Erstmalige Auswertung

09. Januar 2020 14:49; Akt: 09.01.2020 14:49 Print

Loverboys sind oft 20, ihre Opfer 15 Jahre alt

Die Loverboy-Masche ist auch in der Schweiz verbreitet. Bisher sind über 30 Fälle bekannt, bei denen minderjährige Mädchen abhängig gemacht wurden.

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Erstmals haben Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Meldungen zu Loverboy-Methoden in der Schweiz analysiert, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Die Zahlen sind erschreckend: In den letzten drei Jahren gingen bei der Fachstelle Act212 insgesamt 33 Meldungen ein. Die Vorgehensweise der Täter ist dabei immer dieselbe: Minderjährige Mädchen werden gekonnt gelockt, bis sie sich verlieben, und danach ausgebeutet.

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Die Loverboys sind mit durchschnittlich 20 Jahren nur wenig älter als die Mädchen mit durchschnittlich 15 Jahren. Sie spielen den Opfern, die sich oftmals sowieso schon in einer schwierigen Phase befinden, die grosse Liebe vor und drängen sie in eine emotionale Abhängigkeit. Das geht über in schwerwiegenden Missbrauch: Die Mädchen werden etwa vergewaltigt, gestalkt oder zu Sex mit anderen Männern gezwungen. Oft werden sie selbst straffällig, indem sie beispielsweise für ihren «Freund» stehlen.

Keine Konsequenzen für Täter

In nur einem der analysierten Fälle meldete das Opfer selbst den Missbrauch, in allen anderen waren es Angehörige oder Freunde. Die betroffenen Mädchen sind oft nicht psychisch stabil genug, um die Täter anzuzeigen. Ausserdem machen sie sich teilweise selbst strafbar. Wenn sie also den Loverboy anzeigen, zeigen sie sich damit selbst an. Das wollen die meisten nicht riskieren. Somit sind Ermittlungen fast unmöglich: Kein einziger Fall hat bisher zu einer Anklage geführt – und das, obwohl es sich um Offizialdelikte handelt. Die Loverboy-Masche ist nämlich als eine Mischform von Menschenhandel und Förderung der Prostitution einzustufen.

Loverboy-Fälle seien lange Zeit gar nicht als solche erkannt worden, sagt Irene Hirzel von Act212 gegenüber der Zeitung. Sie seien lange Zeit unter Randalieren, Stehlen, sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung und nicht unter Menschenhandel abgelegt worden. Das Wissen über das Phänomen ist weiterhin sehr beschränkt. Juristisch kann heute weder den Opfern eine Anzeige erleichtert werden noch gibt es Konsequenzen für die Täter. Die Behörden sind oft überfordert.

Die Studie kommt zum Schluss, dass sich die Fälle im Kanton Bern häufen. Hirzel: «Es bestehen Vermutungen eines Sexrings.» Der Verdacht sei aber nicht erhärtet worden. Es könne auch sein, dass mehrere Fälle auf einen Loverboy zurückzuführen seien oder dass die Sensibilisierung der Bevölkerung und somit auch die Anzahl der gemeldeten Fälle steige. Gemäss Hirzel wird das Thema langsam sichtbarer, letztes Jahr fand die erste nationale Konferenz dazu statt.

(les)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John110 am 09.01.2020 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kann auch umgekehrt passieren!!!

    Ich bin zwar 25 Jahre alt und bin Opfer einer 21 jährigen frau geworden. Ich war richtig blind. Habe für sie vieles getan. Sie hat mich richtig ausgebeutet und schlussendlich betrogen. Ich zahlte Ihre Handyabo, Fahrschule etc. (Liebe macht blind) aber sie schätze es nicht. Meine Erfahrung: Eine Frau, die dich wirklich liebt, wird dich nie für teuere Sachen zahlen lassen oder teuere Geschenke erwarten.

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  • Trishy am 09.01.2020 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnert an Zuhälterei

    Die Story kommt mir vor wie die Warnungen, die die jungen Frauen vor 20-30 Jahren bekamen, als man diese Typen noch Zuhälter nannte. Krass, dass sich ähnliche Muster auch in der heutigen, vermeintlich aufgeklärten Zeit wieder etablieren können. Mädchen und Jungs, schweigt nicht, sprecht mit eurem Umfeld und zeigt diese Ausbeuter/innen an!

  • Boxer03 am 09.01.2020 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ein Verbrechen

    Mich schrecken nicht nur die beschriebenen Sachververhalte ab, sondern auch die Kommentierer! Wer nicht weiss um was es geht blättert doch einfach weiter. Sexuelle Ausbeutung ist übrigens ein Verbrechenstatbestand (StGB Art. 182 u. 195) und somit ein Offizialdelikt. Die Polizei ist rechtzeitig zu informieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz am 11.01.2020 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bis der Tod uns scheidet oder...

    Umgekehrt vom Geschlecht, heisst das verheiratet sein. Win for life ist wenn die Frau dann schwanger ist.

  • Greeny am 11.01.2020 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Trotzdem kein Loverboy/-girl sondern Naivität

    Nach der emotionalen Abhängigkeit werden die jungen Frauen meist geschlagen, drogenabhängig gemacht und zu Dienstahl/Prositution gezwungen. War dies bei dir auch der Fall? Mein erster Freund war krankhaft eifersüchtig und schlug/würgte mich die letzten 4 Jahre. Es war nicht einfach aus dieser Beziehung auszubrechen auch als ich wieder eine eigene Wohnung hatte (brach die Tür auf). Ich bat um eine berufliche Versetzung ins Ausland. Nach meiner Rückkehr lebte er mit der Frau mit der er mich betrogen hatte, im Haus meiner Grosseltern (Vater hatte es vermietet). Er schuldete mir noch 1 Jahressalär

  • Peter am 11.01.2020 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ausnützen mit psychischen Druck

    11 Fälle pro Jahr? Wahrscheinlich etwa 100k Fälle in die umgekehrte Richtung. Klar die wenigsten sind so Hardcore und Frauen lassen sich aus offensichtlichen Gründen nicht von Teenager Buben aushalten. Auch mit 15 ist man kein Klein-Kind mehr, dass nicht weiss was es tut. Sind andere Straftäte erfüllt wie zbsp. Zuhälterei, Vergewaltigung, sexuelle Handlungen mit Minderjährige, soll man rigoros durchgreifen. Reicht das nicht soll man einen neuen Artikel machen (der natürlich auch für Frauen gilt). So eine Art Täter/Opfer ausgleich wäre sicher nicht schlecht.

  • hgidl am 11.01.2020 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Offizialdelikt

    Solche Taten gehören angezeigt auch wenn die Überwindung gross ist. Solche Typen gehören hinter Schloss und Riegel. Es ist ein Offizialdelikt, die Behörden müssen solche Taten viel rigoroser verfolgen, auch um die Opfer zu schützen und Mut zu machen den Schritt zur Anzeige zu wagen. Denen gehört das Handwerk gelegt!

  • dory am 11.01.2020 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll die Wortverharmlosung?

    Das sind keine Loverboys, sondern miese hinterhältige Zuhälter.