Unwetter

29. Juli 2014 20:49; Akt: 30.07.2014 09:41 Print

Mini-Tornados zogen über Schweizer Seen

Spektakuläre Bilder über dem Neuenburger- und dem Bielersee: Ein Funnel, eine Vorstufe einer Windhose, taucht plötzlich auf.

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Blick über den Genfersee von Lausanne aus, am Morgen des 31. Juli. «Wegen des andauernden Regens haben wir 20 cm Wasser im Garten», schreibt Leser-Reporter A. Meyer aus Erzenholz bei Frauenfeld TG. Für die Nacht auf den 31. Juli haben Meteorologen bis zu 30 Liter Regen pro Quadratmeter vorausgesagt. «Nicht nur die Menschen leiden unter den aktuelle Wetterkapriolen», erinnert uns Leser-Reporter Pascal Rupp. Er hat beobachtet, wie sich eine Maus bei Erlen TG an Land gerettet hat. Wegen der starken Regenfälle wurden erhebliche Mengen Schwemmholz in Schweizer Seen gespült. Auf dem Brienzersee wird das Treibgut mit Schwemmholzsperren gebunden. Schiffsführer werden aufgefordert, erhöhte Vorsicht walten zu lassen. Die Hochwasser führende Aare im in der Matte nach erneuten heftigen Regenfällen am Dienstag, 29. Juli 2014. Am Nachmittag des 29. Juli zogen gleich mehrere Funnel über Schweizer Seen. Funnel sind Vorstufen von Wasserhosen, ... ... die aber die Wasseroberfläche nicht berühren. Laut Meteonews sind diese Trichterwolken ungefährlich. Am Morgen nach dem Unwetter werden im Rheintal die Schäden begutachtet. Mit vereinten Kräften wird der Schlamm aufgetürmt ... ... und abtransportiert. Das Ausmass der Schäden wird erst in ein paar Tagen klar sein. In Berneck SG helfen alle bei den Aufräumarbeiten mit. Auch in Bumbach im Kanton Bern gibt es nach einem Hangrutsch viel zu tun. In Altstätten SG steht ein Restaurant unter Wasser. Blick aus der Vogelperspektive auf Altstätten SG am Dienstagmorgen, 29. Juli. Wassermassen wälzen sich durch die Stadt. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gang. Land unter in Altstätten: Sogar Autos werden mitgerissen, wie Videos von 20 Minuten-Leser-Reportern zeigen. Flut in Altstätten SG. Ein Leser-Reporter hofft nur noch auf ein Ende. In Altstätten steht die Ringgasse unter Wasser... Wie auch der Bahnhof. Wo die Fluten wieder nachlassen, zeigt sich ein Bild der Zerstörung. Galterenbach im Kanton Fribourg: Wasser über statt unter der Brücke. In Luthern ist eine Strasse zerstört worden. In Sempach stand der TCS-Campingplatz teilweise unter Wasser. Die meisten Camper nahmens laut TCS mit Humor. «Heute schwimmen wir im Zelt und nicht im See», scherzen die Campingbewohner. Auch in Agno ist der Zeltplatz überflutet. Die Ilfis in Emmental wird zum reissenden Fluss. «Fussballplatz oder Schwimmbad?», fragt ein Leser aus Menznau. Im Appenzellerland hagelt es: Ein Bild aus Gais. Auch in Hütten ZH kam es am Montagabend zu Überschwemmungen. Aus Schüpfheim LU erreichen uns ebenfalls dramatische Bilder. Im Kanton Luzern sind innert weniger Stunden um die hundert Schadensmeldungen eingegangen. Die Feuerwehr steht im Dauereinsatz. In Muttenz steht ein Keller unter Wasser. Auch in Wallisellen ZH beginnt es nach dem Feierabend mit dem Regen. Der Bahnverkehr ist durch das Unwetter im Emmental gestört. Das Emmental steht wieder unter Wasser. In Zäziwil sind Strassen überflutet. Der Kreisel gleicht einem Bach. Auch in Wolhusen LU fahren die Autos durchs Wasser. «In Mirchel/Oberhünigen verwandelten sich die Strasse innert kürzester Zeit in einen Bach und die Weiden in einen See», schreibt ein Leser. In Luthern LU braucht es ebenfalls Wasserfahrzeuge. Das Wasser bahnt sich seinen Weg ... ... auch durch das Dorf. In Biel Benken BL sind dunkle Wolken und Blitze zu sehen. In Luthern stehen Gärten unter Wasser. In Allschwil BL hat der Hagel einen Pavillon zerfetzt. Auch im Tessin in Agno sieht es düster aus. Die Gewitterfront hat Basel erreicht. In Basel gab es am Nachmittag viel Regen und Hagel. Einige Strassen waren schnell unter Wasser. Dunkle Wolken über Seftigen BE. Am Montagnachmittag fielen in Flüh SO riesige Hagelkörner. Auch in Muttenz fiel eine Menge Hagel. Weisse Körner gab es auch in Laufental BL. Warnstufe Rot für die westlichen Vor- und Hochalpen sowie fürs Berner Oberland auf dem Wetterportal Meteonews.

