Mathe und Deutsch

16. April 2015 08:38; Akt: 16.04.2015 09:12 Print

Mädchen und Buben sollen getrennt büffeln

von Bettina Zanni - Mädchen sind beim Rechnen gehemmt, Buben beim Aufsagen von Gedichten. Laut Bildungsexperten sollen sie deshalb vermehrt getrennt unterrichtet werden.

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Mädchen sollen besser lernen können, wenn sie unter sich sind. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Geht es nach Peter Labudde, drücken Mädchen und Jungen künftig nicht mehr in allen Fächern gemeinsam die Schulbank. Der Professor für Naturwissenschaftsdidaktik an der Fachhochschule Nordwestschweiz plädierte im «Tages-Anzeiger» für einen geschlechtergetrennten Mathematikunterricht am Gymnasium. Dies soll den Schülerinnen und Schülern zu besseren Mathe-Noten verhelfen. Denn das MINT-Nachwuchsbarometer stellt den Schweizer Gymnasiasten kein gutes Zeugnis aus. In der Mathematik sind 16 der Jungen und 20 Prozent der Mädchen ungenügend.

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands ZLV, findet Labuddes Vorschlag spannend: «Sequenzenweise könnte ich mir ab der Oberstufe einen geschlechtergetrennten Mathematikunterricht vorstellen.» Dass die Mädchen in Mathe öfter ungenügende Noten schreiben als die Knaben, liegt ihrer Ansicht nach nicht an einem fehlenden «Mathi-Gen». «Ich hatte schon Schülerinnen mit Topleistungen», betont die Sekundarlehrerin. Vom getrennten Unterricht könnten beide Geschlechter profitieren.

«Sie haben Angst, sich zu blamieren»

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Soll an den Schulen phasenweise geschlechtergetrennt unterrichtet werden?
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Sie beobachte, dass die Buben in der Stunde häufig dominanter auftreten als ihre Kolleginnen. «Die Mädchen trauen sich allgemein weniger zu.» An der Notenbesprechung schätzten sie ihre Leistungen meist tiefer ein als die Buben. «Auch in der Mathe fehlt ihnen oft der Mut, auf spielerische Weise neue Lösungswege auszuprobieren.» Im Gegenzug täten sich die Knaben schwerer, im Deutsch den Zugang zu einem Gedicht zu finden. «Da haben sie Angst, sich zu blamieren.»

Auch Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands, würde ab der Oberstufe einen phasenweise getrennten Unterricht begrüssen. «Studien zeigen, dass dies in Algebra und Geometrie Sinn macht», so Zemp. Im algorithmischen Denken seien die Knaben schneller, während die Mädchen in der Geometrie vorpreschten. Laut Zemp liesse sich diese Unterrichtsform stundenplan- und raumtechnisch aber kaum kostenneutral umsetzen.

«Bei Jungs gelten Fehler als kreativ»

Bis in den 60er-Jahren war es in Volksschulen die Regel, dass Mädchen und Jungen in getrennten Klassenzimmern lernten. In diese Zeit wollen Zemp und Lätzsch aber auf keinen Fall zurück: «Im gemeinsamen Unterricht lernen die Schüler viele soziale Kompetenzen», betont Zemp.

Noch bis Anfang der 80-Jahre waren die höheren Töchterschulen in der Schweiz verbreitet – die Mittelschulen für Mädchen. In einer solchen hat SP-Nationalrätin und Ingenieurin Martina Munz die Schulbank gedrückt. «Dass ich mich für ein ETH-Studium entschied, verdanke ich der höheren Töchterschule», sagt sie heute. Sie habe sich in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern ohne männliche Konkurrenz gut entfalten können. Sie hält es für prüfenswert, mathematisch-naturwissenschaftliche Lektionen nach einer Testphase teilweise geschlechtergetrennt zu erteilen. Die Mädchen würden möglicherweise durch die Jungen gehemmt, da sie in den Köpfen der Leute nach wie vor als schwächer gälten. «Macht ein Schüler einen Fehler, wird es als kreativen Lösungsversuch, bei einer Schülerin hingegen als Schwäche angesehen.»

