Grosse Umfrage

30. Juli 2012 11:00; Akt: 30.07.2012 11:12 Print

Mehrheit würde Beschneidungen verbieten

von Lukas Mäder - Beim Volk geniesst die Knabenbeschneidung aus religiösen Gründen wenig Sympathie. Am stärksten ist der Widerstand bei den Religionslosen. Ein Zehntel der Beschnittenen bereut den Eingriff.

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In einer Volksabstimmung hätte die Beschneidung keine Chance, wenn es nach den Lesern von 20 Minuten Online geht. Deutliche 64% sagten Ja zu einem Verbot von religiös motivierten Beschneidungen bei Knaben und Männern. Obwohl der Eingriff im Judentum und im Islam ein zentrales Ritual ist, sehen zwei Drittel der knapp 8000 Umfrage-Teilnehmer keinen Verstoss gegen die Religionsfreiheit.

Bei den Teilnehmern gibt es jedoch grosse Unterschiede. So sprechen sich von den Frauen mit 56% deutlich weniger für ein Beschneidungsverbot aus. Ebenfalls unterdurchschnittlich stark ist die Ablehnung des religiösen Rituals bei den Stadtbewohnern mit 57%, während von den ländlichen Teilnehmern 70% das Verbot befürworten. Noch höher ist die Zustimmung für ein Verbot bei den über 60-Jährigen mit 75%. Je jünger die Teilnehmer sind, desto geringer ist der Widerstand gegen die Beschneidung.

Religionslose am stärksten für Verbot

Massiv gegen ein Beschneidungsverbot sprechen sich erwartungsgemäss die Angehörigen der beiden betroffenen Religionen, Judentum und Islam, aus. Von den Muslimen sagen 93% Nein, von den Juden 75%. Ebenfalls eine Nein-Mehrheit findet sich bei den Mitgliedern von Freikirchen. Auf der Gegenseite führen die Religionslosen das Feld der Befürworter an. Drei Viertel von ihnen sagen Ja zu einem Verbot. Offensichtlich haben sie weniger Verständnis für religiöse Riten als beispielsweise Katholiken oder Reformierte.

Von den männlichen Teilnehmern der Umfrage sind mit 27% ein gutes Viertel beschnitten. Bei fast allen Muslimen (96%) und Juden (89%) wurde der Eingriff vorgenommen. Doch auch bei den Teilnehmern, die nicht dem Islam oder dem Judentum angehören, ist der Anteil mit 20% relativ hoch. Von den beschnittenen Männern geben 12% an, sich im Nachhinein zu wünschen, der Eingriff wäre nicht vorgenommen worden.

Beschnittene sehen Religionsfreiheit verletzt

Wenig überraschend sprechen sich die beschnittenen Teilnehmer nicht für ein Verbot aus religiösen Gründen aus. Im Durchschnitt sagen 67% Nein, bei den Juden und Muslimen sind es sogar 80% beziehungsweise 94%. Eine klare Mehrheit von 60% findet bei diesen Teilnehmern zudem die Einschätzung, dass mit einem Beschneidungsverbot die Religionsfreiheit verletzt würde.

Ob die Beschneidung jenseits der religiösen Tradition Vorteile hat, ist bei den befragten Frauen umstritten. So sehen 33% keinen Vorteil. Demgegenüber stehen 50% der Teilnehmerinnen, die einen beschnittenen Penis für hygienischer halten. 17% der Frauen gaben an, nicht zu wissen, ob es Vorteile gebe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 30.07.2012 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Selber entscheiden

    Das sollte jeder/jede selber entscheiden können, daher sollten z.B. medizinisch nicht notwendige Beschneidungen erst ab 16 Jahren erlaubt sein

  • Paul B. am 30.07.2012 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Warum ohne Anästhesie?

