Politischer Vorstoss

29. Juli 2014 13:02; Akt: 29.07.2014 17:05 Print

Mit Kitas im Spital gegen den Personalmangel

von S. Marty - 24-Stunden-Kitas im Spital: SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr will in der Herbstsession mit dieser neuen Idee gegen den Mangel an Pflegepersonal vorgehen.

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SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr fordert Kindertagesstätten in den Spitälern. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Die Notfallstationen in der Schweiz laufen am Limit: Knapp 1500 Pflegefachleute fehlen landesweit jährlich. Bis 2020 könnte dieser Mangel gar auf bis zu 25'000 Fachkräfte ansteigen, prophezeit eine Studie dem Schweizer Gesundheitswesen.

Während Spitäler versuchen, sich bei der Rekrutierung mit immer höheren Prämien gegenseitig zu übertrumpfen, hat Jacqueline Fehr eine andere Idee, diesen Mangel anzugehen: Die SP-Nationalrätin will, dass Spitäler dazu verpflichtet werden, Kindertagesstätten anzubieten - und dies am liebsten rund um die Uhr. Sie plane, für die kommende Herbstsession einen entsprechenden Vorstoss einzureichen.

Die Überlegung: Da die Pflegenden an ihre unregelmässigen Arbeitszeiten gebunden seien, brauche es spitaleigene Betreuungsangebote, «die auf die besonderen Arbeitszeiten Rücksicht nehmen». Da ein Spital ein 24-Stunden-Betrieb sei, müsste dies durchaus möglich sein.

«Nachwuchs fehlt nach wie vor»

Auch der Präsidentin der Schweizerischen Interessensgemeinschaft Notfallpflege, Petra Tobias, gefällt deshalb Fehrs Idee. Die meisten grösseren Spitäler verfügten zwar über entsprechende Betreuungsangebote, doch diese hätten nur am Tag geöffnet: «Doch wir müssen uns 24 Stunden um die Patienten kümmern.» Vom Angebot würde meist nur der Frühdienst profitieren. «Ein 24-Stunden-Betrieb bedingt aber auch eine 24-Stunden-Kinderbetreuung.» Im Pflegebereich würden viele Alleinerziehende arbeiten, die auch in der Nacht auf eine Betreuungsangebot angewiesen seien.

Eine Anpassung der Öffnungszeiten wäre laut Tobias ein erster Schritt in die richtige Richtung. «Vor allem für Wiedereinsteigerinnen ist so ein Angebot bestimmt attraktiv.» Dennoch aber relativiert Tobias: «Auch trotz besserem Betreuungsangebot wird der Nachwuchs nach wie vor fehlen.» Auszubildende hätten meist noch keine Kinder und müssten mit anderen Anreizen gelockt werden. «Unser Beruf muss wieder attraktiver werden und braucht mehr Wertschätzung von der Gesellschaft und der Politik.»

Spitäler sehen kein Handlungsbedarf

Mit den Forderungen konfrontiert, sehen Spitäler kein Grund, ihr Angebot zeitlich zu erweitern. Im Universitätsspital Zürich etwa heisst es, dass das Thema bereits eingehend diskutiert wurde. «Derzeit steht im USZ aber die Umsetzung anderer Formen der Flexibilisierung des Betreuungsangebotes im Vordergrund», sagt Irene Etzer, Abteilungsleiterin Gesundheitsmanagement und Mitarbeiterservices am Universitätsspital Zürich. Ab 2015 prüfe man etwa eine Ausdehnung der Öffnungszeit auf das Wochenende und die Vermittlung alternativer Betreuungsangebote. «In der Schweiz wurde die Erfahrung gemacht, dass ein 24-Stunden-Angebot eine beschränkte Nachfrage auslöst», so Etzer.

Dieser Meinung ist man auch im Kantonsspital Graubünden: «An unserem Spital ist die Nachfrage nach einer 24-Stunden-Krippen nicht gegeben», so Hans-Christian Grass von der Patientenadministration. Ein entsprechendes Angebot sei nie genutzt worden. «Sollte der Wunsch nach flexibleren Betreuungsmodellen aufkommen, sind wir bemüht, mit den Eltern entsprechende Lösungen zu finden.»

