Deal mit Basler Pharmaindustrie

23. November 2017 22:16; Akt: 23.11.2017 22:42 Print

Luzerner Klinik testete Medikamente an Patienten

In der Psychiatrischen Klinik St. Urban wurden in den 1960er Jahren Medikamente an Patienten getestet. Vom Deal mit der Basler Pharmaindustrie waren Hunderte Menschen betroffen.

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In der Psychiatrischen Klinik St. Urban im Kanton Luzern sind in den 1950er und -60er Jahren offenbar Patienten mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt worden. Betroffen waren gemäss einem Beitrag der SRF-Sendung «Schweiz aktuell» über 200 Personen.

Die Arzneimittel seien von der Basler Pharmaindustrie kostenlos zur Verfügung gestellt worden. «Im Gegenzug testeten die Kliniken die Medikamente und lieferten der Pharmaindustrie die Testergebnisse, das war der Deal», erklärt der Medizinhistoriker Urs Germann am Donnerstag in der Sendung.

Der Beitrag von «Schweiz aktuell». (23. November 2017) Video: SRF

Im Fernsehbeitrag war ein Testbericht über das in St. Urban getestete Beruhigungsmittel Taractan von 1962 zu sehen. Teilweise sei es zu Zwangsbehandlungen bekommen, teilweise seien Patienten dazu überredet worden, sagte Germann.

Forschungsteam untersucht Tests

Dass zu jener Zeit in der Psychiatrie Medikamentenversuche an Patienten durchgeführt wurden, ist nichts Neues. Im April war bekannt geworden, dass die Psychiatrische Klinik in Basel zwischen den 1950er- und den -70er-Jahren regelmässig nicht zugelassene Wirkstoffe an Patienten getestet hatte.

Über Medikamentenversuche in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen TG ab den 1950er Jahren wurde 2015 gar eine Studie in Auftrag gegeben. Ein interdisziplinäres Forschungsteam untersuchte dieses dunkle Kapitel der Psychiatrie im Thurgau, von dem über 1600 Patienten betroffen waren.

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tamila am 23.11.2017 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pharmamafia

    Das ist doch nichts neues... etwa zur selben Zeit wurden auch Kinder in einem namhaften Internat in Zürich, als Versuchsobjekte missbraucht... Pharamafia lässt grüssen!

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  • Phreni am 23.11.2017 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schizophren

    Sollte man solche Klinik-Bosse und Klinik-Angestellten die so etwas zulassen oder aktiv unterstützen nicht psychiatrisch untersuchen ? Zudem zeigt das Ganze dass der Pharma-Industrie das Wohl des Menschen (ihres Geldes) oberstes Gebot ist.

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  • Cleo am 23.11.2017 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiwillig

    Hätte ja kein Problem damit, aber der Patient muss sein Einverständnis geben und zwar freiwillig

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gorki am 26.11.2017 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Körperverletzung auf hohem "Niveau"

    Na und....? andere Anstalten taten das auch. In den 70igern im Burghölzli wo ich damals die Lehre als Psychiatriepfleger machte, war das nichts Besonderes einigen Patienten Medi mit Nummerncodes zu verabreichen. Die Pat. wurden nie um ihr Einverständnis gefragt..... Als ich Fragen stellte hiess es lapidar es seien Studien....

  • TOSI am 25.11.2017 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger wäre mehr..

    Ich wurde mal nach einer grösseren Knie OP nach Hause entlassen, mit einem ganzen Arsenal an Medis, die ich genau morgens nach Vorschrift einnahm, dann trottete ich mit Krücken los zum Arzt-Termin, kam mit Verspätung an, da es mich vorher aus den Latschen kippte, mein Hausarzt verbot mir die Medis bis auf etwa zwei Schmerzpillen und Spritze zur Blutverdünnung. Er meinte ob die im Spital wahnsinnig seien, mit der Ladung die ich bekam, könne man ein Elefant betäuben. Fazit weniger wäre mehr aber es gibt Kohle.

  • Peter Uhl am 25.11.2017 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungslos

    Die Begründung der Klinikleitung, der Kanton sei zuständig, ist etwa vergleichbar wie wenn ein Lehrer einen Schüler/eine Schülerin schlägt und dann an den Kanton verweist...

  • jimmy am 25.11.2017 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum heilen wenn...

    Ich frage mich gerade wer im schnitt die 40 leute sind die ständig bei den guten Kommentaren kein daumen hoch machen.. Vermutlich sind das genau diese die die pharmaindustrie und ihre abzocke an uns allen unterstützen. Warum einen menschen heilen wenn man mit seiner behandlung geld verdienen kann, das sagt alles zu diesem thema..

  • Strubeli1 am 25.11.2017 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich ok

    Denke ist doch i.o.Bis ein Medikament so weit ist vergehen ja Jahre und der Mensch ist der letzte Schritt bis zur Zulassung. Verstehe den Aufschrei überhaupt nicht