sonstwie beteiligt. Das Erhalten von Geldzahlungen allein ist nicht strafbar.

Die Rapperin Loredana wird beschuldigt, Petra Z.* (52) und ihrem Mann Hans* (53) mit einer miesen Nummer 700’000 Franken abgeknöpft zu haben. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

*Name der Redaktion bekannt

(20 Minuten)