Leuthards Roadmap

18. Dezember 2018 19:04; Akt: 19.12.2018 09:39 Print

Darum fährt uns Norwegen bei den E-Autos davon

von B. Zanni - Reicht der neue Förderplan für E-Autos? Kritiker verneinen und verweisen auf das Vorbild Norwegen, wo E-Autofahrer viele Privilegien geniessen.

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Weniger als drei Prozent der neu zugelassenen Personenwagen sind E-Autos. Bis 2022 soll dieser Anteil auf 15 Prozent steigen. Um die E-Mobilität zu fördern, will die abtretende Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) mit einer Roadmap des Bundes unter anderem grüne Zonen für Elektrofahrzeuge und ein nationales Schnellladenetz schaffen. Auch will der Bund den Automateneintrag im Führerausweis streichen und von den Elektroauto-Lenkern vorerst keine Abgaben verlangen. Norwegen gilt in Sachen Elektromobilität als Vorzeigeland. 2017 waren 40 Prozent der neu angemeldeten Autos elektrisch. Mit 200'000 voll- oder teilstromgetriebenen Autos hat das Land sein Ziel von 50'000 Elektrofahrzeugen bis Ende 2018 schon jetzt übertroffen. SP-Fraktionspräsident Roger Nordmann geht die Roadmap des Bundes zu wenig weit. Es sei ein Fortschritt, dass der Bund endlich konkrete Massnahmen für die Elektromobilität festlege, sagt er. «Für unsere Forderung, spätestens 2040 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in den Verkehr zu setzen, sind diese Massnahmen aber noch zu schwammig», sagt Nordmann. FDP-Verkehrspolitiker Thierry Burkart unterstützt die Roadmap. Aber allzu viele Privilegien für E-Autofahrer ergäben keinen Sinn, sagt der Vizepräsident des Touringclubs Schweiz. «Am Schluss ist die Wahl des Autos kein monetärer, sondern ein Bauchentscheid.» SVP-Verkehrspolitiker Walter Wobmann hingegen ist mit den Massnahmen des Bundes nicht einverstanden. «Der Staat hat weder bestimmte Arten von Autos zu steuern noch zu verbieten», empört er sich. Bundesraetin Doris Leuthard fährt selbst einen Tesla-Dienstwagen.

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Elektrisieren lassen sich die Schweizer von Elektrofahrzeugen derzeit kaum. Weniger als drei Prozent der neu zugelassenen Personenwagen sind E-Autos. Bis 2022 soll dieser Anteil auf 15 Prozent steigen. Um die E-Mobilität zu fördern, will die abtretende Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) mit einer Roadmap des Bundes unter anderem grüne Zonen für Elektrofahrzeuge und ein nationales Schnellladenetz schaffen. Auch will der Bund den Automateneintrag im Führerausweis streichen und von den Elektroauto-Lenkern vorerst keine Abgaben verlangen.

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Norwegen gilt in Sachen Elektromobilität als Vorzeigeland. 2017 waren 40 Prozent der neu angemeldeten Autos elektrisch. Mit 200'000 voll- oder teilstromgetriebenen Autos hat das Land sein Ziel von 50'000 Elektrofahrzeugen bis Ende 2018 schon jetzt übertroffen. Den Lenkern von Elektroautos winken zahlreiche Vorteile. So dürfen sie in der Stadt Busspuren benutzen, bezahlen weniger Verkehrsabgaben, parkieren gratis und erhalten von der Stadt Oslo gespendeten Strom.

«Wir müssen uns an Norwegen orientieren»»

SP-Fraktionspräsident Roger Nordmann geht die Roadmap des Bundes zu wenig weit. Es sei ein Fortschritt, dass der Bund endlich konkrete Massnahmen für die Elektromobilität festlege, sagt er. «Für unsere Forderung, spätestens 2040 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in den Verkehr zu setzen, sind diese Massnahmen aber noch zu schwammig», sagt Nordmann. Derzeit gebe der Bund den Nutzern von Elektrofahrzeugen zu wenige Privilegien, kritisiert er. «Wir müssen uns an Norwegen orientieren.»

Auf öffentlichen Parkplätzen müssten zehn Prozent der Plätze für Elektroautos reserviert sein, fordert Nordmann. Auch sollten Lenker von Elektroautos bei Parkplatzmangel den Vortritt erhalten. Wichtig sei, dass die Anschaffung finanziell unterstützt werde. «Wer ein Elektroauto kauft, sollte zum Beispiel mit einer Prämie von 5000 Franken angespornt werden. Die Kosten sollen die Treibstoffimporteure tragen.» In den nächsten Jahren solle der Strom für die Mobilität noch nicht besteuert werden. Laut Nordmann soll der Bund etwa mit einer Minimalquote für neu immatrikulierte Fahrzeuge bei den Autoimporteuren Druck machen. In seinem Bericht «Für eine rasche Elektrifizierung der Mobilität auf der Strasse» schlägt er Sanktionen vor, würden Importeure dieses Ziel nicht einhalten.

«Allzu viele Privilegien haben keinen Sinn»

FDP-Verkehrspolitiker Thierry Burkart unterstützt die Roadmap. Aber allzu viele Privilegien für E-Autofahrer ergäben keinen Sinn, sagt der Vizepräsident des Touringclubs Schweiz. «Am Schluss ist die Wahl des Autos kein monetärer, sondern ein Bauchentscheid.» Nicht einverstanden ist er mit der Streichung des Automateneintrags. «Das Schalten will gelernt sein. Ich bin begeistert von der Elektromobilität, die Verkehrssicherheit geht aber vor.» Norwegen zu kopieren, sei nicht in jedem Punkt sinnvoll. «Wenn die Elektroautos auf Busspuren fahren können, hat es bald keinen Platz mehr für die Busse.»

