Bio statt Plastik

12. Dezember 2018 05:39; Akt: 12.12.2018 10:10 Print

Macht der Plastik-Verzicht die Produkte teurer?

Der Nationalrat will den Plastikmüll reduzieren. Der Detailhandel soll auf Bio-Verpackungen umsatteln. Die Zeche zahlt der Konsument, warnt das Gewerbe.

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Der Nationalrat will gegen Plastikmüll vorgehen. Er hat am Dienstag eine Motion seiner Kommission mit 116 zu 58 Stimmen bei 5 Enthaltungen angenommen. Die Umweltkommission fordert, so viel Plastik wie möglich zu ersetzen sowie Forschung und Innovation zu fördern. Ziel ist es, die Umweltverschmutzung durch Plastik einzudämmen. Damit soll auch das Problem angegangen werden, dass Plastik immer häufiger im Kompost landet und via Grüngut auf die Äcker gelangt. Der Bundesrat lehnt die Motion ab. Er ist der Ansicht, dass das Problem der Umweltbelastung durch Kunststoffe umfassend anzugehen ist. Zudem wolle er in erster Linie auf freiwillige Massnahmen setzen, erklärte Umweltministerin Doris Leuthard. Der Detailhandel hat sich schon im Vorfeld in die politische Debatte eingeschaltet. Mit einem Schreiben an die Nationalräte wird empfohlen, die Motion abzulehnen. «Der Detailhandel ist nicht das Hauptproblem in Sachen Umweltbelastung durch Plastik.» Der Mediensprecher von Greenpeace Schweiz, Yves Zenger, findet die Reaktion der Branchenvertreter absurd. «Verpackungen und andere Einwegprodukte machen einen erheblichen Anteil aus und könnten viel einfacher vermieden werden.» Nationalrat Bastien Girod (Grüne) betont, die gezielte Förderung von Forschung und Innovation sei nun unabdingbar: «Es braucht jetzt einen Mix aus Massnahmen, der technische Möglichkeiten wie biologisch abbaubare Materialien berücksichtigt.» SVP-Nationalrat Felix Müri lehnte die Motion ab, weil sie nur auf den Detailhandel abziele. Ihm fehlt eine ganzheitliche Betrachtung der Problematik: «Der Ständerat wird diese Lücke hoffentlich korrigieren und den Massnahmenkatalog auf die ganze Branche ausweiten.» Bei weniger Plastik in den Regalen, zahlen die Kunden die Zeche, befürchtet Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands: «Am Ende zahlt der Konsument den Aufpreis d

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Der Nationalrat geht gegen Plastikmüll vor. Eine entsprechende Motion wurde am Dienstag klar angenommen. Ihr Ziel ist, so viel Plastik wie möglich zu ersetzen – bei Verpackungen und Einwegprodukten – und so die Umwelt zu schonen. Für Nationalrat Bastien Girod (Grüne) sind nun die betroffenen Branchen in der Pflicht, vor allem der Detailhandel: «Es braucht einen Mix aus Massnahmen, der technische Möglichkeiten wie biologisch abbaubare Materialien berücksichtigt.»

Gerade Plastiksäckli, die häufig im Kompost landeten, müssten biologisch abbaubar sein, so Girod. Die gezielte Förderung von Forschung und Innovation sei unabdingbar: Denkbar seien plastikähnliche aber kompostierbare Verpackungen, wie sie ein holländischer Supermarkt bereits anbietet. Ebenso prüfenswert sei ein Farbcode auf Produkten. So könne jeder Konsument gleich sehen, ob eine Verpackung kompostierbar ist oder nicht.

Detailhandel in Abwehrhaltung

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Muss stärker gegen Plastikverpackungen vorgegangen werden?

Unter Druck geraten nun vor allem Migros, Coop und Co., die im Vorfeld gegen die Motion mobil machten: «Der Detailhandel ist nicht der Hauptverursacher des Plastikmülls», wehrten sich die Branchenvertreter in einem Brief an die Parlamentarier. Das sieht Girod ähnlich: «Deshalb macht es Sinn, die Motion auf alle relevanten Branchen auszuweiten.»

