Hombrechtikon ZH

05. Dezember 2019 04:47; Akt: 05.12.2019 10:57 Print

Militär wollte mit Panzern vor Schule auffahren

von Joel Probst - Mit Panzern, Maschinengewehr und Panzerfaust wollte ein Kommandant eine Primarschule besuchen. Nun stoppen die Verantwortlichen den Anlass.

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Die Schüler der fünften Klasse des Primarschulhauses Neues Dörfli in Hombrechtikon ZH sollten am Donnerstag in warmen Kleidern erscheinen. Auf dem Programm stand ein besonderer Ausflug: Die «Mechanisierte Brigade Stabsbataillon 11» wollte mit Panzerfaust und Maschinengewehr vorbeikommen und die Schüler auf eine Rundfahrt in vier M113-Panzern mitnehmen. Organisiert hatte diesen Ausflug der Vater einer Schülerin, ein Major im Generalstab.

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Die Eltern und die Schule wurden informiert, die Gemeinde reservierte einen Parkplatz. Am Morgen hätten die Panzer nach etwa eineinhalbstündiger Anfahrt eintreffen sollen. Den Kindern sollten die Waffen und das Material präsentiert werden. Danach wollte die Armee sie in den Panzern auf eine Rundfahrt mitnehmen.

Velohelm als Schutz

Damit die Schüler den Kopf nicht anschlagen, wurden sie gebeten, einen Velohelm mitzunehmen. Damit kein Material gestohlen werde, sollten die Soldaten zudem immer die Waffe auf Mann tragen.

So weit kommt es nicht. Am Mittwoch fragte 20 Minuten bei der Armee und der Schule nach dem Zweck des Ausflugs, seinen Kosten und der Absicht dahinter. Armeesprecher Stefan Hofer teilte daraufhin mit, der Anlass, der bereits detailliert geplant gewesen sei, sei abgesagt worden. Das habe der Kommandant entschieden. Der Entscheid sei im Verlauf des Tages gefallen. Es mache keinen Sinn, unnötig mit Panzern im Quartier herumzufahren, Lärm zu verursachen und womöglich sogar den Strassenbelag zu beschädigen, begründet Hofer.

«Für die Kinder tut es mir leid»

Auch Ausbildungsgründe hätten in die Entscheidung hineingespielt: Der Major habe Anfang dieser zweiten WK-Woche die Notwendigkeit, seine Soldaten auf einen besseren Ausbilungsstand zu bringen, als höher eingestuft als die «ebenfalls wünschenswerte Präsentation der Armee in der Öffentlichkeit». Die Schule habe den Anlass gewollt und nach diesem gefragt.

Der Präsident der Primarschule begründet die Absage anders: Ein «Maschinenausfall» sei der Grund. Für die Kinder tue es ihm sehr leid. «Die geplante Rundfahrt im Panzer wäre für sie sicher spannend und lehrreich gewesen.» Er sagt, der geplante Ausflug gehe auf «Initiative der Elternschaft» zurück. Die Schüler seien durch ihre Klassenlehrperson über die Absage informiert worden, stattdessen gebe es nun regulären Schulbetrieb. Aus pädagogischer Sicht gebe es an der geplanten Panzer-Rundreise nichts auszusetzen.

Stefan Holenstein, der Präsident der Schweizer Offiziersgesellschaft (SOG), sagt: «Es ist gut und angemessen, den Kindern zu zeigen, um was es bei der Landesverteidigung geht.» Die Grundsätze unserer Milizarmee habe man in letzter Zeit etwas vergessen. «Trockene Wissensvermittlung allein eignet sich dafür nicht. Ob es gerade mit Panzern sein muss, ist eine andere Frage.»

Grundsätzlich sei die Idee nicht abwegig: «Es muss jedoch ernsthaft, zweckmässig und pädagogisch sinnvoll sein, dann steht dem nichts im Weg.» Die Kinder könnten dafür sicher gewonnen werden und zeigten Interesse. «Eine professionelle und stufengerechte Einführung ist indes unerlässlich.»

Ganz anders sieht das Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe Schweiz ohne Armee. «Hier werden Steuergelder verschwendet», sagt er. «Die Schulleitung ist naiv.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marius Knell am 05.12.2019 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher war alles besser

    Die Eltern haben mit den Steuergeldern die Panzer gekauft. Da finde ich es nur recht und billig, dass sie (oder hier ihre Kinder) auch was davon haben. Als ich klein war, war es jedesmal ein Ereignis, wenn ein Panzerbat durch das Dorf fuhr und uns Militärguezli zuwarf. Sollte wieder öfter gemacht werden.

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  • Bob65 am 05.12.2019 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fadenscheinige Ausrede

    Bin während meiner Militärdienstzeit tausende von Km sinnlos durch die Gegend gebrettert. Aber überall wurden wir gut bewirtet und mussten unsere Panzer 61 und später den Leopard den Jungs und Mädels zeigen. Schade, fand der Anlass nicht statt.

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  • EMMM am 05.12.2019 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum immer alles Verklemmt?

    Eine kleine Panzerschow hätte wirklich nicht geschadet, und wäre ein Lehrreiche erfahrung für die Schüler gewesen. Feuerwehr und Polizei wäre auch in Ordnung, aber beim Militär als Propaganda abzustempelm? Ich finde es Problematisch, nur wegen Politische Gesinnung, anderen die Lehrreiche erfahrungen zu Verbieten. Mal was anderes, als immer nur den Grauen Alltag.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugentobler Dänu am 05.12.2019 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super weiter so!

    Super so! Es ist wichtig dass wir Stärke zeigen! Das Militär ist wichtig und muss präsenter sein in der Schweiz! LG aus dem Ämmital Oberleutnant Dänu

  • Oberleutnant am 05.12.2019 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Mass

    Wenn Sie glauben Kinder würden dadurch instrumentalisiert und militarisiert, ist dass in Ordnung. Aber dann bitte den selben Massstab auch für die Schüler-Klimabewegung anwenden.

  • Balu67 am 05.12.2019 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz im Wandel

    Also in meiner Jugend hatte ich auch immer wieder Kontakt zum Militär und es war immer ein Highlight. Wir waren sogar mit Velo und Anhänger unterwegs um den Soldaten Getränke zu bringen. Wer Kontakt zum Militär möchte wird, den sicher noch finden. Ich denke einfach, es wollte sich niemand in die Nesseln setzen. Gefundenes Fressen für verschiedene Sparten oder anders ausgedrückt, was gibt heute nicht Anlass zu Diskussionen. Was vor Jahren nichts als normal war ,ist heute verpönt. Denke da wird noch einiges auf uns zukommen. Verbot der 1.Augustfeier oder so, denk doch an die .......

  • Planlos am 05.12.2019 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig

    Und das Militär wird in der Zukunft noch viel wichtiger werden!

  • General Blättli am 05.12.2019 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Jeder der möchte kann an die Tage der offenen Tür beim Militär gehen. Nur weil das Militär Personalmangel hat muss man nicht in der Primarschule mit dem Panzer vorfahren. Meiner meinung nach wäre es besser, wenn die Armee die Leute die auch unbedingt in das Militär gehen möchten, aufnehmen. Weg von der Miliz hin zum Berufsmilitär....auch im Berufsleben müssen sich alle anpassen und sich spezialisieren!