SVP-Verkehrspolitiker Walter Wobmann hingegen ist mit den Massnahmen des Bundes nicht einverstanden. «Der Staat hat weder bestimmte Arten von Autos zu steuern noch zu verbieten», empört er sich. Hybrid-, Wasserstoff- oder Brennstoffzellenfahrzeuge klammere der Bund zu Unrecht aus. «Dabei weisen diese Technologien auch eine immer bessere Ökobilanz auf.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.F.ZH am 18.12.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Brauchen keine Förderung

    Wir brauchen keine Förderung. sondern mehr gute Fahrzeuge die man kaufen kann.

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  • Fleur am 18.12.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strom sparen mit E-Autos, ein Witz

    Alles gut und schön, dann kommt plötzlich wieder die Aufforderung Strom zu sparen, die Staubsauger werden gedrosselt, Kuchen backen nur noch im Slow Motion-Betrieb usw. wieso kann man nicht auch etwas vernetzt denken und nicht immer nur eine Seite propagieren!

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  • Gsxr1000 am 18.12.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Dass solche E-Autos umweltfreundlich sein sollen, ist ein riesiger Quatsch. Ich bin trotz allem noch absolut überzeugt von den bisherigen Verbrennungsmotoren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ganz klar am 19.12.2018 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage der Zeit

    das Ganze geht genau so lange bis wie mehrheitlich eletrisch unterwegs sind. Ab dann werden E-Autos genau so bekämpft und verteufelt und wir dafür abgezockt.

  • D P am 19.12.2018 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Das ganze Paket

    An Alle, welche jetzt hier aus vollster Überzeugung für das Elektroauto missionieren und denken sie hätten mit ihrem Elektroauto die Welt gerettet. Ich fahre einen Benziner, ich wohne jedoch in einem über 100 jährigen Haus, welches ich auf Minergie Standard isoliert habe, beheizt wird es per Wärmepumpe. Ich verbringe meine Ferien in der Schweiz oder im nahen Ausland. Ich fliege also nicht drei mal im Jahr um die halbe Welt. Auch würde ich niemals auf einem Kreuzfahrtschiff Ferien machen. Ich habe also ein gutes gewissen, denn aufs Paket kommt es an.

    • C.Di Caro am 19.12.2018 18:14 Report Diesen Beitrag melden

      @D P, gute Einstellung!

      Hilft das Elektroauto dem Klima? Wir können lange über die Probleme der Globalisierung diskutieren, die Produkte werden wir weiterhin herstellen und dann ist nur die Frage, entscheiden wir uns für etwas was lokal emissionsfrei fährt ohne weitere Ressourcen zu verbrennen, ja oder nein? Insofern lässt sich die Grundsatzfrage ganz simpel beantworten.

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  • Sunpower am 19.12.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor dem Ende kommt die Wende

    Das Erweckungsjahr. Beende deine fossile Zeitepoche.

  • Doris K am 19.12.2018 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Dummer Vergleich

    Die Schweiz hat gar nicht genügend Strom, um den Verkehr zu elektrifizieren. Schon bei einem Anteil von 15% Elektrofahrzeuge am Verkehr dürfte es mehr als knapp werden. Man kann halt nicht Kraftwerke abschalten und gleichzeitig energieintensive Tätigkeiten und Bereiche auf Strom umstellen. Norwegen hat diese Probleme nicht und genügend Wasserkraft. Sich mit Norwegen zu vergleichen ist deshalb nur dumm. Zudem muss die Schweiz nicht immer die Nummer 1 auf der Welt sein und das nicht selten zum Nachteil seiner Bürger.

    • Pierino Müller am 19.12.2018 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      Kann es langsam nicht mehr hören

      Was braucht ein Backofen und die gesamte Beleuchtung und Geschirrspüler und der Fernseher zusammen an Energie? Diese Energiemenge wird in der Nacht nicht gebraucht und ein Teil davon kann verwendet werden um die Elektroautos zu laden. SmartGrid nennt sich das ganze und wird in Zukunft eine übergeornete Rolle beim Strommix in der Schweiz haben. Ausserdem, ein Verbrenner-Auto benötigt indirekt fast ebenso viel Strom wie ein E-Auto und den Treibstoff kann man selbst erzeugen. E-Autos erhöhen den Gesamt-Energiebedarf nicht dramatisch!

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  • Illumination am 19.12.2018 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Effiziente Förderung bei Mercedes...

    Mercedes GLC F-Cell - Brennstoffzellen Plug-in-Hybrid (Wasserstoffauto mit aufladbarem Akku), H2-Reichweite 430 km, Batterie bringt zusätzlich 50 km ("Notnagel" bei schwachem H2-Tankstellen-Netz)..Fahrzeug gibt es nur zur Miete für 799 Euro/Monat inkl. Fullservice (ohne Anzahlung, inkl. Wartung und allem Drum und Dran) - Zusatzkosten nur Wasserstoff-/Stromverbrauch.. Die ersten Fahrzeuge sind in Deutschland auf dem Markt (u.a. neuer Dienstwagen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann/BW, ebenso für 799 Euro/Monat..) - bis Ende 2019 in Deutschland 100 H2-Tankstellen.. ;-)