08. November 2006 16:00; Akt: 08.11.2006 14:45 Print

Meier 19: Der tragische Held ist tot

1963 wurden den Stadtpolizisten auf der Zürcher Hauptwache die Löhne gestohlen. Der grösste Polizei- und Justizskandal von Zürich nahm seinen Lauf. Mitten drin: Detektivwachtmeister Meier 19.

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Kurt Meier erlag am 2. November im Alter von 81 Jahren einem Krebsleiden. Der einstige Detektivwachtmeister der Stadtpolizei wurde in Zürich im engsten Kreise beigesetzt.

Über die Geschichte von «Meier 19» publizierte 1997 der Journalist Paul Bösch ein Buch. In Absprache mit den Angehörigen teilte er am 8. November den Medien Meiers Hinschied mit.
2001 war ein Film von Erich Schmid mit dem Titel «Meier 19» in die Kinos gelangt.


Kämpfer für Gerechtigkeit

«Meier 19» war im Zusammenhang mit einer der grössten Polizei- und Justizaffären bekannt geworden. In den 60er- und 70er-Jahren hatte er sich gegen Missstände bei Polizei und Justiz gewehrt.

1967 brachte er den Fall eines Verkehrssünders an die Öffentlichkeit, der von der Polizei geschont worden war. Wegen dieser Amtsgeheimnisverletzung wurde der zweifache Familienvater entlassen und gerichtlich verurteilt. Der Fall erregte grosses Aufsehen und führte am 26. August 1967 zur ersten Zürcher Demonstration der 68er-Jahre: Die «Fortschrittliche Studentenschaft Zürich (FSZ)» organisierte eine Kundgebung gegen die «korrupten Polizeichefs und ihre sauberen Freunde».

In den darauf folgenden Jahren fand Meier nur noch vorübergehend eine feste Anstellung. Er wurde zu einem erbitterten Kämpfer für Gerechtigkeit. Für landesweite Schlagzeilen sorgte er durch die Enthüllungen im Fall des Zürcher Zahltagsdiebstahls von 1963.

Damals waren Lohngelder der Stadtpolizei in der Höhe von rund 88'000 Franken gestohlen worden. Die Täterschaft wurde innerhalb des Corps vermutet, wurde aber nie aufgedeckt.

Meier machte öffentlich, dass ausgerechnet der polizeiliche Ermittlungsleiter selbst, Kripochef Walter Hubatka, zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts gesehen worden war, in der Untersuchung aber ein unkorrektes Alibi angegeben hatte.


Kleine Genugtuung

1975, als ein allfälliges Delikt bereits verjährt gewesen wäre, anerkannte das Zürcher Geschworenengericht die Entdeckungen Meiers als zutreffend. Es verurteilte ihn damals aber wegen Ehrverletzung, weil er Hubatka als «Zahltagsdieb» bezeichnet hatte. Die Untersuchungsbehörden hatten Hubatka 1968 vom Diebstahlvorwurf entlastet.

Eine kleine Genugtuung erfuhr Kurt Meier im Jahr 1998: Der Zürcher Stadtrat entrichtete ihm die Summe von 50'000 Franken als ansatzweisen Ausgleich für die seinerzeitige ungerechtfertigte Entlassung. Die Zürcher Kantonsregierung lehnte 2001 eine ähnliche Geste ab.

Geboren worden war Kurt Meier am 24. September 1925 in Schöfflisdorf ZH. Er absolvierte eine Lehre als Mechaniker. 1948 trat er in die Stadtpolizei ein, wo er zehn Jahre später zum Detektiv, und 1965 zum Detektivwachtmeister befördert wurde.