Bund in der Kritik

26. Oktober 2015 10:38; Akt: 26.10.2015 11:02 Print

Mehr Fälle von kranken Asylbewerbern

Asylsuchende würden mangelhaft auf Krankheiten untersucht, kritisieren Kantone. Nun prüft der Bund einen Ausweitung der medizinischen Untersuchungen.

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Asylbewerber im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso. In den letzten Monaten ist es vermehrt zu Krankheiten unter den Asylsuchenden gekommen. (Bild: Keystone/Carlo Reguzzi)

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Der Bund steht in der Kritik. Die Kantone werfen ihm vor, dass Asylsuchende in den letzten Monaten oftmals ohne die vorgeschriebenen Tuberkuloseabklärungen auf die kantonalen Unterkünfte verteilt worden seien. Die Lungenkranheit ist ansteckend und kann tödlich enden.

«In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Fällen von kranken Asylbewerbern, die der Bund ohne medizinische Untersuchungen an die Kantone übergab», sagt Jan von Overbeck, Berner Kantonsarzt und Präsident der Schweizer Kantonsärzte-Vereinigung, zur «NZZ am Sonntag».

Forderung nach generellem Gesundheits-Check

Nun reagiert der Bund. Er erwägt, zusätzliche Krankheitstests einzuführen, und hat eine entsprechende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Dazu gehören Vertreter des Bundesamts für Gesundheit (BAG), des Staatssekretariats für Migration und der kantonalen Gesundheitsdirektionen, sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim BAG.

Diese prüfe, ob medizinische Untersuchungen in den Empfangszentren verbessert und ausgeweitet werden müssten. Kantonsarzt Oberbeck fordert, dass Asylsuchende nicht nur auf Tuberkulose, sondern auch auf andere übertragbare Krankheiten überprüft werden. Auch das Thema posttraumatische Störungen will er nicht unberührt lassen. «Hier ist es wichtig, dass die Krankheiten bereits an der Grenze erkannt und den Kantonen gemeldet werden. Nur so können die Betroffenen richtig behandelt werden.»

Auch Koch vom BAG sagt, innerhalb der Arbeitsgruppe gebe es bereits Forderungen nach einem generellen Gesundheits-Check für Asylbewerber. Die Arbeitsgruppe trifft sich im November zur ersten Sitzung und wird ihre Arbeit voraussichtlich im Dezember aufnehmen.

Seit 2006 nur noch Befragungen

Seit den 1970er-Jahren führt der Bund bei Ausländern, die in die Schweiz einwandern, Gesundheitsuntersuchungen durch. Damals liess er Arbeiter auf Tuberkulose röntgen oder Asylsuchende auf Malaria und Syphilis testen.

Seit 2006 jedoch werden diese Abklärungen an der Grenze nur noch in Form von Befragungen durchgeführt. Fachpersonen führen in den Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes Interviews mit den Asylbewerbern und klären dabei insbesondere den Verdacht auf Tuberkulose ab.

(tab)