Neue Studie

12. November 2019 04:50; Akt: 19.11.2019 13:57 Print

Jeder Zweite glaubt, dass 5G krank macht

Eine neue Studie belegt: Schweizer haben Angst vor der neuen Mobilfunktechnologie. Sie fürchten Krebs – und dass nur die Firmen profitieren.

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Die neueste Mobilfunk-Generation 5G wird weiter ausgebaut. Mittlerweile sind 560 Antennen mit 5G ausgerüstet, wie Zahlen des Bundes zeigen. Doch die Bevölkerung stemmt sich dagegen: Wie eine Umfrage, die auf 20min.ch durchgeführt und von Politikwissenschaftlern analysiert wurde zeigt, wollen 54 Prozent keinen flächendeckenden Ausbau von 5G. Auf eine entsprechende Frage haben sie mit «Ja» oder «Eher Ja» beantwortet. Ein Moratorium würde von 54 Prozent unterstützt. 56 Prozent sind der Meinung, dass 5G der Gesundheit schadet, 45 Prozent glauben, dass es Krebs auslöst. Den grössten Nutzen sehen die Befragten bei den Telekom-Firmen und der Wirtschaft und erst dann bei Nutzern. Christian Grasser, Geschäftsführer des Verbands der Telecom-Firmen (Asut) sagt, seine Branche müsse nun besser informieren und erklären. «Es gibt keine neuen Risiken mit 5G». Mit 5G könne etwa der Verkehr sicherer oder der Energieverbrauch gesenkt werden. 5G sei zu einem «Symbol für ganz viele Bedenken und Sorgen geworden ist, von Gesundheit bis zu Jobverlust und Überwachung», so Grasser. Kritiker sehen sich bestätigt. Martin Forter, Geschäftsleiter der «Ärzte für Umweltschutz» sagt: «Die Bevölkerung ist sensibel.» Dass 5G mit Krebs in Verbindung gebracht werde, sei nicht weiter erstaunlich. (Im Bild: Demonstration gegen 5G) «Laut der Weltgesundheitsorganisation ist Funkstrahlung möglicherweise krebsfördernd.» Seine Organisation wolle sich gegen jede direkte oder indirekte Lockerung der Grenzwerte wehren, so Forter. (Im Bild: Demonstration gegen 5G)

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Die Mobilfunktechnologie 5G wird weiter ausgebaut: In den letzten sieben Monaten sind über 200 Antennen aufgerüstet worden. An rund 560 Standorten sind mitterweile 5G-Antennen aktiv, wie Zahlen des Bundes zeigen. Doch die Skepsis in der Bevölkerung ist nicht gesunken – im Gegenteil.

Umfrage
5G ist für mich...

Eine Umfrage, die auf 20min.ch durchgeführt wurde und von den Politikwissenschaftlern der Firma LeeWas GmbH ausgewertet und gewichtet wurde (siehe Box), zeigt: Mit 54 Prozent ist eine Mehrheit der Befragten gegen einen flächendeckenden Ausbau von 5G.

Ein Moratorium würde von 53 Prozent der Befragten unterstützt, die eine entsprechende Frage mit «Ja» oder «Eher Ja» beantworten. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind gross: 62 Prozent der Männer wünschen sich flächendeckenden 5G-Ausbau, aber nur 19 Prozent der Frauen – ein Graben, der sich durch alle Fragen zieht.

Schadet 5G der Gesundheit?

Sorgen machen sich die Befragten vor allem um ihre Gesundheit. Auf die Frage, ob 5G Krebs auslöst, antworten 45 Prozent der Befragten mit «Ja» oder «Eher Ja». 58 Prozent der Befragten glauben, dass 5G ihrer Gesundheit schadet, 56 Prozent glauben, dass sich die Strahlenbelastung durch die neue Technologie verändert. Als Profiteure von 5G sehen die Befragten vor allem die Telecomfirmen – und erst an zweiter Stelle die Nutzer.

Martin Röösli, Professor am Tropen- und Public-Health-Institut der Universität Basel, sagt, das sei ein Irrglaube. «Es herrscht ein weit verbreiteter Glaube, dass 5G etwas anderes ist als die bisherige Mobilfunkstrahlung. Dem ist nicht so», sagt er (siehe Interview).

«Symbol für Bedenken und Sorgen»

Für die Telecomfirmen sind die Resultate niederschmetternd. Christian Grasser, Geschäftsführer des Verbands der Telecomfirmen Asut, sagt: «5G ist zu einem Symbol für ganz viele Bedenken und Sorgen geworden, von Gesundheit bis zu Jobverlust und Überwachung. Da überrascht es nicht, dass viele Menschen Bedenken haben.» Das betreffe aber nicht nur den Mobilfunk, sondern die ganze technische Entwicklung.

Die Branche müsse nun besser informieren und erklären. «Es gibt keine neuen Risiken mit 5G», sagt Grasser. Es brauche aber neue Antennen, weil die Bevölkerung das Smartphone so häufig nutze. Mobilfunk sei eine Infrastruktur – so wie die Schiene für die Eisenbahn. «Damit begeistert man heute niemanden mehr. Die Begeisterung kommt erst, wenn es neue Anwendungen und Dienstleistungen gibt, die überzeugen. Davon profitieren die Bevölkerung und die Unternehmen.» So könne der Verkehr sicherer, der Energieverbrauch gesenkt oder der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft mit 5G minimiert werden.

