Kein Defibrillator

31. Oktober 2013 17:31; Akt: 01.11.2013 09:03 Print

Mann stirbt im Interregio nach Zürich

von Raffaela Moresi - In einem Interregio ist ein Mann zusammengesackt und verstorben. Defibrillatoren gibt es im Zug nicht. Dies wollen die SBB nun ändern - aber nur für die neuen Fernverkehrszüge.

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Der Schock sitzt F. S. noch in den Knochen. Als der 28-Jährige am Mittwoch im Interregio von Zug nach Zürich sass, sackte ein zirka 40-jähriger Geschäftsmann vor ihm plötzlich zusammen. «Erst war ich wie versteinert», sagt der Leser-Reporter. «Dann habe ich den Herrn mit einer anderen Passagierin, die in der Ausbildung zur Krankenschwester ist, auf den Boden gelegt und mit der Herzmassage begonnen.»

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Nach einer Durchsage des Zugführers seien noch zwei Ärzte dazugekommen, die zufällig im Wagen waren. Helfen konnten sie dem Passagier nicht mehr - er verstarb. «Einfach unglaublich, dass wir ihn über 20 Minuten lang von Hand reanimieren mussten», so F. S. bestürzt. «Hätte es einen Defibrillator im Zug gehabt, könnte der Mann vielleicht noch leben.» Auch einer der anwesenden Ärzte habe mehrmals nach einem solchen Gerät verlangt.

Neue Züge mit Defibrillatoren

Selbst wenn es immer wieder zu medizinischen Vorfällen kommt, Defibrillatoren gibt es in den SBB-Zügen (noch) nicht. Schliesslich sei ein Zug mehrere 100 Meter lang. Müsse man das Gerät im Notfall erst finden und heranschleppen, vergehe wertvolle Zeit, sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer.

Trotzdem: In den neuen Fernverkehrszügen von Bombardier, welche die SBB Ende 2015 in Betrieb nehmen wollen, werden Defibrillatoren vorhanden sein, wie Recherchen von 20 Minuten zeigen. «Wir haben das bei dieser Neuanschaffung so bestellt und werden das Personal entsprechend schulen», bestätigt Meyer. Die bisherigen Züge würden aber nicht nachgerüstet.

Nur für Zugpersonal

Dass Passagiere die Geräte eigenhändig bedienen, ist nicht vorgesehen. Denn laut Bombardier werden sich die Defibrillatoren beim Zugbegleiter-Abteil in der Mitte der Komposition befinden und somit ausschliesslich für die Mitarbeiter zugänglich sein. Zudem wollen die SBB ihre Strategie beibehalten: «Im Ernstfall werden wir auch weiterhin schnellstmöglich anhalten und den Patienten an Profis übergeben», sagt Meyer.

Beim aktuellen Beispiel habe man in Thalwil ZH vom medizinischen Notfall erfahren. «Auf die Ambulanz zu warten, hätte zu lange gedauert», erklärt Meyer. «Deshalb beschlossen die Verantwortlichen, nach Zürich durchzufahren, wo die Rettungssanitäter schon bereit waren.» Für den Mann kam die Hilfe jedoch zu spät.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Diego Diego am 31.10.2013 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht hyperventilieren

    Wir müssen nur nur aufpassen, dass wir nicht anfangen auch auf Wanderwegen, mitten auf dem See, auf Autobahnpannenstreifen, usw. Defibrilatoren aufstellen. Tönt komisch? Warum? Warum soll jemand im Zug besser geschützt sein als z.B. jemand auf der Strasse? Es gibt keinen absoluten Schutz - so schön dies auch sein könnte.

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  • Anonym am 31.10.2013 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertreibt doch

    Was schreit ihr so rum? Im Taxi, Bus, Tram, hat es auch keine und bei ausländischen Bahnen ists js auch nicht so weit verbreitet. Das Them war vor kurzem ja auch hier bei 20 Minuten. Damals sagten die meisten nicht nötig und jetzt plötzlich ja, ihr wechselt die Meinung ja wie andere Leute die Unterhosen. Wenn die SBB auch solche Geräte anschaffen soll, verlange ich aber das in JEDEM öffentlichem Gebäude und JEDER Arbeitgeber den Arbeiter solche Geräte zur Verfügung stellt. Ach ja das ist ja natürlich nicht dasselbe, aber Hauptsache ihr könnt wieder auf der SBB rummachen. Wetten rund die Hälfte dir hier motzen würden bei einem Ernstfall nicht zu diesem Gerät greifen. Es ist ja halt wodurch auch natürlich das Menschen von uns gehen und wenn das in der Stadt passiert, wen wolt ihr dort Schuld geben? In der Stadt passierts auf jeden Fall mehr als im Zug. Sonst könnt ihr ja ein Rucksack mit so einem Gerät kaufen, dann habt ihr es immer dabei.

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  • Roger Zimmermann am 31.10.2013 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Sicherheitsdenken

    Ein Deffibrilator alleine rettet noch kein Leben, er eröht lediglich die Erfolgschancen der Reanimation, welche auch 40 Minuten oder länger dauern kann. Wichtig ist die richtige Erstbehandlung - Sofortige Herzmasage. Mit dieser muss unverzüglich begonnen werden, und nicht mit der Suche nach einem Defi.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tschibeli am 01.11.2013 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Defi. nützt nur wenn...

    Ein Deflibirator nützt nur etwas, wenn der Herzschlag am flimmern o. unregelmässig schlägt. Wenn das Herz vollkommen still steht, nützt ein solches Gerät rein gar nicht's. Also sollte man zuerst das Herz abhöhren, wie es schlägt, wenn überhaupt. Fragt Euren Doc, er erklärt es Euch! Herzmassage u. Beatmung hat oberste priorität!

  • Xandi Siegrist am 01.11.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Reanimierung Ausbildung in der Schule

    In Ländern wo die Reanimierung in der Schule ausbilden ist die Überlebens-Chanche ca. 30 mal höher. Warum wird das in der Schweiz nicht durchgesetzt????

  • AntonMeier am 01.11.2013 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Und selber machen?

    Viel wichtiger ist, dass wir auf den Herzmassagen und Beatmung ausgebildet werden. Und dies nicht einmal für den Ausweis, sondern früher und immer wieder. Denn es gibt nicht überall solch schöne moderne Helferlein.

  • Roman Lance am 01.11.2013 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    ist schon seit jahren bitter nötig !!

    Defibrillatoren gehören eigentlich schon ganz lange an ganz viele öffentliche orte !!!!

    • AntonMeier am 01.11.2013 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      Können vor Technick

      Hat es auch mittlerweilen. Und wenn sie auf der Autobahn unterwegs sind? Oder es eben keinen hat? Ausbildung ist wichtig, dass es jeder könnte.

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  • Realist am 31.10.2013 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann es auch übertreiben

    Wieviele nehmen die Bahn und haben so einen Herzstillstand? Sehr wenige, zudem ist es humaner so zu sterben als wenn man vielleicht zu spät mit einem Defibrillator ins Leben zurück gebracht wird und dann als "Gemüse" vegetieren muss.