Pflegeoffensive

21. April 2013 09:59; Akt: 21.04.2013 09:59 Print

Maurer lässt Spitalsoldaten an Zivilpatienten üben

Kommt ein Notfall, will die Armee gerüstet sein – auch medizinisch. Deshalb sind die Zeiten bald vorbei, in denen Soldaten nur Komparsen behandelten. Gesundheitspolitikerinnen reagieren skeptisch.

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Spitalsoldaten üben den Noteinsatz an einem Dienstkollegen – künftig können sie sich in einem Zivilspital vorbereiten. (Bild: Keystone/Peter de Jong)

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Auf dem Feld gibts für die Schweizer Armee derzeit zum Glück keinen Gegner zu bekämpfen. Dafür kämpft sie bald gegen Krankheitskeime und die Verletzungshexe: Im Herbst wird erstmals ein Spitalbataillon seinen Einsatz in einem Zivilspital leisten. Die rund 400 Soldaten werden Patienten umbetten, waschen, ihnen das Essen bringen, eventuell sogar Spritzen setzen. Das berichtet die «NZZ am Sonntag». Um welches Spital es sich handelt, ist noch geheim – zuerst müsse das dortige Personal informiert werden.

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Die Armee will künftig jedes Jahr ein Bataillon auf diese Art ausbilden, insgesamt 1600 Soldaten. Sie sollen unter Anleitung des Spitalpersonals darauf vorbereitet werden, in einem Notfall zivile Spitaleinrichtungen zu unterstützen. Dies könnten laut Oberfeldarzt Divisionär Andreas Stettbacher Erdbeben, Überschwemmungen oder auch starke Grippewellen sein. Zwar haben bisher Spitalsoldaten schon Praktika in Zivilspitälern absolviert – aber nur einzeln und nicht als ganze Truppe. Zudem probten sie danach den Ernstfall nicht an echten Patienten, sondern an meist an Dienstkollegen.

«Spital darf nicht zum Übungsplatz werden»

Nicht alle Gesundheitspolitiker sind von der medizinischen Offensive begeistert. «Ein Zivilspital ist kein Militärspital», sagt die grünliberale Politikerin Margrit Kessler gegenüber der Zeitung. Dort würden andere Regeln und Standards gelten. Sie fordert, dass die Soldaten nur unter Aufsicht von Profis arbeiten und nur tun, wofür sie auch genügend geschult wurden.

Weniger ablehnend zeigt sich die grüne Nationalrätin und Ärztin Yvonne Gilli: Im Grunde sei es sympathisch, wenn sich die Armee in den Dienst der Allgemeinheit stelle und sinnvolle Einsätze leiste. Die St. Gallerin warnt aber auch: «Das Spital darf nicht zum Übungsfeld werden mit Patienten statt Puppen.» Sie fordert eine klare Führung seitens der Spitalleitungen. «Dazu müssen sie auch die nötigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen erhalten.»

Volle Unterstützung bekommt die Armee von FDP-Nationalrat Ignazio Cassis, der früher als Militärarzt Dienst leistete. «Dies ist ein weiterer Schritt der Armee weg von der trockenen Übung hin zur Realität», sagt er. Die Zusammenarbeit müsse geübt werden, damit sie in der Not auch klappe. Nicht zuletzt sei dieser Dienst auch Werbung, sagt der Tessiner. «Das ist gut fürs Image des Militärs.»

(hhs)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ist doch eine interessante Idee, dann machen die Spitalsoldaten wenigstens etwas sinnvolles mit dem Steuergeld, das in sie verlocht wird. Ich als Sani hätte selbst viel darum gegeben, während meiner RS genau so etwas tun zu können. Für etwas ist man schliesslich Medic :) – Leo Steiger

