Wiesendangen ZH

25. Februar 2019 08:27; Akt: 25.02.2019 11:17 Print

15-Jährige will sich wegen Mobbing zu Tode hungern

In Wiesendangen ZH wurde ein 15-jähriges Mädchen so stark gemobbt, dass es sich das Leben nehmen wollte. Die Schule weist allerdings jegliche Schuld von sich.

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Für ein 15-jähriges Mädchen in Wiesendangen ZH ist der Schulalltag zum Horror geworden. Seit es mit seiner Familie im Sommer 2017 in die Gemeinde gezogen ist, wurde es von seinen neuen Mitschülern gemobbt. Begonnen hat all dies laut «Blick» damit, dass die anderen Kinder es als «Rasenmäher» bezeichnet hatten, weil es sich vegan ernährt. Aus diesem Grund setzte sich mittags auch niemand zu ihm oder der Tisch wurde gar gewechselt, wenn sich das Mädchen zu ihnen setzte.

Damit jedoch nicht genug. Bald begannen die Schüler, die 15-Jährige eine «geile Sau» zu nennen und im Unterricht in ihrer Gegenwart Stöhngeräusche von sich zu geben. Zwar wendete sich das Mobbing-Opfer an die Schulsozialarbeiterin, doch auch das konnte die Angriffe nicht stoppen. Es kam so weit, dass ihre Mitschüler ihr «Frauenfürze» in die Haare warfen, bis diese verbrannt rochen. Im Klassenchat schrieb ihr ein Junge ausserdem: «bring di umm».

Aufgehört zu essen

Für das Mädchen wurde das alles zu viel. Die Schülerin beschloss, sich umzubringen, indem sie sich langsam verhungern liess. Mehrere Wochen ass sie viel zu wenig, bis die Schulärztin Alarm schlug. Sie hatte massiv an Gewicht verloren. Erst da stellte ihr Vater sie zur Rede. Zuvor hatte das Mädchen beinahe nichts davon erzählt, wie es in der Schule behandelt wurde.

Nun vertraute sie sich ihrem Vater jedoch an und erzählte von der Gewalt, den Beleidigungen und den Suizidgedanken. «Ich war total am Anschlag», sagt der Vater zum «Blick». Aber er habe sofort gehandelt. Er nahm seine Tochter von der Schule und brachte sie in eine psychiatrische Klinik.

«Meine Tochter wurde fertiggemacht»

Heute geht es dem Mädchen, das mittlerweile 16 Jahre alt ist, besser. Seit Sommer 2018 lebt es in einem Therapiehof im Kanton Aargau. Die Schülerin hat die Schule gewechselt. Nur bei Prüfungen haben sie noch immer das Gefühl, dass ihr jemand demnächst ein Buch über den Kopf hauen könnte, sagt der Vater.

Dennoch bestreitet die Schule in Wiesendangen bis heute, dass das Mädchen gemobbt worden sei. «Gemäss Fachdefinition war es kein Mobbing», sagt Hubert Herger, Mitglied der Schulpflege. Die Schule habe alle möglichen und notwendigen Interventionen unter Einbezug professioneller Unterstützung vorgenommen. Dies kann der Vater bis heute nicht verstehen. «Meine Tochter wurde fertiggemacht, bis sie sich umbringen wollte, und die Schule sah einfach nur zu.»

(doz)