Raubtier-Politik

08. Mai 2012 12:44; Akt: 08.05.2012 16:21 Print

Mehr Platz für Wolf, Luchs und Bär

Wendepunkt in der Grossraubtierpolitik: Der Wolf, der Luchs und der Bär sollen in die Schweiz zurückkehren können. Doch abschiessen darf man sie immer noch.

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Während Wölfe immer wieder Nutztiere reissen, bewegt der Luchs die Gemüter vor allem in Jagdkreisen. Der Bär stellt vor allem eine Gefahr für Leib und Leben der Menschen dar. (Bild: Keystone)

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JagdSchweiz und der Schweizerische Schafzuchtverband akzeptieren die natürliche Rückkehr und Ausbreitung von Wolf, Luchs und Bär in der Schweiz. Die Umweltorganisationen Pro Natura und WWF Schweiz sprechen sich für Jagd und Schafsömmerung aus.

Die vier Verbände haben sich auf gemeinsame Grundsätze, Ziele und Handlungsfelder geeinigt, die sie am Dienstag in Bern den Medien vorstellten. In ihrem Papier «Grossraubtier-Management in der Schweiz» verpflichten sie sich zur Zusammenarbeit.

Regulationsabschüsse sollen möglich sein, wenn der Bestand nicht gefährdet wird. Wie bisher sollen Einzeltiere, die Schäden an Nutztieren verursachen, abgeschossen werden können.

«Die Regulation von Grossraubtieren ist für uns kein Tabu mehr», sagte Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik bei Pro Natura, an der Medienkonferenz. Wichtig sei aber die Weiterentwicklung des Schutzes von Nutztierherden. «Der Herdenschutz soll einen zentralen Pfeiler darstellen.»

Dazu gehören der Einsatz von Herdenschutzhunden und Hirten, aber auch der Einsatz von Umtriebsweiden und Zäunen. Der Bund soll die Zucht und den Einsatz von tauglichen Herdenschutzhunden fördern und überwachen.

«Züchter und Halter sind bereit, unter Berücksichtigung der regionalen Verhältnisse, zumutbare Massnahmen zum Schutz der Herden zu ergreifen, um ein Nebeneinander von Grossraubtieren mit der nachhaltigen Nutztierhaltung sowie Alpsömmerung zu ermöglichen», sagte German Schmutz, Präsident des Schweizerischen Schafzuchtverbands.

Bisher nur Verlierer

Während Wölfe immer wieder Nutztiere - bevorzugt Schafe - reissen, bewegt der Luchs die Gemüter vor allem in Jagdkreisen. Als Raubtier macht er den Jägern in seinen Revieren Konkurrenz vor allem bei der Reh- und Gemsjagd. Der Bär wiederum stellt vor allem eine Gefahr für Leib und Leben der Menschen dar.

«Wolf, Luchs und Bär bewegen, die Grossraubtiere schaffen es immer wieder zu grosser öffentlicher Wahrnehmung», sagte Kurt Eichenberger, Grossraubtier-Experte des WWF Schweiz. «Der Wolf erreichte sogar dreizehn parlamentarische Vorstösse in der Herbstsession 2010 - das ist etwa für jeden Wolf ein Vorstoss.»

Bisher habe es nur Verlierer in diesem schlechten Spiel gegeben: Beim Wolf sei kein Nachwuchs gekommen, und auch die Landwirtschaft habe bisher nicht aufatmen können. Einzig der Luchs habe sich bisher einigermassen etabliert, aber auch hier bestehe die Gefahr eines erneuten Rückgangs der kleinen Population.

Rechtsfälle, Aufsichtsbeschwerden und Strafanklagen, politische Vorstösse, Polemik hüben und drüben hätten bisher die Lösungen eher erschwert als erleichtert, sagte Eichenberger.

