Ständige Erreichbarkeit

14. Februar 2019 05:47; Akt: 14.02.2019 09:13 Print

Machen uns Überstunden und Stress krank?

Alt-Bundesrat Didier Burkhalter erkrankte kurz nach seinem Rücktritt schwer. Wie schädlich sind zu hohe Arbeitspensen?

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Macht zu viel Arbeit krank? Ja, heisst es bei der Gewerkschaft Unia. Besonders in den Dienstleistungsberufen sei das Problem gravierend, sagt Sprecherin Leena Schmitter. «Eine Mehrheit steht bei der Arbeit oft oder immer unter Stress. Viele fühlen sich unmotiviert, ausgelaugt, nervös und gereizt oder körperlich angeschlagen», sagt Schmitter. «Die Arbeitswelt verändert sich. Das hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit und das Privatleben», sagt Schmitter. Arbeitsbedingter Stress komme sehr häufig vor und habe oft negative Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit. Zudem werde gerade im Dienstleistungsbereich oft ständige Erreichbarkeit gefordert. «Der Druck auf die Angestellten steigt» so die Unia-Sprecherin. «Missbräuche bei der Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorschriften zu Arbeits- und Ruhezeiten sind weit verbreitet und gesetzliche Bestimmungen werden oft nicht eingehalten», sagt die Unia-Sprecherin. Die Sensibilität bei den Unternehmen für das Thema wachse, sagt Vera Bregger. Sie leitet das Kompetenzzentrum für Gesundheit und Prävention Vivit der Krankenkasse CSS. Frühe Anzeichen einer Überforderung – etwa durch hohe Arbeitspensen – könnten Bauchkrämpfe, ein schlechter Schlaf oder allergische Hautreaktionen sein, sagt Bregger. Besonders wichtig seien die Führungskräfte. «Sie müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein», sagt Bregger. Das heisse etwa: An Feierabend sollen die Mitarbeiter auch tatsächlich frei haben.

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Fehler gesehen?

Alt-Bundesrat Didier Burkhalter erkrankte nach seinem Rücktritt. Ein Jahr darauf musste er operiert werden. Es sei aus dem Nichts gekommen, sagt er der «Glückspost» – und sprach über seine Arbeitsbelastung während seiner Zeit als Bundesrat. «Es passierte, dass ich Dossiers im Badezimmer las – oft zu irgendwelcher Zeit in der Nacht. Ich habe bis zu 100 Stunden pro Woche gearbeitet.» Auf die mahnenden Worte seiner Frau habe er zu wenig gehört.

Doch macht zu viel Arbeit tatsächlich krank? Ja, heisst es bei der Gewerkschaft Unia. Besonders in den Dienstleistungsberufen sei das Problem gravierend, sagt Sprecherin Leena Schmitter. «Eine Mehrheit steht bei der Arbeit oft oder immer unter Stress. Viele fühlen sich unmotiviert, ausgelaugt, nervös und gereizt oder körperlich angeschlagen.»

«Stress ist sehr häufig»

Das Problem nehme zu: «Die Arbeitswelt verändert sich. Das hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit und das Privatleben», sagt Schmitter. Arbeitsbedingter Stress komme sehr häufig vor und habe oft negative Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit.

Zudem werde gerade im Dienstleistungsbereich oft ständige Erreichbarkeit gefordert. «Der Druck auf die Angestellten steigt, Missbräuche bei der Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorschriften zu Arbeits- und Ruhezeiten sind weit verbreitet und gesetzliche Bestimmungen werden oft nicht eingehalten», so Schmitter. Die Unia habe ein Kompetenzzentrum zur Arbeitszeiterfassung aufgebaut. Eine Hotline berate Arbeitnehmer kostenlos.

Leistung nimmt ab

Die Sensibilität bei den Unternehmen für das Thema wachse, sagt hingegen Vera Bregger. Sie leitet das Kompetenzzentrum für Gesundheit und Prävention Vivit der Krankenkasse CSS. Der bewusste Umgang mit Belastung und ausreichend Erholung sei essentiell, sagt sie.

Frühe Anzeichen einer Überforderung oder Überbelastung, etwa durch hohe Arbeitspensen, könnten Bauchkrämpfe, ein schlechter Schlaf oder allergische Hautreaktionen sein. «Viele verändern ihr Verhalten, die einen werden ruhig und ziehen sich zurück, andere reagieren gereizt», sagt Bregger. Stress sei dann kontraproduktiv, die Leistung und die Zuverlässigkeit nähmen ab.

