«Legale» Exzesse

12. November 2018 09:36; Akt: 12.11.2018 11:07 Print

Armee-Spitze lässt ihre Frauen zum Golf einfliegen

Alkohol-Exzesse und Reisekosten von Gästen wurden in der Schweizer Armee lange Zeit über den Staat abgerechnet. Dass dies teilweise rechtswidrig ist, zeigt nun ein Bericht.

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Die Schweizer Armee muss jährlich hohe Ausgaben verbuchen. 68,3 Millionen Franken waren es im Jahr 2017. Nun wird allerdings bekannt, dass ein Teil dieser Ausgaben nicht etwa für die Armee, sondern für private Zwecke ausgegeben wurde. Dies kam laut dem «Tages-Anzeiger» bei Befragungen des Oberfeldarzts Andreas Stettbacher ans Licht.

Dieser wurde im August 2017 bereits seit acht Monaten aufgrund eines zu teuren Weihnachtsessens freigestellt. Er hatte damals 15'000 Franken für 32 Personen ausgegeben. Dass er bei Weitem nicht der schlimmste Ausgaben-Sünder der Armee ist, gab er schliesslich bei seiner letzten Befragung am 3. August 2017 zu Protokoll.

«Exorbitante» Kosten

Betroffen von den Anschuldigungen sind der Ausbildungschef der Armee, Daniel Baumgartner, sowie der Armeechef Philippe Rebord. Die Aussagen Stettbachers waren so gravierend, dass der Verteidigungsminister Guy Parmelin umgehend eine neue Administrativuntersuchung anordnen musste.

So soll Rebord bei einem Seminar der höheren Stabsoffiziere deren Frauen mit Luftwaffe-Helikoptern eingeflogen haben. Ausserdem konnten sie einen unterirdischen See besuchen und an einem Golfkurs teilnehmen. Das alles für einen Kostenbeitrag der Frauen von 100 Franken. Damit war der Mehraufwand von 7000 Franken noch lange nicht gedeckt. Erklärt wurden die Flüge damit, dass die Piloten sowieso auf ihre Flugstunden hatten kommen müssen.

Baumgartner soll derweil wegen des Mietens eines Velodroms in Grenchen für ein Fest mit 3500 Mitarbeitern und 500 Gästen für «exorbitante Kosten» verantwortlich sein. Es sei viel getrunken und gegessen worden. Die Kosten beliefen sich auf eine halbe Million Franken.

Disziplinaruntersuchung gegen Baumgartner

Des Weiteren sei es zu einer Schnapsorgie im Elm gekommen. Auf die 22 Vertreter der Geschäftsleitung und sechs Gäste fielen «7 Biere, 82 Einheiten Spirituosen (1 Kaffee Zwetschgen Luz, 53 Appenzeller, 17 Grappa Barolo, 4 Scotch Whisky, 6 Vieille Prune Morin, 1 Williams Theiler Pianta), 10 Flaschen Weisswein, 12 Flaschen Rotwein, damit total 1735.20 Franken für alkoholische Getränke, somit 78.87 Franken pro Mitarbeiter (ohne Gäste).» Die Rechnung ging auf den Staat.

Stettbacher konnte nach seinen Aussagen auf seinen Posten zurückkehren. Die von Parmelin angeordnete Untersuchung ergab, dass sich Rebord korrekt verhalten habe. Für den Armeechef sprach, dass keine expliziten Verbote existieren, sondern nur eine Art Tradition, gemäss derer er handelte.

Gegen Baumgartner hingegen wurde eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet. Diese kam zum Schluss, dass die Weihnachtsessen «regelkonform» seien. Die Alkohol-Rechnung sei «ungeschickt». Einige Geschenke an Mitarbeiter waren «sorgfaltswidrig». Das Geschenk einer Goldmünze an ihn selbst sei «rechtswidrig» gewesen. Ein Strafverfahren wurde allerdings nicht eingeleitet. Unklar ist, ob die unzulässigen Ausgaben zurückgefordert werden. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» wollte Baumgartner nicht Stellung nehmen. Parmelin spricht dem Ausbildungschef weiterhin das Vertrauen aus.

(doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cookie am 12.11.2018 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Militär

    Ich persönlich kann es nicht nachvollziehen, wie wir das militär machen lassen wie sie wollen. Jeder beitrag der gennant wurde, ist vom steuerzahler gezahlt worden. Dieses Geld sollte für die verteitigung unseres Landes verwendet werden und nicht zum Versaufen! Das ist die ''manager'' gruppe eines unternehmens und sicher keine Stabsoffiziere

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  • General am 12.11.2018 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles gierige Menschen

    Fremdes Geld ist immer schneller ausgegeben als das eigene, es ist eine Schande, dass fast niemand mehr ehrlich und redlich ist und weiss, was sich schickt oder nicht.

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  • Läppli am 12.11.2018 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armee Spitze

    Diese ganzen alkoholischen Exzesse sollten sowieso privat bezahlt werden!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Role am 02.12.2018 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle in den gleichen Topf

    Ich finde viel schlimmer ,dass jedes kleinste Übel gleich zur Abschaffung der Armee verwendet wird! Täglich sind da viele Mitarbeiter welche keine Riesen Saläre erhalten und viele Wertvolle Arbeiten im Hintergrund für das Wohl der Bevölkerung Leisten. Aber denen will Herr Aeschi die Teuerung streichen. Ich hoffe er verzichtet auch auf ein hohes Salär zugunsten der Steuerzahler!

  • Controller am 02.12.2018 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Controller

    Ich war selber Offizier dieser Armee und schäme mich für diese Armeespitze. Die Kultur Kameradschaft die gibt es und ist auch eine gute Sache. Wir haben die Anlässe alle selber bezahlt.

  • René H. Bartl am 18.11.2018 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ReBa

    Und auf Sozialhilfeempfänger setzen wir Dedektive an. Ja, es gibt verschiedene Möglichkeiten von den grossen BetrügerInnen in der Schweiz abzulenken. Nach "OBEN Geben" und nach "UNTEN Treten"! Ich bin froh, dass wir beginnen aufzuschreien.

  • Peter Schneiter am 18.11.2018 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Mich wundert das überhaupt nicht. Seit Jahren wird das Armeedepartement von SVP Leuten geleitet. Die kritisieren lieber die anderen als dass sie im eigenen Stall für Ordnung sorgen.

  • Schweizer am 18.11.2018 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beamte

    Dazu kommt ja noch das Staatsbeamte das arbeiten nicht erfunden haben, diese sollten eigentlich unsere Gesetze kontrollieren SECO Arbeitsgesetz etc. Was machen Sie? nichts!!