Ferienjob

20. März 2014 20:46; Akt: 20.03.2014 20:54 Print

Mindestlohn auch für Schüler und Studenten

von S. Marty - In Deutschland droht der Mindestlohn zur Mogelpackung zu werden. In der Schweiz garantieren die Initianten eine wortgetreue Umsetzung: Sie wollen auch Studenten 22 Franken zahlen.

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In Deutschland sollen Schüler, Studenten, Rentner und mehrere Berufsgruppen vom Mindestlohn ausgenommen werden. In der Schweiz soll das anders sein, sagen die Initianten. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Schüler, Studenten und Rentner sollen in Deutschland trotz der Einführung eines Mindestlohns weniger als 8.50 Euro verdienen können. Dies fordern deutsche Gewerkschafts- und Wirtschaftsvertreter und heizen damit die Diskussion um eine Verwässerung des Mindestlohns an. Besonders brisant: Auch ganze Berufsgruppen wie Taxifahrer, Zeitungsausträger und Mitarbeiter der Gastronomiebranche sollen vom Mindestlohn ausgenommen werden können.

Befürworter der Idee wollen damit unter anderem verhindern, dass für Jugendliche Aushilfsjobs attraktiver werden als schlechter bezahlte Ausbildungsplätze.

Genau dieses Szenario könnte in der Schweiz allerdings eintreten: Denn bei Schülern und Studenten, die in den Ferien oder am Wochenende jobben gehen, sind in der Schweiz praktisch keine Ausnahmen vorgesehen. Diese würden laut Thomas Zimmermann, Sprecher des Gewerbeverbands, zu Dumpingkonkurrenz führen. «Studenten sollten ihr Studium mitfinanzieren können, dafür braucht es einen Stundenlohn von 22 Franken.»

Mindestlohn für 14-Jährige

Und auch bei Schülern gilt es laut dem SGV-Sprecher, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. «Ein 14-Jähriger, der eine Erwachsenentätigkeit ausübt, sollte dafür auch mit dem Mindestlohn entschädigt werden.» Auf der anderen Seite soll ein Schüler, der in den Sommerferien in Vaters Geschäft nur Akten ins Archiv trage, auch künftig in diesem Ferienjob nicht mehr verdienen.

Der einzige Spielraum bei der Umsetzung der Initiative liegt laut Zimmermann bei den so genannten «besonderen Arbeitsverhältnissen», wie es auch im Initiativtext stehe. «Damit eingeschlossen sind Erwerbstätige, die eine Ausbildung absolvieren, etwa Lehrlinge oder Praktikanten.» Sie, wie auch Personen in geschützten Arbeitsstellen, würden auch in der Schweiz vom Mindestlohn ausgenommen.

Keine Ausnahme bei Tieflohnbranchen

Ganz klar nicht von einer Ausnahme betroffen wären alle Arbeitnehmer von Tieflohnberufen. Anders als in Deutschland sollen hier in der Schweiz keine Kompromisse zugelassen werden. «Wir sperren uns ganz gegen solche exzessiven Sonderwünsche», sagt Unia-Mediensprecher Pepo Hofstetter. «Es ist ja gerade das ausdrückliche Ziel der Initiative, Verkäuferinnen, Reinigungs- oder Serviceangestellten ein höheres Lohnniveau zu garantieren.» Entsprechend paradox wäre es, Ausnahmen zuzulassen.