Schweiz angeklagt

29. Dezember 2011 09:32; Akt: 29.12.2011 12:03 Print

Millionenklage wegen Hannibals Ex-Diener

Ein Angestellter der Schweizer Botschaft in Washington hat im Oktober eine Frau überfahren. Der Fahrer war der in Genf misshandelte Ex-Angestellte von Hannibal Gaddafi. Der Ehemann zieht jetzt vor Gericht.

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Es war ein fataler Moment der Unachtsamkeit, der am 6. Oktober das Leben der 64-jährigen Trudith R. beendete. Kamal M. – Angestellter der Schweizer Botschaft in Washington D.C. – wurde durch ein «Electronic Device», also höchstwahrscheinlich ein Mobiltelefon, abgelenkt und übersah die Frau auf dem Fussgängerstreifen. R. starb wenig später im Spital. Nun klagt ihr Ehemann – ein US-Rechtsprofessor – gegen die Schweiz und deren Angestellten, wie der «Blick» schreibt.

Demnach hat der Witwer am vergangenen Donnerstag eine Zivilklage am Bezirksgericht in Washington eingereicht. «Er fordert Schadenersatz: 10 Millionen Dollar», so der «Blick» weiter. Die umgerechnet 9,4 Millionen Franken seien die Mindestforderung. Die genaue Höhe der Summe werde vor einem Geschworenengericht festgelegt. Das eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wollte sich gemäss «Blick» nicht äussern: «Eine offizielle Notifikation der Schweiz über die von Ihnen erwähnte Klage hat bisher nicht stattgefunden. Daher kann das EDA zurzeit zu diesen Fragen nicht Stellung nehmen», wird Sprecher Pierre-Alain Eltschinger zitiert.

Unfall war Thema in Aussenpolitischer Kommission

Der Angestellte der Schweizer Botschaft ist kein Unbekannter: Wie mehrere Medien bereits im Oktober schrieben, handelt es sich bei Kamal M. um den ehemaligen Hausangestellten von Hannibal Gaddafi. M. zeigte im Juli 2008 den Diktatoren-Sohn bei der Genfer Polizei an. Was danach geschah, ist bestens bekannt: Gaddafi rächte sich mit der Entführung von Rachid Hamdani und Max Göldi.

Der tragische Unfall war auch Thema in der Aussenpolitischen Kommmission des Nationalrates (APK): Die Parlamentarier wollten im November wissen, wie der ehemalige Hausangestellte von Hannibal Gaddafi zum Botschaftsangestellten der Schweiz in den USA wurde. Wie SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli gegenüber 20 Minuten Online sagt, war die Antwort «höchst unbefriedigend». Er könne aufgrund der Vertraulichkeit nicht mehr sagen, aber es könne festgehalten werden, dass im Detail nicht klar sei, wie es dazu kam.

Gemäss Mörgeli sei auch klar gewesen, dass Einiges auf die Schweiz zu komme. «Der Ehemann ist ein Spitzenjurist», so Mörgeli. AKP-Kollege Geri Müller sagt, es sei ein tragischer Fall. «Wir haben damit gerechnet, dass es ein juristisches Nachspiel geben wird.» Die Zivilklage sei damals allerdings noch kein Thema gewesen, so der Nationalrat der Grünen. «Für Details in diesem Zusammenhang ist das EDA zuständig.»

(amc)