    Was ich immer noch nicht begriffen habe: Wenn schon beschnitten werden soll, warum aber dann ohne Anästhesie? Auf allen Bildern sieht man die kleinen Buben lauthals weinen? Wozu braucht es diesen völlig unnützen Schmerz denn? Oder ist genau DAS das Ziel?

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  • Marc am 30.07.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Logik der Religion

    Gott (Allah, je nachdem) ist allmächtig, perfekt, unfehlbar und sein Wille geschehe. Er hat uns, die Geschöpfe Gottes, nach seinem göttlichen Ebenbild erschaffen, so wie er es in seinem Plan für jeden von uns vorgesehen hat. Aber äääh, entschuldigung lieber Gott, wir müssen noch kurz eine winzige Korrektur daran vornehmen....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • contramis am 01.08.2012 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sie kennens nicht, wissens aber besser !

    Die 10 % welche an der Umfrage teilgenommen und angegeben haben, sie würden die Beschneidung bereuen, sind bestimmt unbeschnittene Christen. Und diejenigen welche die Beschneidung als eine Verstümmelung abtun, haben wohl noch nie mit solch einem Lausebuben zu tun gehabt. Liebe Damen, geht nicht mit solch einer Bildungslücke durchs Leben.

  • Volkan S. am 01.08.2012 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ach ja...

    Und kommt mir nicht mit "wenn's dir nicht passt, kannst du ja gehen". Ich bin hier geboren und aufgewachsen und bestens integriert bin, ich zahle hier genauso Steuern wie alle Anderen auch und biete diesem Land einen grösseren Mehrwert als mancher "Schweizer". Die Schweiz ist meine Heimat. Aber diese zunehmende Ausländerfeindlichkeit, die mit fadenscheinigen Begründungen mehr schlecht als recht kaschiert wird, sie trifft mich nunmal. Und da reagiere ich empfindlich.

  • Volkan S. am 01.08.2012 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    @ Asra Berujova

    In einer Demokratie kann und soll man selbstverständlich über alles diskutieren dürfen. Aber diese unter fadenscheinigen Begründungen erlassenen Verbote (die in letzter Zeit auffällig stark zunehmen), die nur auf EINE bestimmte Minderheit zielen und ausser Ausgrenzung absolut keinen Mehrwert haben, lassen keine fundierte Diskussion zu. Wenn mir als Betroffener von Laien und Nicht-Betroffenen Vorschriften gemacht werden, mit dem Ziel meine Souveränität zu unterbinden, dann wehre ich mich dagegen. Das hat mit fehlender Sozialkompetenz nichts zu tun.

  • Nava Sutter am 31.07.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Der Wert der Tradition

    Auch wenn der Grossteil der schweizer Bevölkerung heutzutage nicht mehr religiös ist, ist die Schweiz dennoch eine zutieftst christlich geprägte Gesellschaft. Soviele Dinge, die in unserem Alltag als natürlich hingenommen werden, beruhen auf religiösen Ursprüngen. Wenn die Beschneidung Teil der christlichen Tradition wäre, würde diese Diskussion hier wohl kaum stattfinden. Zumal der professionelle Eingriff nicht gefährlich ist, gibt es keinen Grund ihn zu verbieten.

  • Nava Sutter am 31.07.2012 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft statt Glaube?

    Vielleicht sollte es auch verboten werden, Kinder unter 16 Jahren in die Kirche mitzubringen, weil ihnen damit das Christentum aufgezwungen wird. Warum verbieten wir nicht Weihnachten und Ostern - es ist doch an der Zeit, dass die Vernunft endlich überhand gewinnt, und solch alberne Traditionen aus unserer Kultur vertilgt werden. Und was ist mit dem Wochenende? Sofort abschaffen! - Die Schöpfung hat nie stattgefunden, also dürfen wir am siebten Tag auch nicht ruhen! Auch sollten Kinder keine Oblaten essen, sie könnten ja eine Glutenallergie entwickeln, die nicht rückgängig zu machen ist.