Verkehr

08. Februar 2011 11:44; Akt: 08.02.2011 12:36 Print

Mehr Raser auf Schweizer Strassen

2010 mussten in der Schweiz knapp 79 000 Autofahrer ihren Führerausweis abgeben. Das sind 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Trotz Präventionskampagnen: 2010 wurde auf Schweizer Strassen gerast wie noch nie

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Wegen zu schnellen Fahrens wurden 2010 so viele Ausweise wie noch nie entzogen. Die Ausweisentzüge wegen Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit nahmen um 1,2 Prozent auf 34 427 Fälle zu, wie das Bundesamt für Strassen (ASTRA) am Dienstag mitteilte. Entgegen dem Trend der letzten Jahre nahm aber auch die Zahl der Entzüge wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand zu, und zwar um 5,4 Prozent auf 18 371 Fälle.

Ein weiterer Grund für Ausweisentzüge ist Unaufmerksamkeit. Diese Fälle nahmen um 8,2 Prozent auf 9775 Fälle zu. Das ASTRA führt die Zunahme unter anderem darauf zurück, dass immer mehr Autofahrer während der Fahrt Telefone oder Navigationsgeräte bedienen.

Zahlen wenig aussagekräftig

Das Bundesamt relativiert allerdings die Bedeutung der Statistik: «Die Zahlen dürfen nicht überbewertet werden», sagte Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage. «Man kann im Grunde nicht viel herauslesen.» Vor allem sei aus der Statistik nicht abzuleiten, dass tatsächlich mehr Personen zu schnell oder angetrunken gefahren seien als im Vorjahr.

Fest steht lediglich, dass mehr Raser und Angetrunkene gezählt wurden - möglicherweise, weil mehr Kontrollen durchgeführt wurden. Gerade bei den Temposündern hält Rohrbach einen solchen Effekt für naheliegend: Im Zuge der öffentlichen Diskussion über Raser könnte die Polizei das Augenmerk vermehrt auf Tempoüberschreitungen gerichtet haben, gibt er zu bedenken.

Spezifische Kontrollen

Auf die Zahl der angehaltenen alkoholisierten Lenker könnte sich laut Rohrbach eine 2010 durchgeführte Kampagne mit spezifischen Kontrollen ausgewirkt haben. Zwar sei erstmals seit Einführung der 0,5-Promille-Grenze wieder eine Zunahme zu verzeichnen. Ob dies einem Trend entspreche, könne aber - wenn überhaupt - erst nach mehreren Jahren festgestellt werden.

Für verlässliche Aussagen über die Entwicklung wären differenzierte Untersuchungen nötig. «Wir führen nur die nationale Buchhaltung», erklärt der ASTRA-Sprecher. Bei den diversen Zunahmen sei darüber hinaus auch zu berücksichtigen, dass die Gesamtzahl der Autofahrer zunehme.

Massnahmen zeigen Wirkung

Die meisten Ausweisentzüge waren im vergangenen Jahr auf einen bis drei Monate befristet. Während die Zahl der Ausweisentzüge von sieben bis zwölf Monaten zunahm, sank jene der Entzüge von mehr als zwölf Monaten.

Stark zugenommen hat jedoch die Zahl der Ausweise, die auf unbestimmte Zeit entzogen wurden. Hier wirke sich das im Jahr 2005 eingeführte verschärfte Recht aus, schreibt das ASTRA. Nach den neuen Regeln kann Wiederholungstätern der Ausweis leichter auf unbestimmte Zeit entzogen werden.

Mehr Ausweise annulliert

Auch der «Führerausweis auf Probe» schlägt sich in der Statistik nieder: 2010 wurden 1388 Ausweise annulliert. Das sind über 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Die starke Zunahme ist darauf zurückzuführen, dass die Übergangsfrist abgelaufen ist. Nach dem neuen Recht wird der Ausweis bei zwei Widerhandlungen während der Probezeit annulliert.

Am meisten Ausweisentzüge verzeichnete das ASTRA in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen, gefolgt von den 30- bis 39- Jährigen. Die höchste Zunahme gegenüber dem Vorjahr (plus 22,6 Prozent) gab es in der Altersgruppe ab 70 Jahren.

(sda)