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli hingegen hält nichts von der Idee. «Der getrennte Unterricht mache noch keine Mathe-Hirschen. Das Problem ist der Lehrplan.» Damit die Schüler in der Mathe besser abschnitten, müsse auf die naturwissenschaftlichen Fächer mehr Wert gelegt werden. Zu seiner Schulzeit hätte der Nationalrat dies wohl nicht gesagt. Er verrät: «In der Mathi war ich nicht wirklich gut.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Munz am 16.04.2015 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Wenn es daran liegt das die Kinder gehemmt sind vor dem anderen Geschlecht zu arbeiten dann bemüht euch doch lieber darum diese Hemmnisse mit Unterstützung aus der Welt zu schaffen als die Geschlechter zu trennen. Bei der arbeit werden Sie spätestens wieder aufeinander treffen. Der nächste Schritt wäre dann ja logischerweise geschlechterspezifische Teams, da man ja sich sonst nicht voll entfallten kann.

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  • Marcoooo am 16.04.2015 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    höhö

    Da scheint die Emanzipation erwartungsgemäss an ihrem Tiefpunkt angekommen zu sein. Spezialunterricht für Mädchen und Buben. Kennen wir noch aus den 50ern. Wo ist da nur die allseits beschworene "starke" Frau geblieben? :-)

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  • ... am 16.04.2015 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig verstanden?

    Also die Jungs sind schuld das Mädchen schlechte Mathe Noten haben? War doch klar das ihnen die Schuld in die Schuhe geschoben wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kopf Schüttel am 17.04.2015 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Ich habe in der zweiten Hälfte der 70er Jahre die Primarschule besucht. Es gab schon da keinen Unterschied zwischen Mädchen und Jungs. Wegen vier Prozent das ganze Schulsystem umzukrempeln finde ich einfach nur lächerlich. Man sollte den Fokus lieber mal auf das Lehrerpersonal richten.

  • Alter Knacker am 16.04.2015 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Quatsch!

    Sorry, aber das hatten wir alles schon. Bei uns vor 60 Jahren waren die Schulen nach Geschlechtern getrennt. Damals waren die Mädchen in Mathe schlechter als heute. Aber man kann's ja nochmals probieren und die Kinder schädigen, das muss doch jedem Pädagogen Freude machen.

  • Rämi Tschui am 16.04.2015 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterteilung

    Ich bin Polymechanikerin in einer reinen Männer Klasse und weil ich diesen Beruf ausübe brauche ich sehr viel Mathe. Ich finde es also sehr falsch wen man Männer und Frauen so trennt, denn ich bin immer so guet wie die Männer, wenn nicht sogar besser als sie. Was würde dann mit diesen Prsonnen passieren die so sind wie ich? Hätten die die gleiche Förderung in Mathe wie Männer oder die Männer die gleiche wie Frauen im Deutsch?

  • Eva Adam am 16.04.2015 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist MINT?

    Was sind MINT-Fächer? Bitte hört doch auf norddeutsche Begriffe zu verwenden. Warum nicht das schriftdeutsche Wort naturwissenschaftliche Fächer verwenden? Fächer wie Mathe und Informatik (Programmieren) gehören da Auch dazu. Getrennt unterrichtete Mädchen werden gegenüber Knaben übrigens erst recht unterwürfig und entwickeln weniger Selbstvertrauen, während Knaben verklemmt gegenüber Frauen und viel aggressiver werden.

  • Gerry am 16.04.2015 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glorreiche Idee

    Ich hätte noch eine bessere Idee, wenn wir schon über getrennten Unterricht sprechen. Man könnte auch noch gleich die Sharia einführen und geküsst wird nur, wenn man schon verheiratet ist... Hauptsache beide Geschlechter werden sich immer fremder oder?