Emotionaler Streit

30. Januar 2019 09:53; Akt: 30.01.2019 13:34 Print

Männer-«Club» auf SRF artet aus

Im SRF-«Club» diskutierte eine Gruppe Männer über das Thema «Oh Mann! Männlichkeit in der Krise». Es kam zu einem giftigen Streit.

Die Diskussion schlug hohe Wellen. (Video: SRF)
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Die «Identitätskrise» des Mannes war am Dienstagabend Thema in der SRF-Diskussionssendung «Club». Denn heute sei nicht mehr klar, wie ein richtiger Mann sein sollte – das traditionelle Männlichkeitsbild nennen Psychologen «toxisch». Eingeladen hat Moderatorin Barbara Lüthi sechs Männer, unter anderem Alt-SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi und Fernsehkoch René Schudel.

In diesem Setting wird in der Sendung auch über den aktuellen Werbespot des Rasierklingenherstellers Gillette diskutiert, der die Männer auffordert, bessere Menschen zu sein. Moderatorin Lüthi will von Männerarzt Marco Caimi wissen, warum der Spot 200'000 empörte Reaktionen in den sozialen Medien ausgelöst habe.

Gast droht, aus der Sendung zu laufen

«Man ist vielen Männern auf den Schwanz getreten, ich habe auch auf Wilkinson gewechselt», sagt er. Er beklagt die Gleichmachung der Geschlechter und spricht von einer «unglaublichen Angleichung»: «Es ist, wie wenn man magnetische Pole einfach entmagnitisiert.»

Zu viel für den Psychologen Markus Theunert von der Fachstelle Maenner.ch: Er findet den Spot harmlos und gibt seinem Unmut über die Aussagen seinens Vorredners Ausdruck. Caimi reagiert wütend: «Sei einfach mal ruhig. Du machst mich nervös mit deinem Gebrummel nebenan. Ich bin am Reden, du kriegst den Redestab nachher.» Und weiter: «Es geht mir auf den Sack. Sonst laufe ich raus. Ich habe die Sendeleitung gewarnt.»

Persönlicher Angriff

Theunert seinerseits tritt nach, indem er Caimi die fachliche Qualifikation als Arzt abspricht. Dieser «behaupte, Männerarzt zu sein.» Zwar habe Caini eine Praxis, in der er Männer behandle, das fachliche Fundament spreche er ihm aber ab, so Theunert. Der Angegriffene wird dann von Soziologe Walter Hollenstein verteidigt: «Das ist schlicht eine Unverschämtheit, Herr Theunert. Er ist Mediziner. So geht das einfach nicht.»

Schliesslich muss Lüthi intervenieren. Persönliche Angriffe seien zu unterlassen. «Wir diskutieren auf einer fachlichen Ebene. Ich habe sechs Männer eingeladen, ich bin sicher, wir schaffen das.» Schauspieler Patrick Frey sah im Streit ein schönes Beispiel für «Hypermaskulinität»: Es handle sich um «Gockel-Getue», Männer hätten das Gefühl, sie müssten «den Macker spielen».

Spott auf Twitter

Es war nicht die einzige Szene, in der die Emotionen hochgingen – ein Steilpass für einige Twitter-User:









(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freud am 30.01.2019 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem besteht

    Hier liefert ihr doch das beste Beispiel für den heutigen Zusrand. Würde ein Mann über eine Frau sprechen, dass er sie am liebsten "Ginggen" würde, dann würde das nicht toleriert und gepostet, sondern boykotiert und als Frauenhasser abgestempelt werden. Hier ist es der erste Twitter-Kommentar den ihr zeigt

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  • Paul Marder am 30.01.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schlagwörter

    Finde die Art und Weise wie diskutiert wurde zwar kindisch aber "Toxische Männlichkeit/Toxic Masculinity"? Müssen wir denn jedes Schlagwort und jeden Schwachsinn von den Amis importieren und zu unseren eigenen Problemen machen?

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  • Nelson am 30.01.2019 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Toxisches Verhalten.

    Naja, die Rasierklinge zu wechseln ist zwar übertrieben, aber wenigstens konsequent. Das Problem ist halt der Begriff "toxische Männlichkeit" an sich bzw dass medial mehr die Frau und das weiche männliche in den Vordergrund gerückt und viel zu früh von toxischer Männlichkeit geredet wird. Toxisches Verhalten gibt es bei beiden Geschlechtern, es sollte von solchem die Rede sein und es nicht auf das Männliche beschränken, als wäre eine männliche Eigenschaft toxisch. Diese Eigenschaft ist nicht männlich. Man stelle sich nur mal den Sturm vor, wenn man von "toxischer Weiblichkeit" reden würde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Le Tintin am 30.01.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe...

    diese Hysterie nicht. Gehts nicht darum, dass sich jeder Mann, jede Frau, so entfalten darf wie er/sie das möchte? Es geht doch um Möglichkeiten ohne beurteilt zu werden: In der Berufswahl, beim Ausüben von Hobbies etc. Hier wird mit Charaktereigenschaften argumentiert. Doch das sollte gar nicht zur Debatte stehen.

  • Bea am 30.01.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer ihr seit ok, bleibt wie ihr seit

    Mann kann nicht Frau sein und Frau nicht Mann ist in der Natur . Physisch ist der Mann stärker und die Frau mit der Eleganz kein Mann ist so dazu ist das denken anders und das fühlen . Bleibt doch wie ihr seit . Ich fühle mich als Frau wohl

  • Cab Driver am 30.01.2019 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Live zugehört?

    Theunert? Frey? ohne persönlich zu werden, finde ich deren Haltung sehr unerzogen. Statt zuzuhören, den anderen Teilnehmern dreinlabern. Das passt. Genauso wie die intellektuellen Ausflüchte, wir sagen dem "Useschnurre". und schon deshalb, werde ich in Zukunft Filme mit Herr Frey meiden......

  • Claudia am 30.01.2019 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wusste ich nicht

    Also Männern ist nicht zuzumuten, ein gutes Vorbild für die eigenen Söhne zu sein?! Was soll denn das Gequassel von wegen die armen Buben müssten immer zu Lehrerinnen in die Schule und hätten keine "richtigen" Vorbilder? Mir ist das alles bald einmal zu blöd....

  • qwertz am 30.01.2019 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    es fällt auf

    dass im Geschwätz über "toxische Männlichkeit" praktisch nur weisse heterosexuelle Männer gemeint sind. Grad der Gillette-Werbespot macht das deutlich, der schwarze Mann hindert den Weissen daran der Frau nachzugehen um sie anzusprechen (was ich überhaupt nicht toxisches Verhalten finde!) Meiner Erfahrung und Wahrnehmung nach sind Männer aus z.B. Nordafrika und Mittelost noch viel machohafter als weisse westliche Männer, komischerweise stehen die aber nie in der Kritik wenn es um die angebliche toxische Männlichkeit geht!