Lausen BL

29. Juli 2016 08:34; Akt: 29.07.2016 09:47 Print

Mädchen hochallergisch – Nussverbot an Schule

Weil ein Mädchen eine Nussallergie hat, gilt in Lausen BL in der Schule ein Nussverbot. Dies hat für Ärger gesorgt. Die Mutter des Mädchens nimmt Stellung.

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Ab dem neuen Schuljahr gilt für das Primarschulgelände und den Kindergarten ein absolutes Nussverbot. (Bild: Screenshot Google Maps)

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Weil zwei hochallergische Kinder – ein Mädchen und ein Junge – nach den Sommerferien in Lausen BL in den Kindergarten kommen, gilt ab dem neuen Schuljahr für das Primarschulgelände und den Kindergarten ein absolutes Nussverbot. Dies berichtete die Zeitung «Volksstimme».

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Das Nussverbot sorgte national für Schlagzeilen. Nicht alle Eltern zeigten Verständnis für diese Massnahme. Einige versuchten, das Verbot sogar zu mit einer Petition zu kippen, obwohl bei einem Kind die Allergie laut dem Schulleiter Urs Beyeler so stark sei, dass der Kontakt mit Nüssen – auch nur Spuren davon in der Luft oder an einem Türgriff – zu einem anaphylaktischen Schock führen kann, der sogar lebensbedrohlich sein kann.

Nun hat die Mutter des hochallergischen Mädchens der «Basellandschaftlichen Zeitung» erzählt, wie sie und ihre Familie den Wirbel um die nussfreie Schule erlebt haben.

Viele wissen nicht, was eine Anaphylaxie ist

Die Mutter erzählt der Zeitung, dass die Kommentare sie heftig getroffen hätten, so dass sie kaum noch schlafen könne: «Ich musste etwa über meine Tochter lesen, sie sei ein ‹Goof›, der doch auf sich selber aufpassen solle. Dabei macht sie das für ihr Alter schon extrem gut, meidet etwa Körperkontakt und isst nur Sachen, die wir ihr geben. Was soll eine Viereinhalbjährige denn sonst noch machen?», fragt die Mutter.

Ihr Mann hingegen sehe das Ganze etwas entspannter und betone immer wieder, dass es nur eine Minderheit sei, die so denke. «Es sind eben Leute, die keine Ahnung von der Thematik haben, die nicht wissen, was eine Anaphylaxie ist», sagt die Mutter zu der Zeitung. «Sie glauben, es geht hier um einen Hype wie bei der Glutenunverträglichkeit oder um ein bisschen Kribbeln im Mund.»

Familie musste sich der Tochter anpassen

Laut der Mutter wusste die Familie schon relativ früh, dass ihre Tochter später Allergien haben könnte.« Nach der Geburt litt sie an einer starken Neurodermitis, sie schlief nicht mehr als 90 Minuten am Stück pro Nacht», erzählt die Mutter.« Im ersten Lebensjahr hat sie das Essen komplett verweigert, wir haben alles versucht. Mit 18 Monaten hatte sie dann ihre erste Anaphylaxie.» Sie habe ihr ein Kindermüesli gegeben, das Haselnüsse enthalten habe. «Wir wurden danach ins Kinderspital Zürich verwiesen, das seitenweise Nahrungsmittel gefunden hat, auf die Elena allergisch reagiert», so die Mutter.

Schon relativ früh sei ihr klar geworden, dass sie wegen ihrer hochallergischen Tochter nicht mehr arbeiten könne. «Als dann die Allergien dazukamen, wurde es schlimmer: Alles selber kochen, das Haus sauberhalten, immer aufpassen – ich bin 24 Stunden am Tag damit beschäftigt», sagt die Mutter zu der Zeitung. «Auch unser Essverhalten haben wir ganz an Elena angepasst.»

Lehrer machten Kurs

Obwohl ihre Tochter wisse, dass sie anders sei, würde sie sich oft darüber aufregen: «Manchmal ist sie richtig frustriert und fragt mich, was sie machen kann, damit sie normal wird», erzählt die Mutter. Und: «Wir sind der Schule unglaublich dankbar, dass sie uns so unterstützt und dass so viele Lehrkräfte einen Anaphylaxie-Kurs gemacht haben, um zu lernen, wie sie im Notfall handeln müssen.»

Die Mutter sagt: «Wir sind allen Eltern und Kindern dankbar, die mitmachen, und allen Personen, die uns in den vergangenen Wochen Mut gemacht und ihre Unterstützung zugesagt haben. Das macht uns glücklich und sicher: Es wird funktionieren.»

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 29.07.2016 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kennen wir

    auch unsere Tochter hat das gleich Problem, haben wir mit Privatunterricht gelöst. Das war für uns einfach sicherer. Die öffentliche Schule war ein dauerndes Risiko, die anderen Leute können nicht dauernd daran denken. Jetzt mit 18 kann sie es selber steuern.

  • Lizz am 29.07.2016 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    finde es gut, wenn die Schule Rücksicht nimmt. Die anderen Kinder können ja in ihrer Freizeit genügend Nüsse essen.

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  • Malu14 am 29.07.2016 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    o je

    Uiii das ist heftig. Mein erster Gedanke war sogleich, was macht das arme Mädchen zur Weihnachtszeit wo immer und überall Erdnüsse und Baumnüsse sind und gegessen werden. Wenn denn schon nur durch die Luft übertragen werden kann. Kann mir gut vorstellen das es einige gibt die das nicht verstehen können. Jedenfals bin ich unendlich dankbar sind meine Kinder Allergiefrei. Die kleine scheint mir aber ein taffes Mädel zu sein, wie die Mutter erzählt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • shqiponjaa am 30.07.2016 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trimbach SO

    Dasselbe Verbot hatten wir auch in Trimbach.

  • Rex Aragon am 29.07.2016 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich habe die gleiche Allergie und

    passe seit Kind selber auf mich auf. Mit besonderen Vorkehrungen und Notfall Set. auch wenn ich ein paar mal fast gestorben wäre bringt es nichts andere es zu verbieten, denn bei Kindern besteht die Gefahr dass sie es noch extra machen würden!

  • Geplagte Mutter am 29.07.2016 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kann nachvollziehen

    Meine Tochter leidet an Neurodermitis. Weil Nagetiere bei ihr einen Schub auslösen, mussten die Hamster aus ihrem Kindergarten in einen andern gezügelt werden. Was das für einen Aufstand auslöste ist unbeschreiblich. Die armen Tiere und die armen Kinder, so verwaist und ohne Hamster. Leider erlaubte es die Schulkommission nicht, unser Kind in den anderen Kindergarten zu stecken. Es wäre die bessere Lösung gewesen.

  • Luigi Gallo am 29.07.2016 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht Entscheidung

    Ich habe vollstes Verständnis für die Situation, das Mädchen hat es ja schon schwer genug. Aber wenn diese wirklich so prekär ist, dann sollte das Kind Privatunterricht erhalten. Wie realistisch ist es ein solches Verbot für 200 Schüler 9 Jahre lang aufrecht zu erhalten? Früher oder später wird was passieren müssen.

  • Ulla am 29.07.2016 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Tägliches Leben

    Ein Nussverbot in der Schule ist ja noch umsetzbar. Aber wie sollen sich diese Kinder im täglichen Leben vor Nüssen schützen? Das ist abolut unmöglich. Allergien sollte man versuchen, mit Homöopathie oder Bioresonanz (oder ähnlichen Methoden) in den Griff zu bekommen. Aber das muss wohl früher geschehen, nicht erst, wenn der Körper dermassen überreagiert.