Dies versucht auch das Universitätsspital Basel. Im Januar 2015 startet dort ein Pilotprojekt, welches Eltern in Ausnahmesituationen eine kurzfristige Kinderbetreuung anbieten möchte. «Die eigens für diesen Bedarf rekrutierten Betreuerinnen gehen dann zu den Familien nach Hause und übernehmen die Betreuung der Kinder in deren gewohnter Umgebung», heisst es beim USB.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacky M. am 29.07.2014 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Aha - mehr Kitas

    und in einem anderen Artikel heisst es, wir hätten nun mehr Kitas aber zuwenig qualifiziertes Personal - da beisst sich doch die Katze in den Schwanz....

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  • rolf mündig am 29.07.2014 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    mhh.....

    Holt weiter via Steuerdumping 400 neue Firmen in die Schweiz und demzufolge 85'000 Zuwanderer und der Fachkräfte Mangel wird ganz sicher NIE verschwinden. Anstatt das Problem mal endlich richtig anzugehen wird wieder an einzelnen Schräubchen gedreht.....

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  • Regula Hiltebrand am 29.07.2014 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Wertschätzung, bessere Arbeitsmodel

    Wertschätzende Behandlung von Schweizerinnen wäre primär. Dies lässt leider vielerorts zu wünschen übrig. Schlecht bezahlte Entlöhnung, unregelmässige Arbeitszeit, viel Stress. Da braucht es Leute an der Spitze, die gut organisieren und planen können. Es sollte z.B. möglich sein, dass Pflegepersonal an 2, 3 fixen Tagen arbeiten könnten, bessere Arbeitsmodelle sind gefragt. Das ganze Gesundheitswesen ist viel zu wenig strukturiert. Wenn die Kinder grösser sind, in die Schule gehen, funktioniert das Krippenmodell nicht mehr. Mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsmodelle sind gefragt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mjri__LL am 30.07.2014 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverantwortung übernehmen

    Alle schieben das Problem Kinderbetreueung auf die Allgemeinheit ab. Wer Kinder hat saoll sie betreuen. Mache ich ja auch mit meinem Hund. Also nicht imm die Allgemeinheit zahlen lassen für private Anliegen.

  • KITA/KITI am 30.07.2014 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung wäre da!

    Neben der hohen Fluktuation ist das Hauptproblem die bereits vorhandene Akademisierung! Es können heute zum Beispiel keine Wiedereinsteigerinnen mehr eingestellt werden, welche als Mütter ein oder mehrere Kinder erfolgreich gross gezogen haben und mit 40 oder 50 Jahren wieder arbeiten würden. Diese Personen haben keinen Abschluss, wie die Jungen Frauen welche den Beruf zwar schulisch lernen, aber teilweise selber noch Kind sind und sowieso Null Lebenserfahrung haben. Die Erfahrenen Mütter währen in den meisten Fällen viel verlässlicher als die 18-22 Jährigen Frauen.

  • Sydeboelleli am 30.07.2014 05:40 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe das Wort nicht......

    Was bedeutet Kita?

  • Heimleiter am 30.07.2014 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg von der Pfläschterli Politik

    Das ist doch nicht die Lösung ! Es geht um was ganz anderes. Die CH hat es seit Jahren verschlafen gute Leute zu rekrutieren die in diesem Beruf tätig sein können und die Anforderungen so hoch geschraubt dass viele gute Junge davon abschrecken diesen Job zu machen. Hört auf mit der pfläschterli Politik. Vor 2 Jahrzehnten schon hab ich davor gewarnt und nun ist es soweit. Wir haben den PFLEGENOTSTAND und damals hat man uns Heimleiter nur ausgelacht. Genau so bei den Dorf-Ärzten

  • Pflegefachfrau am 29.07.2014 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am Ziel vorbei

    Mir würde es niemals in den Sinn kommen meine Kinder in der KiTa übernachten zu lassen! Und sowieso würde das nur gehen bei Kleinkinder. Sobald es mit dem Kindergarten anfängt, ist ein Kind auch gebunden am jeweiligen Schulort. Und wo profitieren Wiedereinsteigerinnen? Die haben doch noch grössere Kids. Blöde Idee...