Sprachprobleme

11. Mai 2018 05:39; Akt: 11.05.2018 08:10 Print

Migranten regen sich über Idioten-Deutsch auf

von B. Zanni - Schweizer wechseln oft in ein gebrochenes Deutsch, wenn sie mit Fremdsprachigen sprechen. Bei Migranten kommt das schlecht an.

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Die Szene spielte sich kürzlich in einem Postauto in Schaffhausen ab. Richtung Dörflingen wolle er fahren, sagte der arabisch aussehende Fahrgast in korrektem Deutsch, aber mit ausländischem Akzent. Darauf antwortete der Schweizer Chauffeur: «Du haben Halbtax?» Auch manche Bauarbeiter sprechen, als hätte Google-Translate ihre Sätze ausgespuckt. «Du holen Hammer», sagt der Schweizer dann zum portugiesischen Kollegen. Und ein Italiener bekommt bei einem Fehler vom Polier jeweils zu hören: «Du Doktor gehen jetzt. Ohren nicht gut, hä?»

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Fast schon legendär für den Gebrauch des sogenannten Idioten-Deutschs ist TV-Koch Daniel Bumann. Spricht er mit ausländischen Wirten oder Angestellten Klartext, rutscht er häufig sofort ins gebrochene Deutsch ab. «Sugo gleich isch!», sagte er etwa zu Wirtin Lucia im Restaurant Pizzeria da Franco, als er die mangelnde Vielfalt ihrer Sugos kritisierte. Um das Restaurant wieder auf Vordermann zu bringen, riet er ihr: «Wenn hast du kleinere Karte, kannst du das noch perfekter machen.» Und bei Wirt Franco fragte er nach: «Bist du einverstanden Karte kleiner?»

Migranten fühlen sich ausgeschlossen

Manche Schweizer ertappen sich auch im Alltag beim Deutsch-Radebrechen. «Ich frage meine Putzfrau zum Beispiel: ‹Kannst du putzen hier?› oder ‹Kannst du putzen heute Fenster?›», gesteht ein Zürcher. Er rede mit ihr so, weil sie ihn sonst nicht verstehe. Ein Thurgauer erinnert sich, im Job in der Gastronomie regelmässig ins Idioten-Deutsch gerutscht zu sein. «Ich sagte dem Kollegen aus dem Balkan etwa: ‹Du putze, ich schneide Tomate›, erzählt er. Das einfache Deutsch sei oft besser verstanden worden. «Viele Mitarbeiter mit Migrationshintergrund tun sich sehr schwer mit deklinierten und konjugierten Formen.» Wären sie in normalem Hochdeutsch angewiesen worden, hätte er sich viel öfter wiederholen müssen.

Bei Migranten kommt die Ausdrucksweise schlecht an. Migranten, oft auch Secondos, erlebten solche Situationen im Alltag häufig, sagt Mustafa Atici, Präsident der SP MigrantInnen. «Viele Migranten fühlen sich beleidigt, wenn Schweizer im Gespräch mit ihnen ins Idioten-Deutsch wechseln.» Besonders erniedrigend sei dies, wenn sie ihre Worte dazu mit übertriebener Gestik und Mimik unterstrichen und immer lauter würden. «Mit dieser Sprache wird vermittelt, dass man nicht dazugehört», sagt Atici, der ursprünglich aus der Türkei stammt. So gäben sie auch gut integrierten Ausländern die Gelegenheit, sich in der Opferrolle zu fühlen.

«Das Duzen unbekannter Erwachsener ist tabu»

Branchenvertreter verteidigen den Jargon. «Wir stellen fest, dass auf den Baustellen meistens eine einfache und klare, aber auch kollegiale und respektvolle Umgangsform vorherrscht», schreibt Bernhard Salzmann, Vizedirektor des Schweizerischen Baumeisterverbands. Gefragt seien nicht akademische Standards, sondern eine zielführende Verständigung. TV-Koch Daniel Bumann sagt: «Ich nenne das Küchensprache, denn in einer Küche werden immer nur kurze, klare und stichwortartige Ansagen gemacht.» Es bleibe schlichtweg keine Zeit, viel mehr zu erläutern, da der Gast auf sein Essen warte. «Und leider ist es oftmals auch für einen Schweizer nicht einfach, meinen Walliserdialekt zu verstehen. Ich bemühe mich aber immer sehr, dass mich alle verstehen können.»

