Frauen verprügelt

16. August 2018 13:24; Akt: 16.08.2018 13:24 Print

«Gewalt kommt oft von männlichen Migranten»

Bei Gewalt an Frauen gelten Männer mit Migrationshintergrund häufiger als Täter. Das sagt eine Statistik – doch die Zahlen sind zu relativieren.

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«Hört auf, es schönzureden: Gewalt kommt vielfach von Männern mit Migrationshintergrund», sagt CVP-Politikerin Babette Sigg zum «Blick». «Die Gewalt von Männern, die Frauen attackieren, nur weil sie Frauen sind, nimmt zu», sagt Sophie Achermann, Geschäftsführerin des Bunds Schweizerischer Frauenorganisationen Alliance F. Die Bewegung SolidaritéS Genf reagierte bereits am Donnerstagabend mit einer Demonstration in Genf. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello sagt: «Der aufsteigende Feminismus verunsichert Männer im Moment.» Frauen, die mehr Rechte einforderten, verunsicherten viele Männer. «Manche machen ihrer Wut dann mit Gewalt gegen Frauen Luft.» Die SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler kennt Gewalt im Ausgang aus eigener Erfahrung. Sie arbeitete als Polizistin in Bern. «Die Gewalt nimmt nicht grundsätzlich zu, aber die Heftigkeit, mit der zugeschlagen wird. Die Hemmungen sind nicht mehr da», sagt sie. «Wir sind empört darüber, was passiert ist, und verurteilen diese Gewalt, die gegen die Frauen angewendet wurde», sagte Stefanie Prezioso von der Bewegung SolidaritéS Genf. Zwei der Frauen wurden so schwer am Kopf verletzt, dass ihr Zustand weiterhin ernst ist. Eine von ihnen liegt sogar im Koma. Auch die anderen drei Frauen wurden ins Spital gebracht. Die Place des Trois-Perdrix in Genf: Hier wurden die fünf Frauen am frühen Mittwochmorgen attackiert. Auch in den Medien wird der Angriff auf die Frauen breit thematisiert. «Genf im Schockzustand», titelt die «Tribune de Genève».

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Die jüngsten Gewaltakte in der Schweiz gegen Frauen rufen CVP-Politikerin Babette Sigg auf den Plan. Sie fordert, dass künftig ohne Ausschweife über die Nationalität der Täter gesprochen wird, wie der «Blick» schreibt. «Hört auf, es schönzureden: Gewalt kommt vielfach von Männern mit Migrationshintergrund», sagt die Zürcherin der Zeitung.

Gemäss Kriminalstatistik des Bundesamts für Statistik stimmt diese Aussage. Im Jahr 2017 wurden 514 Männer (in zwei Fällen waren es Frauen) der sexuellen Nötigung beschuldigt. Laut Straftatbestand sind dies sexuelle Handlungen, die unter Druck oder Gewaltanwendung zustande kommen. Von den 514 männlichen Beschuldigten waren 262 Ausländer und 252 Schweizer. Keine grosse Differenz, wie es auf den ersten Blick scheint.

Doch bei einem Ausländeranteil von 25 Prozent sieht das Verhältnis anders aus. Demnach wurden im letzten Jahr dreimal so viel Ausländer der sexuellen Nötigung beschuldigt als Schweizer. Für den Tatbestand der Vergewaltigung werden Ausländer im Verhältnis gar fünfmal häufiger beschuldigt. Touristen werden in der Kriminalstatistik jedoch nicht vom Ausländeranteil erfasst, wie es im Bericht weiter heisst.

Vorfälle in Genf und Zürich

Ausschlaggebend für Straffälligkeiten ist laut Bundesamt für Statistik aber nicht die Staatsangehörigkeit. Wichtiger seien nicht erfasste Faktoren wie soziale Schicht oder Bildungsstand.

Die Debatte um Gewalt an Frauen wurde neu entfacht, nachdem letzte Woche eine Gruppe Männer in Genf fünf Frauen verprügelt hatte. Laut «Blick» sind die Täter nach aktuellem Kenntnisstand Franzosen mit nordafrikanischem Hintergrund.

Beim Vorfall am Rande der Street Parade, als eine 29-Jährige zusammengeschlagen wurde, handelt es sich bei den Tätern nach Aussagen des Opfers um tamilische Staatsangehörige.

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