Erhöhtes Komplikationsrisiko

15. Juli 2014 14:09; Akt: 15.07.2014 14:25 Print

Mehr alte Mütter – Zahl behinderter Kinder steigt

von J. Büchi - Ärzte schlagen Alarm: Weil Frauen in der Schweiz immer später gebären, gibt es wieder mehr behinderte Kinder. Broschüren sollen Junge nun zur frühen Familiengründung ermuntern.

Das Durchschnittsalter, in dem Frauen Kinder bekommen, ist in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen.

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Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Babys mit Trisomie 21 in der Schweiz verdoppelt. Der Befund erstaunt, zumal in der Schweiz laut Schätzungen mittlerweile bis zu 95 Prozent der Föten mit Down-Syndrom abgetrieben werden (siehe Box). Für Roland Zimmermann, Direktor der Klinik für Geburtshilfe am Universitätsspital Zürich, gibt es dafür nur eine Erklärung: «Die Frauen, die in der Schweiz Kinder bekommen, werden immer älter – damit steigt das Komplikationsrisiko.»

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Neben Trisomie 21 werden auch andere Chromosomenstörungen wie Trisomie 13 und 18 mit zunehmendem Alter der Mutter wahrscheinlicher. Diese führen meist kurz nach der Geburt zum Tod des Kindes. Zudem steigt das Risiko für Frühgeburten. Für Zimmermann ist deshalb klar: «Junge Frauen müssen dazu ermuntert werden, wieder früher Kinder zu bekommen.»

Informationsoffensive geplant

Zimmermanns Klinik arbeitet zurzeit an einer Broschüre, die junge Frauen für das Thema sensibilisieren soll – ein Novum in der Schweiz. Diese Informationsoffensive sei nötig, so der Spezialist für Geburtshilfe. «Es ist wichtig, dass wir einer ganzen Generation sagen: ‹Es hat Vorteile, wenn ihr früh Kinder habt.›» Hauptbotschaft: Wenn eine Frau mit 25 Kinder habe, sei das Down-Syndrom-Risiko halb so gross wie mit 30, so Zimmermann. Er erinnert daran, dass eine Schwangerschaft eine körperliche Höchstleistung ist: «Im Gebärsaal ist es wie auf dem Fussballplatz: Zwischen 20 und 32 ist man am leistungsfähigsten.»

Zimmermann appelliert deshalb an seine Gynäkologen-Kollegen und das Bundesamt für Gesundheit, junge Frauen entsprechend zu sensibilisieren. Auch andere Kliniken haben die Problematik erkannt. «Wir werden unsere Informationsunterlagen in den nächsten Monaten anpassen und die Vorteile einer frühen Schwangerschaft stärker betonen», sagt Olav Lapaire, stellvertretender Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe des Unispitals Basel, auf Anfrage.

Politik fordert Kampagne

SP-Nationalrätin Nadine Masshardt, die im Mai im Alter von 29 Jahren zum ersten Mal Mutter geworden ist, begrüsst die Bestrebungen. «Es ist wichtig, dass junge Frauen und Männer über die Vor- und Nachteile einer frühen Mutterschaft informiert werden.» CVP-Nationalrätin Brigitte Häberli-Koller stimmt ihr zu: «Ich würde es begrüssen, wenn der Bund das Thema in einer künftigen Kampagne aufgreifen würde.» Beide fordern, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zudem weiter verbessert wird, da sich der Zeitpunkt der Familiengründung nicht immer exakt planen lasse.

In der Lösung dieses Konflikts sieht auch Zimmermann die grösste Herausforderung: Einerseits müssen die Arbeitgeber mehr Verständnis für die Situation junger Eltern aufbringen. «Andererseits müssen sich aber auch junge Paare mit der Tatsache abfinden, dass Kinderbetreuung Geld kostet und es sich lohnt, dieses zu investieren.»

