Vor der Abstimmung

20. Mai 2012 22:15; Akt: 20.05.2012 21:45 Print

Managed Care geht in heisse Phase

Nur Pflästerlipolitik oder Heilmittel gegen die Kostenexplosion im Gesundheitswesen: Managed Care erhitzt die Gemüter. Jetzt startet die heisse Phase im Abstimmungskampf.

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Unterschriftensammler der Managed-Care-Vorlage bei der Einreichung der Unterschriften im Januar 2012.

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Am 17. Juni stimmt das Volk über Managed Care ab. Die Vorlage will, dass der Bund ein neues System fördert: Möglichst viele Patienten sollen in Ärzte-Netzwerke wechseln; wer bei seinem Hausarzt bleiben will, soll mehr bezahlen. Heute treten die Befürworter an die Medien. Sie argumentieren, dass durch Ma­naged Care die Qualität der Versorgung steige, Doppelspurigkeiten verhindert und die Kosten gesenkt würden. Der Bundesrat spricht von einem Sparpotenzial von einer Milliarde Franken pro Jahr. Die Gegner warnen vor einer Zweiklassenmedizin, dem Verlust der freien Arztwahl und einem Sparwahn zulasten der Versorgung. Die Parteien sind gespalten: GLP, CVP und FDP haben die Ja-Parolen beschlossen, SVP, BDP und SP kämpfen dagegen.

Contra: Jacques de Haller, Präsident Ärzteverbindung FMH

Wer würde von Managed Care in erster Linie profitieren?
Die Krankenkassen. Sie ­kassieren mehr Selbstbehalt und können finanziellen Druck auf die Ärzte auf­bauen, indem sie ihnen Budgetvorgaben machen. Die Patienten verlieren hingegen die freie Arztwahl.

Führt Managed Care zu einer Zweiklassenmedizin? Werde ich gezwungen, meinen langjährigen Hausarzt zu wechseln?
Davor warnen wir. Die freie Arztwahl würde zum Privileg der Reichen: Nur wer sich höhere Prämien und Selbstbehalte leisten kann, kann Vertrauenspersonen – neben dem Hausarzt etwa auch den Orthopäden – weiter frei wählen. Das darf in der Schweiz nicht infrage kommen.

Gibt es wegen der steigenden Gesundheitskosten überhaupt Alternativen zu Managed Care?
Managed Care löst das Problem nicht, dafür sind die Einsparungen viel zu tief. Es lohnt sich nicht, das ganze System damit kaputt zu machen. Was es braucht, ist eine richtige, neue Finanzierungslösung, etwa durch Steuergelder.

Pro: Marc Müller, Präsident Hausärzte Schweiz

Wer würde von Managed Care in erster Linie profitieren?
Die Patienten. Die Behandlungen werden koordiniert, Doppelspurigkeiten verhindert, die Qualität verbessert. Besonders wichtig ist die Vorlage für chronisch und mehrfach Kranke: Sie werden endlich auch Zugang zu integrierten Versorgungsnetzen erhalten.

Führt Managed Care zu einer Zweiklassenmedizin? Werde ich gezwungen, meinen langjährigen Hausarzt zu wechseln?
Weil bereits heute die Mehrzahl der Hausärzte in Netzen engagiert ist, können die allermeisten Patienten den Hausarzt behalten. Auch Augen- und Frauenarzt sind frei wählbar. Zudem ist die Mehrbelastung für die freie Wahl mit 300 Franken vergleichsweise tief.

Gibt es wegen der steigenden Gesundheitskosten überhaupt Alternativen zu Managed Care?
Wir sind zu neuen Versorgungssystemen gezwungen. Das vorliegende Gesetz ist ein wichtiger Anfang, ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Aus diesem Grund empfehlen die Hausärzte am 17. 6. ein überzeugtes Ja!

(hal/20 Minuten)