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Spektakuläre Bilder von Trichterwolken erreichten uns aus mehreren Landesteilen. Sogenannte Funnel seien Vorstufen zu Tornados, erklärt Cédric Sütterlin von Meteonews auf Anfrage. Sie erreichen im Gegensatz zu richtigen Wasserhosen die Wasseroberflächen nicht. «Die Funnel sehen schön aus, sind aber ungefährlich. Sobald sie Land erreichen, fallen sie in sich zusammen», so Sütterlin. Funnel können sich laut dem Meteorologen bilden, wenn der See wärmer ist als die Luft.

Bereits zuvor hatte das Wetter in einigen Regionen der Schweiz verrückt gespielt. Die Schweiz ist am Montag und Dienstag von heftigen Gewittern heimgesucht worden. Der viele Regen setzte zahlreiche Keller und Strassen unter Wasser und brachte Hänge ins Rutschen. Die Situation bleibt angespannt, denn am Mittwoch wird erneut Regen erwartet.

Schwere Unwetter im Rheintal

Nachdem letzte Woche vor allem das obere Emmental von den Gewittern in Mitleidenschaft gezogen worden war, traf es dieses Mal unter anderem die Gemeinden Altstätten und Berneck im Kanton St. Gallen.

Innert kurzer Zeit hatten sich am Montagabend Wassermassen durch das Stadtzentrum von Altstätten gewälzt und Schlamm, Geröll sowie Schutt mit sich gerissen. Bis am Dienstagmorgen zählte die St. Galler Kantonspolizei in der Region um Altstätten rund 130 Einsätze der Feuerwehr, im ganzen Kanton waren es 170.

Bis zum Abend beruhigte sich die Lage um Altstätten und Berneck. Spezialisten hätten aus der Luft und am Boden eine neue Lagebeurteilung vorgenommen, teilte die Polizei mit. Die Pegel der Bäche und Flüsse waren weiter gesunken. Wegen des zähen Schlamms werden sich die Instandstellungsarbeiten aber noch hinziehen.

Ruhige Nacht in Schangnau

Aber auch das Emmental blieb nicht verschont: Nun traf es vor allem die Gegend um Sumiswald und die Region Zäziwil. Im am Donnerstag von einem Unwetter verwüsteten Schangnau verlief die Nacht auf Dienstag hingegen verhältnismässig ruhig.

Die Gebäudeversicherung Bern schätzt die Schäden auf mindestens 3 Millionen Franken - sie erhielt am Montag rund 100 Schadensmeldungen aus dem Emmental. Schon die Unwetter von letzter Woche hatten im oberen Emmental Schäden von rund 4 Millionen Franken hinterlassen.

Viele Schadensmeldungen in Luzern

Im Kanton Luzern waren vor allem die Napfregion und das Gebiet Sempachersee von den Gewittern betroffen. 22 Feuerwehren mit 700 Personen standen im Kanton im Einsatz. Bis Dienstagnachmittag gingen rund 150 Schadensmeldungen ein.

Besonders betroffen waren die Gemeinden Schüpfheim sowie Nottwil. Auch aus Menznau, Luthern und Willisau gab es viele Meldungen. Die Unwetter dürften gemäss der Gebäudeversicherung Luzern Gebäudeschäden von über einer Million Franken angerichtet haben.

Dutzende Keller und Gebäude standen unter Wasser. In Hofstatt wurden zwei Sägereien überflutet. In einem Stall in Nottwil verendeten rund 30 Ferkel in den Wassermassen.

