Scheidung

17. Februar 2019 20:54; Akt: 17.02.2019 22:04 Print

Millionärin muss Ex-Mann keinen Unterhalt zahlen

Eine Frau erhält vor Gericht die Obhut für die Kinder, obwohl der Mann grösstenteils an der Erziehung beteiligt war. Unterhalt muss sie auch nicht zahlen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein 57-jähriger Mann aus dem Kanton Zug musste vor dem Zuger Kantonsgericht eine Niederlage einstecken. Obwohl er seit 2008 Hausmann ist und somit grösstenteils für die Erziehung der Kinder zuständig, geht er in Sachen Obhut in erster Instanz leer aus. Das Zuger Kantonsgericht sprach diese der Frau zu. Der Mann darf die Kinder jedes zweite Wochenende besuchen.

Umfrage
Sollen geschiedene Männer Unterhalt kriegen?

Zudem erhält er keine Unterhaltszahlungen von der Frau, obwohl sie Millionärin ist. 2011, noch während der Ehe, wurde die Kaderfrau zur Multimillionärin, nachdem ihre Firma an die Börse gegangen war. Der Mann hat laut der «Zentralschweiz am Sonntag» aber keinen Job und ist an Krebs erkrankt. Er lebe am Existenzminimum und werde von Bekannten und Freunden finanziell unterstützt. Er hat den Fall ans Obergericht gezogen, wo die beiden Punkte demnächst neu verhandelt werden.

«Auch als Frau ist man nach einer Scheidung unterhaltspflichtig»

Bei Anwalt Rolf Schweiger sorgt das Urteil für Kopfschütteln. «Das Gerichtsurteil erstaunt mich. Das Gericht hätte auch anders entscheiden können. Gut möglich, dass das Obergericht das Urteil kehrt», sagt er zu 20 Minuten. In der Regel erhalte jene Person - egal ob Mann oder Frau - das Sorgerecht, die während der Ehe grösstenteils für die Kinder gesorgt habe. In diesem Fall sei es der Mann gewesen. Seine Krankheit müsse auch kein Hindernis sein: «Wenn eine Krankheit keine Behinderung im Alltag ist, der Vater also für die Kinder sorgen kann, kann man das Sorgerecht dieser Person zuteilen.» Oliver Hunziker, Präsident des Vereins für elterliche Verantwortung, ist auch auf der Seite des Vaters: «Kinder sollten dort bleiben, wo sie aufgewachsen sind. In diesem Fall waren sie mehrheitlich mit dem Vater.»

Und auch beim Unterhalt hätte die Rechtsprechung anders ausfallen können. «Auch als Frau ist man nach einer Scheidung unterhaltspflichtig», sagt Schweiger. Derjenige Partner, der mehr verdiene, müsse dem anderen Unterhalt zahlen, sofern nicht beide für sich selbst aufkommen könnten. «Da der Mann nicht arbeitet, krank geworden ist und lange nur für die Kinder zuständig war, könnte er Anrecht auf Unterhalt haben», so Schweiger. Man müsse aber weitere Faktoren abklären.

«Männer sind vor Gericht eindeutig immer noch benachteiligt»

Thomas Jakaitis, Präsident der Interessengemeinschaft geschiedener und getrennt lebender Männer, ist ob der Rechtsprechung des Gerichts nicht überrascht. «Männer sind vor Gericht eindeutig immer noch benachteiligt. Ich höre immer wieder von solchen Fällen. Wir haben Hunderte von Männern, die vor Gericht leer ausgehen.»

Der Grund für diese Ungerechtigkeit laut Jakaitis: das klassische Rollenbild. «Die Rechtsprechung ist nicht zeitgemäss und basiert auf veralteten Rollenbildern», so Jakaitis. «Ein Beispiel hierzu: Seit Jahrzehnten galt die Regelung bei Scheidungen, dass bei einem unter 10-jährigen Kind die Aufnahme der Erwerbstätigkeit unzumutbar für eine Mutter sei.» Diese altertümliche Regelung sei zum Glück im Herbst 2018 abgeschafft worden.