Die 5G-Kritiker hingegen sehen sich bestätigt. Martin Forter, Geschäftsleiter der Ärzte für Umweltschutz, sagt, die Resultate der Umfrage erstaunten ihn nicht. «Die Bevölkerung ist sensibel.» Dass 5G mit Krebs in Verbindung gebracht werde, sei nicht weiter erstaunlich. «Laut der Weltgesundheitsorganisation ist Funkstrahlung möglicherweise krebsfördernd.» Seine Organisation wolle sich nun gegen jede direkte oder indirekte Lockerung der Grenzwerte für Anwohner wehren.


«Belastung nimmt wegen Flatrate-Abos zu»

Herr Röösli*, eine Mehrheit will keinen 5G-Ausbau. Sind Sie überrascht?
Nein. In den letzten Monaten wurde viel Kritisches über Mobilfunk und insbesondere 5G geschrieben.

Eine Mehrheit glaubt, dass mit 5G die Strahlenbelastung zunimmt. Hat sie recht?
Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass 5G etwas anderes ist als die bisherige Mobilfunkstrahlung. Dem ist nicht so. Es ist praktisch die gleiche Art Strahlung, wie sie seit 30 Jahren genutzt wird – einfach effizienter.

Wieso nimmt denn die Belastung zu?
Der Grund dafür sind Flatrate-Abos und die damit verbundene Zunahme der Übertragung von Daten übers mobile Internet. Diese Raten verdoppeln sich praktisch jährlich. Ohne das effizientere 5G wird die Strahlung noch stärker zunehmen. Um die Zunahme der Strahlung zu verhindern, muss man dafür sorgen, dass die mobile Datenübertragung nicht laufend zunimmt.

45 Prozent glauben, dass 5G Krebs auslöst. Stimmt das?
Die grösste Strahlenquelle ist das eigene Handy. Wenn Mobilfunkstrahlung Krebs erzeugen würde, hätten Hirntumore in den letzten Jahren zunehmen müssen. Das ist nicht der Fall.

*Martin Röösli ist Professor am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flørigni am 12.11.2019 05:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer die selbe Leier

    Das "Volch" hat auch schon bei 4G und Edge rumgeheult und es wird das Gleiche auch bei 6G wieder tun. Das "Volch" hat auch vorbehalte gegen Aufzüge gehabt und traute dem Automobil nicht, als es die Pferde ersetzte (Das ist nur in Vergessenheit geraten, weil es heute absurd erscheint). Meine Mutter hat immer gesagt "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht". Wie Recht sie doch hatte...

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  • Mars Mensch am 12.11.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral hoch im Kurs

    Niemand will 5G, aber alle surfen und streamen mit dem neusten Handy. Alle fliegen in die Ferien, aber wehe ein Flugzeug fliegt über das Wohnhaus. Alle wählen Grün und fahren am nächsten Tag wieder mit dem Auto los. Alle habe ein Hirn, aber nutzen es nicht.

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  • Pesche am 12.11.2019 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Lustig, wie sich alle über die bösen "5G-Wellen" empören ohne zu wissen, dass heutige WLAN-Router auf höheren Frequenzen als 5G senden. Leute, 5G wird in der Schweiz noch lange Zeit in den Regionen der 4G-Bänder betrieben. Zudem ist die Atmosphärische Dämpfung bei hohen Frequenzen grösser. Eine 5G-Antenne in 100m Entfernung bestrahlt euch weniger als ein WLAN-Router in 5m Entfernung... Vom Handy an eurem Ohr wage ich gar nicht erst zu sprechen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hexadezimal am 13.11.2019 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Digitale Demenz

    Ob wir nun an der Digitalen Demenz zu Grunde gehen, oder durch die Strahlung, die diese ermöglicht, ist doch eigentlich völlig egal. Wir sind offensichtlich bereit uns zu zerstören, weil eine Mehrheit das so will. - Wollte eine Mehrheit dies nicht und würde konsequent auf`s Handy und auf WiFi verzichten, dann könnten die Firmen die solches produzieren die Tore schliessen. Wir haben es in der Hand!

  • Wikipedia am 13.11.2019 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Georgia Guidestones

    Hier die Kopie einer der zehn Gebote: "Halte die Menschheit unter 500.000.000 in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur Lenke die Fortpflanzung weise "

  • Ello am 13.11.2019 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Datensammlungsverbot

    Am besten sind die opfer die sagen;wir werden heute schon ins gesicht geschlagen,also machts kein unterschied ob man uns noch in die eier tritt.Es macht 1unterschied und statt den bückling zu machen muss endlich jemand aufstehen und tödlich formulierte initiativen erbrüten die der wirtschaft ihren fortschtschritt gewähren aber die gleichzeitig die spionage und entmündigung in öffentlichkeit,privatsphäre ,privatmobilität,zahlungsverkehr knochentrocken verbieten.Inkl-schutz des bargeldes.Heute ist jeder anwendungsnutzen nur 1 trojaner für spionage der industrie schnüffelpolizeistaats-

  • Heidi Alp am 13.11.2019 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kein neutraler Experte

    Warum wird immer wieder Herr Röösli zitiert? Dieser Mann ist KEIN neutraler Experte. Er ist Mitglied der ICNIRP und steht klar der Mobilfunkindustrie nahe!

  • Carla am 13.11.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Stromfresser

    5G ist einfach nicht zukunftstauglich. Zuviel Strahlung und ein immenser Stromfresser.

    • Nina am 13.11.2019 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      Für 5G

      Liebe Carla Wenn du dich genau erkundigt hättets, wüsstest du, dass 5G, um dieselbe Datenmenge zu übertragen, weniger Energie als beispielsweise 4G benötigt. Auch das wachsende Datenvolumen kann mit weniger Energieverbrauch übermittelt werden als bisher. 

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