Sand und Geröll auf Bahnstrecke in Luzern

Die Unwetter beschädigten auch Strassen und Schienen. Beispielsweise war auf der Bahnstrecke Luzern - Olten war der Abschnitt zwischen Sempach-Neuenkirch und Nottwil stundenlang unterbrochen, weil die Gleise von Sand und Geröll geräumt werden mussten.

Der Kanton Zürich kam im Vergleich zu andern Regionen glimpflich davon: Insgesamt verzeichnete Schutz & Rettung Zürich zwischen Montagabend und Dienstagmorgen 80 Feuerwehreinsätze. Diese konzentrierten sich vor allem auf das linke Zürichseeufer und das Zürcher Oberland.

Niederschlagsrekord für Monat Juli

Bereits vor Monatsende ist klar, dass der diesjährige Juli aussergewöhnlich nass war. An Messstationen im Wallis, im Jura und an den westlichen Voralpen wurden die grössten Niederschlagsmengen seit Beginn der Aufzeichnungen registriert - auf dem Moléson im Kanton Freiburg fiel beispielsweise rund viermal so viel Regen wie üblich.

Die nasse Witterung hat auch Folgen für die Landwirtschaft: 20 bis 30 Prozent der bisherigen Weizenernte ist von schlechter Qualität und eignet sich nur noch für die Futterproduktion - etwa 30 bis 40 Prozent der Ernte ist bis jetzt eingefahren. Einen so hoher Anteil von minderwertigem Weizen gibt es gemäss der Branchenorganisation Swiss Granum etwa alle zehn Jahre.

Gefahr nicht vorbei

Zwischen Mittwochmittag und Donnerstagmittag dürften am Alpennordhang weitere 20 bis 40 Millimeter Regen fallen, wie Meteorologe Bernd Konantz von MeteoSchweiz sagte. Auf der Alpensüdseite regnete es auch am Dienstagnachmittag noch stark.

Somit ist die Gefahr von Überschwemmungen nicht gebannt; für die meisten Schweizer Flüsse gilt zurzeit laut dem Bundesamt für Umwelt eine mässige Hochwassergefahr. Die Pegel der Seen sind ebenfalls sehr hoch, am Bielersee warnten die Behörden die Bevölkerung am Dienstagmorgen vor einem möglichen Hochwasser.

Die Ereignisse können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen:

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(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jjj am 28.07.2014 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feuerwehrleute

    Liebe Feuherwehrleute ich wünsche Euch heute und die restliche Täge viel Kraft bei der aufräumarbeiten und ich bin froh dass es Euch gibt.

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  • ChickenPie am 28.07.2014 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ein bisschen Regen, ein bisschen Hagel..

    ... und schon stossen wir an unserer Grenszen. Die Natur zeigt uns immer wieder, dass sie uns in der Gewalt hat, und nicht umgekehrt. Trotzdem denken einige, sie könnten die Risiken abschätzen, wenn sie Eingriffe in der Natur vornehmen (Abholzung, Geothermie, Fracking, etc...).

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  • Moni am 28.07.2014 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach Sommer 2014

    Das wird wohl nichts mit Dir :-(

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lila am 29.07.2014 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mutter natur

    irgendwann hohlt sich die natur zurück was wir ihr genommen haben

  • Andi am 29.07.2014 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Militär

    Und wann kommt das Militär und unterstützt uns beim aufräumen?

    • rs am 29.07.2014 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      warum

      das militär will ja niemand ausser genau jetzt, so der ton der letzten abstimmungen. sorry ist leider so, vielleicht hilft man beim asylwesen lieber.

    • markus am 29.07.2014 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      .....

      sorry, keine zeit. müssen zimmerordnung erstellen....

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  • Thomas am 29.07.2014 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin 35

    Und in meinem ganzen Leben war das Gewitter noch nie so schlimm in der Schweiz wie im Juli 2014. Ich wuensche allen Betroffenen viel Glueck und alles Gute.

  • anonym am 29.07.2014 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nötig

    Ich glaube Südeuropäer oder die in Afrika oder an diesem jetzigen Krieg betroffen sind, könnten die Spende schon besser gebrauchen als wir.

  • anonym am 29.07.2014 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blödes Klima

    In der schweiz und bestimmt in anderen laender regnets ja nur noch. Wir koennen nur hoffen dass der winter schoener wird. :)