BAG für Eigenverantwortung

Das Bundesamt für Gesundheit sieht derzeit hingegen keinen Handlungsbedarf, wie Sprecher Daniel Bach auf Anfrage sagt. Mit den heutigen Möglichkeiten könne sehr früh in der Schwangerschaft abgeklärt werden, ob ein Fötus eine Chromosomenveränderung aufweise. Die Eltern könnten sich somit bewusst entscheiden, ob sie das Kind behalten wollen. «Aus Sicht des BAG liegt es in der Verantwortung der Paare, in welchem Alter sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen wollen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trachsel Philippe am 15.07.2014 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die politiker

    Wen die kinderzulagen höher währen, die wohnmieten tiefer und wenn man als verheiratete personen nicht mehr steuern zahlen muss als eine einzel person, da wer ich schon lange verheiratet und hätte früher an einen kinderwunsch gedacht. Aber erklärt mich doch bitte wie man ohne finanzielle rücklagen in der schweiz eine familie durchbekommen soll??? Und nein ich bin keiner der zweimal im jahr ans meer fahren muss und im luxus leben will!!

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  • Patrick am 15.07.2014 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bedingungen ändern

    Es wäre einfach, man muss halt einfach die Bedingungen ändern, dass sich eine Junge Familie halt auch ein Kind leisten kann, was heute kaum der Fall ist. Ich habe ausserdem Mühe zu glauben, dass diese Zunahme von behinderten Kindern nur durch das Alter verursacht wird, wird da nicht etwas sehr schnell auf das Alter verwiesen?

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  • Mutter am 15.07.2014 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Familien unfreundlich

    Wenn eine Kampagne lanciert werden soll um Frauen zu motivieren früher Mutter zu werden, dann sollte der Staat Schweiz es endlich attraktiver machen Mutter, Vater, Eltern zu sein. Viele junge Menschen wollen sich zuerst finanziell absichern, bevor sie eine Familie gründen. Zuerst auf Reisen gehen und etwas von der Welt sehen. Der Gesundheitsaspekt ist wohl einer der wichtigsten. Die wenigsten lassen sich aber in jungen Jahren auf eine Elternschaft ein. Die Schweiz ist absolut Familien- unfreundlich, dazu kommt, auch Frauen wollen ein gutes Fundament an Ausbildung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.H. am 10.10.2014 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Späte Geburten

    Ich habe zwei ganz verschiedene Schwangerschaften und Geburten erlebt. Bei der Ersten befand ich mich noch im "akzeptablen" Alter.Es war eine sehr schwierige Schwangerschaft welche mit einer Frühgeburt per Kaiserschnitt endete. Die Zweite verlief problemlos und ich erlebte mit doch schon 40(!) eine gute und schnelle Spontangeburt ohne Komplikationen. Meine Gynäkologin unterstützt Spätgebärende was ich sehr begrüsse!

  • Frau am 16.07.2014 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Würde ja gerne..

    .. eine Familie gründen. Jedoch liegt dass die nächsten 5-10 Jahre finanziell nicht drin. Und danach bin ich ja anscheinend wieder zu alt. Macht schon traurig :(

  • Kahina am 16.07.2014 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitszustand

    Alkohol, Tabak, Stress, Drogen und allgemeiner Mangel an Fitness bei Männern und Frauen schaffen schlechte Voraussetzungen für gesunden Nachwuchs.

  • Ich am 16.07.2014 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus

    Ich finde eltern die kinder ab ihrem 40+ lebensjahr zeugen einfach egoistisch und ignorant die denken gar nicht daran wie sich das kind mit 18 fühlen muss wenn es eltern hat die schon bald sterben müssen...

  • a. tenner am 16.07.2014 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frustrierente bürger nerven

    Also wenn man die Kommentare hier liest wird man wahnsinnig. Weltverschwörung hier, Liebesdramen da, Egoisten dort, Dummköpfe überall! Mein Gott, geniesst das Leben und hört doch endlich mal auf, wegen jedem kleinsten Pupser daraufloszuheulen! Auch Verschwörungstheorien ändern euer Leben nicht zum positiven! Lebt und verbringt weniger Zeit online und ihr werdet glücklicher sein und viele gesunde Babys kriegen!