Qualität erlangen. Bravo! Die scheizer Armee geht so den richtigen Weg. Jede Feuerwehr übt wöchentlich Ernstfalleinsätze, damit sie Abläufe kennenlernen und wenn es zum Einsatz kommt, aus dem geübten Wissen nutzen kann. Damit wird Leben gerettet. Unsere Armee ist mit dieser Ausbildung auf dem richtigen Weg, im Ernstfall auf das erlernte Wissen zurückgreifen zu können, was dann für jeden von uns Überlebenswichtig sein kann. Wer glaubt, dass man für eine solche Ausbildung das normale Personal aus dem Spital schickt und die Armee dann Krieg spielt, der irrt. Ueli Maurer ist sich sicher bewusst, welche Maßnahmen wichtig sind, um unsere Armee zur besten der Welt (auf Schweizer Boden) zu machen. – markus h

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ben am 21.04.2013 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    "Sanis" wurden schon öfters zur Ausbildung in Spitäler geschickt. Ist auch gut so, sonst währen sie in einer echten Notsituation zu schnell überfordert, wenn sie keine echte Erfahrung hätten sammeln können.

  • Krabat Büschi am 21.04.2013 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute idee

    ich finde die idee gut da so die Soldaten grade alles zum richtigen umgang lernen können

  • marcel thalmann am 21.04.2013 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Militärspital mit

    100% Militärärzten und Pflegepersonal, mit dem Willen alle Patienten möglichst rasch und effektiv zu heilen, anstatt Gewinnorientiert wie die normalen Spitäler möglichst langzeitkranke erhalten wollen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Christoph Nöthiger am 21.04.2013 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Ich bin selbst Angehöriger einer Spital-Kompanie und dieses Vorhaben ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nur durch solche "Echt-Einsätze" können Spitaltruppen ihre pflegerischen Kompetenzen vertiefen und "sattelfest" in ihrer Tätigkeit werden. Dies ist aber bei weitem nicht der erste Einsatz in zivilen Institutionen, die Armee führt zum Beispiel schon seit jahrzehnten Armeelager für Menschen mit Körperbehinderungen durch und hat auch schon früher Einsätze in Spitälern und Pflegeheimen geleistet. Ich freue mich jedenfalls auf meinen nächsten WK.

  • Hans Peter Wilcher am 21.04.2013 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirnrissig

    Das ist eine absolut bescheuerte Idee. Ich weis von was ich rede. Ich Arbeite seit gut 4 Jahren als Pflegefahmann und habe auch meinen Armeedienst absolviert, nicht als Spitsoldat aber als Sansoldat. Ich kann mir nicht vorstellen das meine Kamaraden auch nur annähernd die nötigen qualifikationen für solche arbeiten mitbringen. Ich habe in der zeit in der Armee nur gelernt das Fachpersonen nichts zu melden haben und auf anregungen aus dem Zivilen nur mit ablehnung reagiert wird. Eine absolut Hirnrissige Idee, ich werde in einem solchen Spital nicht freiwillig Arbeiten oder mich Behandeln lassen

  • D. A. Berner am 21.04.2013 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spital ist kein Kasernen-Uebungsplatz!

    Nein, das möchte ich NICHT! Es steht zuviel auf dem Spiel, wenn im Spital kurzfristig Militärs auf Patienten losgelassen werden! Zudem sind die KK-Prämien so horrend, dass, sollte man operations-/oder pflegebedingt ins Spital müssen, man erwarten kann, dass man von diplomiertem Spital-Personal gepflegt wird (inkl. Spritzen setzen, Medis eingeben etc.) Auch in der Intimpflege möchte sich nicht jede/r von x-beliebigen Männern beguckt und waschen lassen! Als Patient möchte ich vorgängig wissen, ob ich (in Friedenszeiten!) vom "offiziellen" Spitalpersonal behandelt werde, oder von Militärsoldaten!

  • Thomy am 21.04.2013 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nich mal über meine Leiche!!!

    Ganz ehrlich: Armee hat rein gar nichts in Spitälern zu suchen; die sind ja nicht mal auf ner KA im Militär zu gebrauchen... Ich würde mir ein anderes Spital suchen, wenn da irgendwelche Armeemenschen ankommen, aber garantiert nich voner Armee pflegen lassen oder sonst was

  • Krabat Büschi am 21.04.2013 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute idee

    ich finde die idee gut da so die Soldaten grade alles zum richtigen umgang lernen können