Darauf hofft auch Nationalrat Felix Müri (SVP), der die Motion abgelehnt hat. Sie ziele nur auf den Detailhandel ab, eine Gesamtschau fehle. «Der Ständerat wird diese Lücke korrigieren und auf die ganze Branche ausweiten», ist Müri überzeugt. Die Problematik sei weitaus differenzierter. Littering sei eine Sache - entscheidender für den Mikroplastik in Böden, Luft und Gewässern seien aber Pneuabrieb, Farbrückstände, Zigarettenstummel und Textilien. Deshalb brauche es die Einbindung aller Akteure, nicht nur den Detailhandel.

«Kunden zahlen Aufpreis»

Skeptisch äussert sich Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands: «Ob dieser Entscheid hilft, den Plastikmüll entscheidend einzudämmen, ist fraglich.» Auch er sieht den Detailhandel in der Pflicht, alternative Verpackungen herzustellen. Allerdings ist für ihn klar. Wenn künftig weniger Plastik in den Verkaufsregalen steht, geschieht das auf dem Buckel der Kunden. «Am Ende zahlt der Konsument den Aufpreis dafür», sagt Bigler.

Ob, wann und zu welchem Preis die Plastikverpackungen aus den Ladenregalen verschwinden, ist noch völlig offen. Die IG Detailhandel gab am Dienstag keine Stellungnahme zu den dringlichsten Fragen ab. Nun geht das Geschäft in den Ständerat.

(rol)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T. Wernli am 12.12.2018 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verpackung auch bei Bio reduzieren

    Das grösste Schwachsinn ist jedoch, dass das heutige Biogemüse mit mehr Plastik verpackt ist als das Nomale.

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  • Heidi Heidnisch am 12.12.2018 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, natürlich nicht

    Nicht wenn auf aufwendige und gar dreifache Verpackung von minderwertigen Produkten verzichtet wird. Aber natürlich werden die grossen Produzenten jammern dass es die Götter erbarmt, in der Hoffnung, wir würden ihnen dann Preiserhöhungen durchgehen lassen.

  • CaptainLonestarr am 12.12.2018 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch egal

    die paar Rappen sollten uns der Umweltschutz wert sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seife im Spender ist hygienisch am 13.12.2018 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig

    Last, but not least. Händewaschen nach jedem Einkauf oder nach Hause kommen ist für die Hygiene so wichtig wie die leidigen Diskussionem der Plastikverpackungen welche ich zum grössten Teil überflüssig finde. Entsorgen wird uns der Schweiz so einfach gemacht, nur muss man es selbst machen, Ironie off.

  • Knallkopf am 13.12.2018 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles in den Kompost

    Unsere Mieter hier glauben jetzt schon, dass Plastik biologisch abbaubar ist, und werfen alles in den Kompost.

    • Maria am 13.12.2018 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Knallkopf

      Ist hier genau so: verpackte Schnitzel haben auf dem Kompost eben so wenig zu suchen wie vakkumierter Käse (ungeöffnet) Kopfschütteln

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  • tom am 13.12.2018 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    schon komisch....wenn jeder seine verpackung richtig entsorgt, ist auch plastik kein problem. schuld sind die Konsumenten, die das zeug einfach auf den boden oder so werfen.!?

  • Pili am 13.12.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Idee

    Hat der Bundesrat das Gefühl die natürliche Verpackungen sei besser ! Sie wächst schnell wieder oder ! Pfand auf Pet alles Plastik so machen das es wiederverwertbar ist Wäre besser

  • T.G. am 13.12.2018 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch ok.

    Der Umweltschutz betrifft ja auch den Konsumenten. Warum soll er nicht dafür ein paar Rappen mehr ausgeben. Ich finds ok.

    • Bertb am 13.12.2018 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @T.G.

      die firmen machen damit, schon genug gewinn. also sollten auch sie die zeche bezahlen, ohne es auf kunden abzuwälzen. da sie die wahl auf abbaubare verpackungen zu wechseln haben, der kunde aber nicht.

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