In dieser Pattsituation und Verhärtung habe im Herbst 2009 die AG Grossraubtiere getagt, eine Arbeitsgruppe des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) mit allen relevanten Akteuren zur Grossraubtierfrage. WWF und Pro Natura hätten einen Vorstoss für einen runden Tisch gemacht. Dieser Vorschlag sei vom BAFU aufgegriffen und die Idee einer Charta lanciert worden.

Durchbruch nach sechs Sitzungen

JagdSchweiz und der Schweizerische Schafzuchtverband seien spontan bereit gewesen, in Gespräche einzutreten. Das BAFU habe auf gemeinsamen Wunsch den Prozess moderiert, und Mitte 2010 habe man einen Gesprächs- und Verhandlungsprozess gestartet.

Sechs Sitzungen haben bisher stattgefunden. Dazu eingeladen waren auch das Bundesamt für Landwirtschaft und der Verein KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Grossraubtiere in der Schweiz). «Dieser Prozess ist noch längst nicht zu Ende, doch wir stehen heute an einem Wendepunkt», sagte der WWF-Vertreter.

«Regelmässig gab es bei den Treffen zuerst eine 'Kropfleerete' über neue vom Wolf verursachte Schäden», sagte Peter Zenklusen, Vizepräsident von JagdSchweiz. «Die Erarbeitung dieses Papiers war zeitweise ein steiniger Weg. Wir meinen heute ein erstes Zwischenziel erreicht zu haben.»

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(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Taifunny am 08.05.2012 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Platz? Wo?

    Wie? Wir haben INNERHALB unseres Dorfes im Zürcher Unterland nicht einmal mehr eine Wiese wo man mit dem Hund Gassi gehen kann oder wo Katzen Mäuse jagen dürfen. Und da soll es mehr Platz für Wildtiere geben?

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  • Tigris am 08.05.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Platz für Wolf, Luchs, Bär...

    ... und neuerdings auch Panther ;-))

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  • Peschä am 08.05.2012 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Schweiz

    Sobald das erste Mal ein Mensch von einem Bären, oder vielleicht auch von Wölfen angefallen wird, werden kaum noch Leute dafür sein, dass mehr Wölfe und Bären in der Schweiz leben. Das Land ist einfach klein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nadja H. am 08.05.2012 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe andere Probleme...

    Vor ein paar Jahren wurden Luchse bei uns angesiedelt (Tössstock), bin aber noch nie einem begegnet...! Was spricht dagegen? In Kanada z.B. leben Menschen und Bären im selben Gebiet, da beklagt sich auch niemand!

  • Peschä am 08.05.2012 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Schweiz

    Sobald das erste Mal ein Mensch von einem Bären, oder vielleicht auch von Wölfen angefallen wird, werden kaum noch Leute dafür sein, dass mehr Wölfe und Bären in der Schweiz leben. Das Land ist einfach klein.

  • petr am 08.05.2012 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde reich!!!!

    Klar ich würde dann ein Reisebüros eröffnen: "Grosswild Jagd, Traumdestination Schweiz"! Luchs 20`000fr, Wolf 25`000, Bär 40`000fr, Katzen und Hunde 1000fr

    • schwarze grosskatze am 08.05.2012 16:36 Report Diesen Beitrag melden

      wwf ihr seht kein rappen von mir

      ganz im sinne des wwf`s wartet nur ab... das ganze wird dann wohl als nötige bestandsregulierung verkauft.

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  • Martin am 08.05.2012 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Immer her damit...

    Tip Top, einfach noch ein paar Krokodile in den Zürich See das auch wirklich alle in den Genuss eines Kuscheltieres in ihrer nähe kommen können.

  • P.R. am 08.05.2012 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lamas

    Also eigentlich müsste man in eine Schafherde nur 2 Lamas platzieren und jeder Wolf würde reiss aus nehmen... Aber auf die Idee kommt ja keiner, lieber einen "guten" Grund finden um das Tier abzuknallen obwohl es nur seinem Instinkt folgt...