Herbstüberraschung

11. September 2014 15:32; Akt: 11.09.2014 15:32 Print

Magic Mushrooms erobern Schweizer Gärten

von Isabel Strassheim - Holzschnitzel im Vorgarten sind in Mode, weil sie Unkraut vorbeugen sollen. Sie sind aber auch der ideale Nährboden für psilocybinhaltige Pilze – also Drogenpilze.

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Psychopilze fühlen sich in der Schweiz wohl. (Bild: Keystone/Evert-Jan Daniels)

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Die Pilzsaison steht vor der Tür – buchstäblich, in den privaten Gärten. Denn wo zwischen Rosen- oder Lavendelstauden die Erde sorgfältig mit Holzschnitzeln bestreut wurde, damit kein Unkraut wachsen kann, dort spriesst nun vielerorts etwas Besonderes: Neue Pilzarten machen sich im heimischen Umschwung breit. Und die haben es in sich.

«Auf Holzschnitzeln gedeiht ein besonderes Set an Pilzen, die es sonst so in der Schweiz nicht gegeben hat», sagt die Pilzforscherin Beatrice Senn vom Swiss Federal Research Insitute in Birmensdorf zu 20 Minuten. Zu den neuen Garten-Kulturen zählen viele fremdländische Pilze wie der Orangerote Träuschling und der Holzmulch-Träuschling. Auch einige psilocybinhaltige Arten sind darunter, etwa der blaufärbende Kahlkopf. Bislang gab es Kahlkope-Pilze in der Schweiz – abgesehen von Indoor-Kulturen – nur auf Magerweiden in den Bergen und im Jura. Nun wachsen sie direkt vor den heimischen Wohnzimmern.

Halluzinogene Zauberpilze

Pilze, die Psilocybin enthalten, sind seit 1955 als Magic Mushrooms oder Zauberpilze bekannt und wurden traditionell für schamanische, bewusstseinserweiternde Rituale verwendet. In der Schweiz wie auch in anderen westlichen Ländern fällt Psilocybin unter das Betäubungsmittelgesetz. Verboten ist der Handel, die Lagerung, die Aufzucht oder der Besitz, wie Swissmedic auf Anfrage mitteilt. Denn mit halluzinogenen Substanzen können Risiken verbunden sein.

Doch nun drängen sich die Psychopilze einfach auf. Der nasse Sommer in diesem Jahr begünstigt den natürlichen Pilzwuchs. Im Unterschied zu den Magerwiesen-Pilzen dauert die Holzschnitzel-Saison deutlich länger. Die braunkappigen Psycho-Pilze sind also nicht nur in die Wohngebiete eingerückt, sondern dort auch über Wochen verfügbar. Für einige Interessierte gelten sie als günstigere und nun einfach erhältliche Alternative zu LSD.

In den Drogenberatungs-Stellen ist jedoch keine Zauberpilz-Welle spürbar. Aus zwei Gründen: Zum einen wissen die meisten Gartenbesitzer gar nichts von der besonderen Zucht vor ihrer Haustür. Zum anderen wird die Substanz, obwohl nicht ungefährlich, von den Konsumenten in der Regel bewusst und mit den entsprechenden Vorsichtsmassnahmen konsumiert, wie Oliver Bolliger von der Suchthilfe Basel auf Anfrage sagt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franco am 11.09.2014 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Eltern...

    ...haben vor ein paar Wochen nicht schlecht gestaunt, als die Kapo mit zwei (!!) Streifenwagen bei ihnen eingefahren ist und drei wild wachsende Hanf-Stauden eingepackt haben. Natürlich hat die Kapo eine Anzeige erstattet. Gegen meine Mutter, 84, und meinen Vater, 89. - Und ich seh's schon vor mir, wie sie verhaftet werden: Mein Père hat nämlich die Wägli im Garten mit Holzschnitzeln ausgelegt und ich habe mich schon öfters gefragt, was das für Pilzli sind, die da so schön wachsen. - Sie pflanzen also nicht nur Drogenhanf sondern auch noch Drogenpilzli. - Und das in DEM Alter, heieiei :-)

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  • Franky am 11.09.2014 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ab in den Garten und nachschauen

    na das wird lustig wenn der Nachbar wieder meine Pilze klaut :D

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  • shromi am 11.09.2014 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Magic

    Ich habe einmal Magic-Mushrooms in Amsterdam probiert. Es war eine sehr spannende Erfahrung. Was ich nicht ganz verstehe ist, wie man Pflanzen verbieten kann? Für etwas wurden uns diese doch geschenkt ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • globi am 12.09.2014 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schon blöd

    wenn man die Natur verbietet.

  • Peter Müller am 12.09.2014 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Paradox nicht?

    "Verboten ist der Handel, die Lagerung, die Aufzucht oder der Besitz, wie Swissmedic auf Anfrage mitteilt. Denn mit halluzinogenen Substanzen können Risiken verbunden sein. " - steht im Artikel. Konsum nicht auch verboten? Autofahren zum Beispiel ist mit viel mehr Risiko verbunden als ab und zu halluzinogene Pilze zu konsumieren. Habe noch nie von einem Todesfall gelesen. Also beim Konsum, nicht beim Autofahren... Wenigstens wurde der weltweite juristische Kampf gegen Drogen als gescheitert erkärt...

  • Frage 4711 am 12.09.2014 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Also eine Frage beschäftigt mich,

    bezüglich Pilze. Hexen nahmen doch auch u.a. Pilze. Kann es sein, dass diese Hexen ihr Bewusstsein so erweiterten, dass die Kirche, welche die Hexen verfolgte, Angst vor deren Macht hatte? Oder ist meine Phantasie durchgebrannt?

    • Modern Witch am 12.09.2014 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Frage4711

      Nein, die ist nicht durchgebrannt. Die christliche Kirche hat überall, wo sie hin kam, den Gebrauch von Psychedelika verboten. Dies vorallem da diese auch als Entheogene bezeichnete Naturdrogen spirituell veranlagten das Tor in eine andere, göttliche Welt öffneten. Schamanen, die das praxizierten, wurden als Ketzer verfolgt und getötet, weil die Kirche die alleinige Hoheit über den Zugang zum Spirituellen für sich wollte. Dort hört man sich Geschichten über Menschen mit Gotteserfahrungen an, während man bei den Schamanen selbst das Göttliche erfährt. Bei Hexen ist es das Gleiche.

    • Hasler am 12.09.2014 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      Auch mit Pilzen...

      kann man nicht fliegen - man glaubt höchstens, dass man es kann. Bewusstseinsveränderungen geben keine Macht - aber machen Spass zugegebenermassen.

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  • Sascha am 12.09.2014 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fliegenpilz

    Ich würde die Fliegenpilzen empfehlen. Dann habt ihr alle Drogen in einem Pilz... Aber die "schlechten" Nebenwirkungen nicht vergessen ;-)

  • txtDealer am 12.09.2014 05:27 Report Diesen Beitrag melden

    nichts neues

    Ich Pilz'le schon jahrelang im zh Oberland und Jura. schon vor 10 jahren fand ich Kahlkopfe in rauen mengen. selter weniger als 2 Migros papiertaschen voll. Jahr für jahr