Lehrstellensuche

30. Juli 2015 13:40; Akt: 20.08.2015 10:32 Print

Männliche Bewerber kämpfen mit Vorurteilen

Ein junger Mann sieht sich als Opfer seines Geschlechts, weil er im Gesundheitswesen keine Lehrstelle findet. Laut einem Experten wird männlichen Bewerbern weniger zugetraut.

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Ein Experte hat den Eindruck, dass den männlichen Bewerbern in Pflegeberufen weniger zugetraut wird, wenn deren Qualifikationen nicht explizit aus dem CV hervorgehen. (Bild: Keystone/AP/Jens Meyer)

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Der 18-jährige Pascal Rey fühlt sich bei der Lehrstellensuche diskriminiert – wegen seines Geschlechts. «Ich habe keine Stelle bekommen, weil ein Grossteil der Lehrbetriebe ganz gezielt nach Frauen sucht. Da hatte ich von vornherein keine Chance», sagt der Basler resigniert. Seit über einem Jahr sucht er verzweifelt eine Lehrstelle im Gesundheitswesen. Rund 80 Bewerbungen hat er mittlerweile geschrieben. In acht von zehn Fällen sei ihm in der Absage Folgendes mitgeteilt worden: «Unter den zahlreichen Bewerbungen, die bei uns eingegangen sind, haben wir uns für eine Kollegin (eine Frau) entschieden.»

Gibt es tatsächlich Berufe, in denen Frauen systematisch bevorzugt werden? Bekannt ist, dass männliche Bewerber beispielsweise in der Kinderbetreuung oft chancenlos sind. Die Vorstellung, dass Männer ihre Kinder in der Kita betreuen, löst bei vielen Eltern Unbehagen aus. Sie haben Angst vor sexuellen Übergriffen.

«Jungen Männern wird weniger zugetraut»

Dass Männer in Pflegeberufen systematisch diskriminiert werden, bestreiten Branchenvertreter auf Anfrage. Auch Andreas Riechert, Coach und Ausbildungsverantwortlicher im Bereich der Arbeitsmarktintegration von Overall, glaubt das nicht. Er hat aber den Eindruck, dass den männlichen Bewerbern in Pflegeberufen weniger zugetraut wird, wenn deren Qualifikationen im CV nicht explizit hervorgehen. «Dies gilt vor allem in Berufslehren, in denen hauswirtschaftliche und betreuerische Tätigkeiten gefragt sind», stellt er fest. Laut Riechert entscheiden auch viele Personalleiter aufgrund ihrer Erfahrungen. «Haben sie junge Männer in der Lehre als unaufmerksam und unordentlich erlebt, richten sie sich eher auf Bewerberinnen aus.»

Markus Theunert, Präsident des Dachverbands Schweizer Männer- und Väterorganisationen, warnt vor solchen Verallgemeinerungen. «Wir müssen aufpassen, dass junge Männer anschlussfähig bleiben», sagt er. In einer Dienstleistungsgesellschaft, in der klassische «weibliche Fähigkeiten» immer wichtiger würden, drohten die Männer den Anschluss zu verpassen. Der Männerbeauftragte fordert Massnahmen, damit die Buben in ihrer Bildungslaufbahn reüssieren. Kritikwürdig erscheint ihm, dass die Arbeitgeber in den Absagen mitteilen, dass eine Frau das Rennen gemacht habe. «So fühlen sich junge Männer, die verzweifelt eine Stelle suchen, schnell diskriminiert.»

Männlicher Nail-Artist gesucht

In gewissen typischen Frauen-Branchen sehnen sich die Arbeitgeber jedoch sogar nach männlichem Personal. Im Zürcher Nagelstudio Fashion Nails arbeiten zurzeit nur Frauen. «Auch für unsere halbjährige Praktikumsstelle hat sich noch nie ein Mann beworben», bedauert Geschäftsführerin Tijana Trosic.

Hätte sie die Wahl zwischen einer weiblichen Kandidatin und einem männlichen Kandidaten, würde sie Letzteren vorziehen. Ein männlicher Nail-Artist wäre ihrer Ansicht nach nicht nur eine neue Erfahrung. «Männer sind auch unkomplizierter und viele unserer Kundinnen würden sich gerne die Nägel von einem Mann machen lassen», sagt Trosic.

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mechanikerin am 29.07.2015 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht aufgeben

    nicht aufgeben! ich kenne diese situation aus eigener erfahrung nur das ich lange keine lehrstelle gefunden habe weil ich eine frau bin (mechanikerin). traurig ist nur das es selbst heute noch eine rolle spielt welchem geschlecht man angehört.

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  • Lehrling am 29.07.2015 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vorher anrufen!

    "Viele noch ausgeschriebene Lehrstellen die noch frei waren waren schon vergeben.. es wurde nicht geupdatet" Deshalb ruft man am besten vorher noch an und fragt nach ob die Lehrstelle noch frei ist

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  • Dipl. Pflegefachfrau am 29.07.2015 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gender egal

    Das Geschlecht spielt in dem Beruf keine Rolle! Ganz im Gegenteil bei uns werden momentan einige Männer eingestellt. Ich rate auch ein Praktikum in einem Spital in der Pflege zu machen. Das würde die Chance erhöhen, da die Ausbildungsstellen wirklich gering sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ich am 03.08.2015 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ausbildung

    bei uns haben auch Männer chancen . bilden grad mehrere als FaGe und Hf aus

  • Christine Gurtner am 02.08.2015 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausbildungsplatz im Pflegeberuf

    Lieber Pascal bewerbe dich doch einmal im APH Wendelin in Riehen, wir hätten gerne einen motivierten Mitarbeiter im Team.

    • Pascal Rey am 02.08.2015 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sehr gerne :-)

      Guten Abend Frau Gurtner, Besten Dank für den Tipp. Ich werde das sehr gerne machen. Darf ich die Bewerbung direkt an Sie senden? oder an wen wäre es passend? Wünsche einen guten Wochenstart morgen.

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  • Corina am 02.08.2015 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrstelle

    Ich bin 40 und bekomme auch keine Lehrstelle,weil ich zu alt bin.Das verstehe ich nicht. Wenn man schon eine Ausbildung machen will, machen es die Betriebe schwer. Entweder ist man zu alt oder es hat einen anderen Grund.

  • Emil Bumann am 01.08.2015 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrstelle Kantonswechsel nötig?

    Hallo junger Mann Versuch es doch in einem anderen Kanton z.B. Zürich Stadt oder Kanton! Es hat versch. Spitäler etc. allein schon in Zürich und Winterthur

  • Bert Ram am 01.08.2015 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was sind schon 80?

    Mehr Geduld bitte! Ich hatte einst mehrere hundert.