Voll arbeitsfähig

Im Zuger Fall argumentierte das Gericht, dass der Vater sehr wohl in der Lage sei, seinen Lebensunterhalt wieder selber zu bestreiten. Deshalb gebe es keine Unterhaltszahlungen.

Oliver Hunziker kann sich vorstellen, dass in Bezug auf die Obhut seine Erkrankung als erschwerender Faktor zum Tragen gekommen ist: «Das Gericht könnte argumentiert haben, dass der Vater aufgrund seiner Krankheit das Sorgerecht nicht kriegt.» Ausserdem könnte der Wunsch der Kinder berücksichtigt worden sein: «Hat ein Kind das 12. Lebensjahr erreicht, wird es ebenfalls angehört. Wenn es lieber zur Mutter wollte, dann wird das Gericht das berücksichtigt haben.»

(maz)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frank Kählin am 17.02.2019 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Wäre der Mann der Millionär, müsste er zu 100% zahlen

    einklappen einklappen
  • NH am 17.02.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und nun?

    Wo sind jetzt die Frauenrechtler?

    einklappen einklappen
  • Fritz am 17.02.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Parteiische Gerichte

    Gerichte hassen Männer bei Scheidungsverhandlungen. War schon immer so.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • logo am 18.02.2019 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann so sein

    Wenn er es auf's Geld der Dame abgesehen hatte, ich meine von Anfang an, geschieht ihm völlig recht. Nur sollte es im umgekehrten Fall auch so sein. Alles andere ist massivste Diskriminierung.

  • Walter am 18.02.2019 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen ?

    Mein vertrauen in unsere Gerichte sind schon länger angekratzt, und wo ist unser Hochgelobte Institution KESB?

  • Martini am 18.02.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Das geht mal gar nicht

    Wenn ich so Artikel lese...... Ich nehme an, Sie war eine der Hauptdarsteller in dieser wahren Begebenheit. Frauen wollen gleichberechtigt, aber dennoch bevorteilt werden. Hmmm.. Passt nicht so. Gewisse Gesetze sollten echt mal überschrieben werden!!! Als alleinerziehende Mutter kann man auch arbeiten gehen. Das tut nicht weh. Mit meinem Ex-Mann habe ich vereinbart, dass er nur die Kinder unterstützen soll. Bedenke: Bei der Entstehung der Kinder waren immer 2 beteiligt. Wer keine Lösung findet, ist nicht erwachsen. Einfach mal mitdenken, wenn es die Gesetze schon nicht ermöglichen.

  • Antonia am 18.02.2019 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Hier hat wohl der Richter das Geschlecht vergessen. Denn mit dem neuen Gesetz seit 2018 ist definitiv die Frau am kürzeren Hebel und nicht die armen Männer. Was gerade hier passiert ist klar unfair und zwar für diejenige Person, die zugunsten der Kindererziehung seinen Job an den Nagel gehängt hat. Ich finde es ist egal ob jetzt hier ein Mann das Nachsehen hat. Es ist die "schwächere Person" die sich für die Kinder und Familie entschiedern hat und die "Aufgabe" der Frau übernommen hat. Die Frau ist die Geldverdienerin und das Machttier und in dem Fall jetzt halt in der "Männermacht".Nicht fair

  • Rechts Laie am 18.02.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schande über den Zuger Richter

    Eigene Erfahrung aus 2018: Das Obergericht wird erstmal ca. 6 Monate brauchen, um sich zur Berufung zu äussern. Dann dauert es nochmal 30 Tage, bis dem OG-Urteil Rechtskraft erwächst. Somit haben die Kinder dann schon 6+ Monate bei der Mutter gelebt und es ist "unzumutbar", diese nun trotz evtl. Obsiegen in der Berufung, dem Vater zurückzugeben. Eine riesen Sauerei, was dem Mann widerfahren ist, ein kaum wieder gut zu machender Schaden. Bitte superprovisorisch von Amtes Wegen einschreiten!