13. April 2005 16:01; Akt: 13.04.2005 17:41 Print

Milchproduzenten wollen sich nicht melken lassen

Die wirtschaftliche Situation der Milchbauern müsse verbessert werden, fordern die Schweizer Milchproduzenten.

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Einen Milchboykott lehnt er aber ab, weil die Risiken zu gross und nicht kalkulierbar seien.

Aus der Optik der Produktionskosten und der Einkommen sei der Milchpreis zu tief, sagte Gfeller, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP) mit Blick auf die laufenden Milchpreisverhandlungen in diesem Jahr.

Er übte in diesem Zusammenhang auch Kritik an Migros und Coop. «Wenn die beiden Grossverteiler einen unsinnigen Wettbewerb um den tiefsten Preis zwischen M-Budget und Prix Garantie austragen wollen, so sollen sie dies tun, aber zu Lasten ihrer eigenen Margen», sagte Gfeller an der Delegiertenversammlung des Milchproduzentenverbandes.

Die Milchproduzenten seien nicht bereit, einen Beitrag an dieses Preisdumping zu leisten. Der Preiskampf bei der Milch treibe nicht nur die Milchproduzenten in den Ruin. Auch die Milchverarbeiter vernichteten dadurch Cash-flow, was die Investitionsmöglichkeiten einschränke. Einige bäuerliche Molkereien drohten sogar, auszubluten.

SMP lehnt Milchboykott ab

SMP-Präsident Gfeller zeigte zwar Verständnis für die Forderung nach einem Milchboykott, zumal die wirtschaftliche Lage der Milchbauern verbessert werden müsse. Er bezweifle aber, dass damit Milchpreis und Einkommen nachhaltig verbessert werden könnten. Abgesehen davon, dass Einsicht und Solidarität für eine solche Aktion bei den meisten Milchbauern nicht vorhanden sei, sei das Risiko eines Milchlieferstopps gross und nicht kalkulierbar. Der SMP setze daher auf Verhandlungen und Überzeugungskraft. «Sollten alle Anstrengungen nicht ausreichen, um gesetzte realistische Ziele zu erreichen, scheuen wir auch vor Aktionen nicht zurück», sagte Gfeller.

Diskutiert wurde an der Delegiertenversammlung auch das weitere Vorgehen beim vorzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung, dem die Delegierten bereits vor einem Jahr zugestimmt hatten. Nach Ansicht des SMP muss der Organisationsgrad der Milchproduzenten hoch sein, um eine starke Position am Markt einzunehmen.

Kampf gegen Übersättigung des Markts

Die Milchproduzenten müssten mit klar festgesetzten, vertraglich abgesicherten Produktionsmengen dafür sorgen, dass nicht mehr Milch produziert werde als der Markt verkrafte. Für den Fall, dass sich einzelne Produzenten nicht an die Mengenvorgaben halten und mehr Milch produzieren, beschlossen die Delegierten praktisch einstimmig, dass auf diese Milch ab 1. Mai 2006 eine Abgabe von 40 Rappen pro Kilogramm an den Milchstützungsfonds geleistet werden müsste. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat laut dem SMP aber gewisse Vorbehalte angemeldet und dieser Sanktionsmassnahme noch nicht zugestimmt.

Laut SMP-Direktor Samuel Lüthi haben sich die Milchmärkte im vergangenen Jahr positiv entwickelt. Die wichtigsten Produktegruppen Konsummilch, Rahm und Käse sowie der Käseexport nahmen zu. Beim Emmentaler deute vieles darauf hin, dass die Talsohle erreicht sei.

(ap)