Gate Gourmet

24. April 2019 21:56; Akt: 24.04.2019 22:00 Print

Mann isst Abfall-Brot und wird entlassen

Ein Gate-Gourmet-Mitarbeiter wurde entlassen, weil er ein Brötchen von einem Flugzeugtablett stibitzt hatte. Für die Unia ist der Kündigungsgrund eine Ausrede.

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«Es ist grotesk, der Angestellte ist weniger wert als der Müll!», sagt Dominique Deillon, Gewerkschaftssekretär bei Unia. Die Gewerkschaft wehrt sich gegen die Entlassung eines Mitarbeiters des Catering-Unternehmens Gate Gourmet am Flughafen Genf, wie 20 Minutes berichtet.

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Philippe* war dort zuständig für das Entleeren der Serviertabletts aus Flugzeugen, die gereinigt werden. Ihm wurde gekündigt, weil er ein einwandfreies Brötchen gegessen hatte, das im Abfall hätte landen sollen. «Ich habe es von einem Tablett genommen, und mein Chef stand kurz darauf hinter mir», erzählt der 58-jährige Schweizer. Der Chef sei daraufhin ins Verwaltungsbüro gegangen.

«Als er zurückkam, hat er mich gefeuert. Doch ich habe nichts falsch gemacht», beteuert Philippe. Er habe 28 Jahre in dieser Position gearbeitet – zuerst bei Swissair, dann bei Gate Gourmet. Yves Mugny von der Unia präzisiert: «In den internen Anweisungen von Gate Gourmet steht zwar, dass sämtliche Lebensmittel aus Flugzeugen in den Abfall geworfen werden müssen.»

Ausrede, um «teuren» Mitarbeiter zu entlassen?

Für die Gewerkschaft ist der Kündigungsgrund aber nur «ein Vorwand». Philippe sei vermutlich ein «Opfer seines Dienstalters» geworden, mutmasst die Unia. Mit einem Monatsgehalt von 4571 Franken liege der ungelernte Arbeiter weit über den üblichen Lohnstandards von Gate Gourmet. Der Vorfall fand zwar bereits im Februar 2018 statt – die Unia wurde aber erst kürzlich darauf aufmerksam und veröffentlichte den Fall am Dienstag.

Gate Gourmet betont auf Anfrage, es würden keine Einzelfälle von Angestellten oder ehemaligen Mitarbeitern kommentiert. Ein Sprecher sagt aber: «Bei Lebensmittelabfällen, die aus Flugzeugen zurückkommen, gelten sehr strenge Regeln. Das Gesetz verlangt ausdrücklich, dass wir all diese Produkte vernichten.»


* Name der Redaktion bekannt

(20M)