Postauto distanziert sich vom Idioten-Deutsch. Laut Sprecherin Katharina Merkle sprechen die Chauffeure die Fahrgäste ausser in sehr touristischen Regionen in ortsüblicher Sprache an. Stelle der Chauffeur Verständnisprobleme fest, versuche er, sich immer verständlich auszudrücken. «Falls ein rudimentäres Deutsch der beste Weg ist, ist das auch okay, aber natürlich nicht von vornherein.» Merkle hält fest, dass Freundlichkeit und Respekt im Fahrdienst das A und O seien. «Das Duzen unbekannter Erwachsener ist tabu.»

Hier greift ein Bauarbeiter sprachlich so richtig daneben, wie der Ausschnitt aus «Otto – Der Film» zeigt:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MiHe am 11.05.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Null Problemo

    Mein Schwiegervater arbeitet im Asylheim und hat noch nie so etwas erzählt. Nehme also mal an, dass das wieder mal so ein Thema ist, das eigentlich überhaupt kein Problem darstellt, sondern nur von den Medien gepusht wird.

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  • MiHe am 11.05.2018 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Diskussionen

    Und andere sind vielleicht beleidigt, wenn man normal spricht, weil sie es unter Umständen nicht verstehen und wir ihnen nicht entgegenkommen. Man kann es nicht immer allen recht machen. Wichtig ist, dass beide Seiten genug Respekt vor dem anderen haben. Die Leute müssen mal aufhören, sich wegen allem aufzuregen!

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  • Amely am 11.05.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anpassen

    Mein Mann lebt seid 26.Jahre in der Schweiz. Von Anfang an sprach er Schweizerdeutsch. Er kann Urdu,Türkisch und Englisch. Er fühlt sich hier sehr wohl,er hat sich angepasst. Finde es schade,wenn sich gewisse Migranten kaum verständigen können. Wenn ich in ein anderes Land reise,versuche ich auch etwas über die Kultur zu erfahren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Feline X am 11.05.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlichkeit

    Es ist ja klar, dass man sich anpasst und höflich mit seinem Gegenüber redet. Wir sind hier in der Schweiz und wechseln daher unsere Sprache öfters. Wenn dein Gegenüber Mühe mit Schweizerdeutsch hat, dann spricht man halt Hochdeutsch, Englisch oder eine andere Sprache.

  • Amely am 11.05.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anpassen

    Mein Mann lebt seid 26.Jahre in der Schweiz. Von Anfang an sprach er Schweizerdeutsch. Er kann Urdu,Türkisch und Englisch. Er fühlt sich hier sehr wohl,er hat sich angepasst. Finde es schade,wenn sich gewisse Migranten kaum verständigen können. Wenn ich in ein anderes Land reise,versuche ich auch etwas über die Kultur zu erfahren.

  • Mika gro am 11.05.2018 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wie sage ich es nur ???

    Da hier soviele wissen was richtig und was falsch ist, frage ich mich, ob es kurse gibt welche mir das einzig wirklich richtige verhalten, sprechen, beibringen können. Wieder mal unglaubliche probleme werden da durch gezogen. Wichtig habe ich geglaubt, ist sich wie auch immer zu verstehen. Na ja man lernt nie aus.

  • Anazazi am 11.05.2018 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dubelisprache?

    Die meisten verwenden wohl eher die verbale wortkette. Leicht verständlich, da auf die minimalen infos reduziert und verben in der grundform. Das ist nicht böse gemeint. Es ist sogar teil der deutschen grammatik und explizit zur leichten verständigung gedacht!

  • Ali Baba am 11.05.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hesch Problem?

    Ach ja? Wenn ich mich so im Bus oder auf der Strasse umhöre, ist es offenbar gar kein Problem. Besonders unter den Jugendlichen mit Migrations Hintergrund.