«Botschaft nicht überall angekommen»

Besonders wichtig seien die Führungskräfte. «Sie müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein», sagt Bregger. Das heisse: Ruhezeiten müssen respektiert werden und bei andauernd hoher Arbeitsbelastung Kapazitäten bereitgestellt werden.«Führungskräfte sollen sich für ihre Mitarbeiter einsetzen», sagt Bregger. Noch sei die Botschaft nicht überall angekommen. Es gebe immer noch Unternehmen mit anderem Führungsverständnis.

Überstunden könnten aber auch auf Überforderung hinweisen – oder darin begründet liegen, dass Mitarbeiter Stunden sammeln wollten.

Menschen mit hohem Engagement und Leidenschaft für ihren Beruf seien besonders gefährdet. Dazu gehörten beispielsweise Forscher, sagt Bregger. «Sie müssen sich bewusst sein, dass Ausgleich wichtig ist – und dauerhafter Stress gesundheitliche Schäden mit sich bringen kann.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Philipp am 14.02.2019 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kundenerwartungen

    Ich arbeite selber in einem Dienstleistungsbetrieb mit direktem Kundenkontakt. Am meisten Stress verursacht bei Mitarbeitern im Kundenkontakt die hohe Erwartungshaltung von Kunden und ungebührendes Verhalten. Anstand ist bei vielen ein Fremdwort. Hinzu kommt der ständige Spardruck. Um sich da gestresst zu fühlen muss man nicht mal Überstunden leisten.

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  • Fräulein31 am 14.02.2019 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War doch klar...

    Und ändern wird sich dennoch nichts. Hauptsache man stimmt für alle guten Gesetze wie z.b 6 Wochen Urlaub mit einem NEIN an der Urne ab.

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  • Frau Müller am 14.02.2019 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankmacher

    dazu die vielen Kontrollen und Coachings und der ständige Leistungsdruck!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • der Querdenker am 15.02.2019 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Habt Ihre eine Ahnung

    Ebike Produktion bis Ende Mai über 10000 Stk. 60 Fest und 40 Temporäre machen das, 0630 Beginn bis Tagesziel erreicht ist. Lohn keine 30.- Brutto. Ende Mai wieder auf der Strasse. Ein Schweizer Unternehmen das ins Ausland an eine AG verkauft wurde. So läuft es in der Schweiz!.

  • Maria Imboden am 15.02.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkung von den Hauptursachen?

    Stress und Übermüdung sind nicht gut, gab es aber immer schon und lenken aber womöglich von den eigentlichen Hauptverursachern ab. Diese haben wir diversen profitträchtigen Industrien zu verdanken: Mit Gift (Pestizide, Herbizide) und Plastik verseuchte Lebensmittel (jüngste Studienergebnisse zu Glyphosat lassen grüssen), die rasant wachsende Elektrosmogbelastung und gerade in "modernen" Arbeitsumgebungen (hello 5G), massenhaft feinste Mikropartikel aus Laserdruckern sowie immer mehr Radioaktivität in der Biosphäre - vielen Dank an die Atom- und Waffenindustrien (Google: depleted uranium).

  • Rene A am 15.02.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ändern wird sich trotzdem nichts

    Um es mit einem Wort zu sagen, JA

  • Lukas Bader am 15.02.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Belastung durch Mikrowellenstrahlung?

    Herr Burkhalter dürfte sehr viel mit dem Handy telefoniert haben und in Umgebungen tätig gewesen sein, die hochgradig mit Mikrowellenstrahlung (Wi-Fi) belastet war. Diese Woche war auch die Rede von einem Nationalratsmitglied (SVP), das an einem Hirntumor erkrankt war. Mikrowellenstrahlung fördert erwiesenermassen das Wachstum bestehender Tumoren, bestimmte Krebsformen (Hirntumoren) können dadurch, nebst anderen Erkrankungen, auch verursacht werden. Hinzu kommt bei Herr Burkhalter die häufige Fiegerei und dadurch eine erhöhte Exposition gegenüber radioaktiver Strahlung aus dem Weltraum.

  • Ott Vreni am 15.02.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand schaut hin!

    Ganz krass sieht es bei den Assistenzärzten aus. Da ist im Arbeitsvertrag schon eine 50h-Woche festgelegt und oft sind es zusätzlich noch 2-3h mehr am Tag und dies alles bei enormer psychischer Belastung auf mehreren Ebenen. Dass dabei vor allem gewissenhafte und engagierte Spital-Ärzte und Ärztinnen immer mehr an den Rand der Erschöpfung kommen, scheint niemand zu interessieren, weder die Chefetage ("das hatten wir auch so") noch die Patienten, die regen sich höchstens über lange Wartezeiten in den Notfallabteilungen und kurze Visiten erst am Abend auf. Und alles schweigt!