Zollbrück

25. Februar 2019 15:38; Akt: 25.02.2019 16:28 Print

Das sagt das Opfer des Berner Rassisten

von P. Michel - Beim Autowaschen hat ihn ein Berner massiv rassistisch beleidigt und die Szene gefilmt. Im Interview erzählt das Opfer T. N.*, wie es den Vorfall erlebt hat.

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Herr T. N.*, Sie wurden beim Autowaschen in Zollbrück BE auf übelste Weise rassistisch beschimpft. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Ich bin extrem schockiert und traurig, dass jemand so etwas tut. Als die Person auf mich zukam und mich so beleidigte, war ich gestresst, ich wollte einfach nur mein Auto waschen.

Sie haben extrem gelassen reagiert, warum?
Da ich nicht wollte, dass die Situation eskaliert, fragte ich einfach zurück: «Hey, was ist los?» Danach habe ich versucht, die Beleidigungen zu ignorieren.

Haben Sie gesehen, dass der Täter die Szene auch noch gefilmt hat?
Nein. Mein 13-jähriger Sohn hat mir das Video am Samstag geschickt. Ich kenne mich mit Technik und den sozialen Medien nicht sehr gut aus.

Wie schätzen Sie den Täter ein? Warum hat er das gemacht?
Ich habe die Person noch nie zuvor gesehen. Er suchte offenbar ein Ventil, um seinen Fremdenhass abzulassen. Als schwarzer Mensch in der Region Langnau wird man leider regelmässig rassistisch angefeindet. Mein Sohn wurde beispielsweise in Trubschachen in der Schule als «Papierlischwiizer» oder «Negerkuss» beschimpft. Dass aber die Rassisten ihre Angriffe filmen und Videos ins Netz stellen, ist eine neue Qualität. Leider wird Rassismus in der Schweiz oft noch totgeschwiegen.

Wie meinen Sie das?
Ich lebe seit 24 Jahren in der Schweiz und habe fünf Kinder, davon sind bereits drei erwachsen. Ursprünglich stamme ich aus Kenia. Zusammen mit meiner Schweizer Frau haben wir zuvor in Luzern gelebt. Dort erfuhr ich weniger Angriffe wegen meiner Hautfarbe. Offenbar fällt man als schwarzer Mensch in einer grösseren Stadt weniger auf, weil die Leute dort toleranter sind. Dass auch meine Kinder in der Schweiz rassistische Anfeindungen ertragen müssen, gibt mir zu denken. Das müssen wir ändern. Ich bin ein einfacher Fabrikarbeiter, der mit seiner Familie in der Schweiz einfach in Frieden leben möchte.

Wie gehen Sie nun gegen den Täter vor?
Ich werde noch am Montagabend nach der Arbeit bei der Polizei Anzeige erstatten. Der Mann, der das Video veröffentlicht hat, muss merken, dass er mich auf übelste Weise verletzt hat – und dass dies Konsequenzen für ihn hat. So überdenkt er hoffentlich seine Art, wie er mit Menschen anderer Hautfarbe oder aus anderen Kulturen umgeht.

*Name der Redaktion bekannt.

Wurden auch Sie schon aufgrund äusserlicher Merkmale rassistisch beleidigt? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Ihre Angaben werden vertraulich behandelt.